Zum 80. Todestag eine Gedenktafel

Gedenken Herbert Bach war erstes Opfer der Judenverfolgung in Mittweida

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Jürgen Nitsche (l.) und Oberbürgermeister Ralf Schreiber bei der Enthüllung der Gedenktafel für Herbert Bach im Rathaus Foyer. Foto: Andrea Funke

Mittweida. Im Rathaus erinnert seit dem 9. November eine Gedenktafel an den jüdischen Kaufmann Herbert Bach, der durch einen Fenstersturz vor 80 Jahren ums Leben kam. Er ist das erste Opfer der nationalsozialistischen Judenverfolgung in Mittweida. In diesem Jahr jährt sich der 80. Todestag von ihm, der zu einer der bekanntesten jüdischen Familien in Mittweida gehörte.

Der Tod Bachs ist vielen älteren Einwohnern Mittweidas im Gedächtnis geblieben. "Bei allen Recherchen konnte ich nicht heraus finden, ob sich Herbert Bach der wegen angeblicher Devisenvergehen inhaftiert wurde, bei der Zuführung zu einem Verhör aus Panik aus dem Treppenhaus des Amtsgerichtes stürzte oder gestürzt wurde", erklärte Jürgen Nitsche, der ebenso Autor des Buches "Juden in Mittweida" ist, welches im Januar 2018 erscheinen soll.

Durch den Sturz aus dem zweiten Stock in den Innenhof zog sich Bach so schwere Kopfverletzungen zu, dass er daran kurz darauf verstarb. Herbert Bach war am 31. August 1904 als einer der wenigen Juden in Mittweida geboren. Seine Eltern übernahmen 1903 das bestehende Kaufhaus.

Die Geschichte Bachs

Sein Vater Hermann Bach stammte aus der Provinz Posen, seine Mutter Frieda kam aus der Oberpfalz, beide heirateten in Weiden. Der Vater starb 1925 und hinterließ das Kaufhaus H. Bach in zentraler Lage seiner Frau, die es zusammen mit ihren Sohn Herbert führte.

Dann folgte am 1. April 1933 der Judenboykott der Nationalsozialisten, bei dem es gegen die jüdische Geschäfte, Warenhäuser, Banken, Arztpraxen und Rechtsanwaltskanzleien ging. Darunter litt auch das Kaufhaus, welches 1935 schließen musste.

Danach betrieb Herbert Bach ein kleines Geschäft weiter bis zu seinem mysteriösen Tod. Von Herbert Bach ist noch bekannt, dass er ledig war und sehr sportbegeistert. Er unterstützte in Mittweida den Fußballsport, insbesondere den SV Germania. Er selbst spielte in einem jüdischen Chemnitzer Fußballverein. Seine Leiche wurde auf dem jüdischen Friedhof in Chemnitz im Doppelgrab bei seinem Vater beigesetzt. Bereits im Jahre 2008 wurden vor dem Rathaus zwei Stolpersteine für Frieda und Herbert Bach zum Gedenken verlegt.