Zum Valentinstag: Wie eine Verwechslung beim Weinfest 1954 zu einer Liebe für die Ewigkeit wurde

Die wahre Geschichte – über Schicksal, ein grünes Perlenkleid und einem Kind, das ausgerechnet am Valentinstag geboren wurde

Rosswein

Zum Valentinstag denken viele an Rosen. Diese Geschichte aber beginnt mit einem grünen Kleid.

September 1954. Weinfest in Haßlau bei Roßwein in Mittelsachsen. Musik liegt in der Luft, Gläser klingen aneinander, Stimmen mischen sich unter das Spiel der Kapelle. Es ist einer dieser Abende, an denen das Leben leicht wirkt - und doch im Verborgenen seinen Lauf nimmt.

Zwei Freundinnen und ein junger Mann ohne Brille

Mitten im Fest stehen zwei junge Frauen. Beide tragen ein ähnliches grünes Kleid. Sie lachen, beobachten das Treiben, sind Teil dieses Septemberabends.

Auch Werner ist dort. Jung, gepflegt, ein wenig eitel vielleicht. Seine Brille hat er an diesem Abend bewusst nicht aufgesetzt. Er steht bereits im Dienst der Armee - seine Zeit gehört nicht mehr ganz ihm selbst.

Noch ahnt niemand, dass dieser Abend alles verändern wird.

Eine kleine Verwechslung

Es ist Damenwahl. Nicht Erika, sondern ihre Freundin fordert Werner zuerst zum Tanz auf. Ein freundlicher Moment. Höflich. Unscheinbar.

Später möchte Werner sich revanchieren. Er sucht das grüne Kleid. Und bittet - ohne es zu wissen - die andere junge Frau zum Tanz.

Vor ihm steht Erika.

Vielleicht war es ein Irrtum. Vielleicht war es genau so vorgesehen.

Dieser Tanz fühlt sich anders an. Worte bleiben länger als gedacht. Blicke halten einen Moment zu viel aus. Etwas beginnt - leise, vorsichtig, aber von besonderer Bedeutung.

Der Heimweg

Am Ende des Abends bringt Werner Erika nach Hause. Selbstverständlich, aufmerksam, ohne große Worte.

Sie sehen sich wieder. Wann genau, wie oft - das weiß heute niemand mehr so genau. Aber sie finden zueinander. Zwischen Gesprächen, kleinen Begegnungen und dem Gefühl, angekommen zu sein.

Dann ruft die Pflicht. Werner kehrt zu seiner Einheit zurück.

Ein Foto im Spind

Von da an hängt ein Foto von Erika in seinem Spind. Zwischen Uniform und militärischem Alltag begleitet ihn ihr Gesicht.

Erika schreibt ihm. Regelmäßig. Schickt selbstgestrickte Socken, kleine Aufmerksamkeiten, liebevolle Zeilen.

Ein Kamerad beobachtet das alles eine Weile und sagt schließlich: "Mensch, Werner, die meint es ernst."

Und wie Werner später oft erzählte: Dann war es so.

Heimkehr

Nach seiner Dienstzeit führt sein erster Weg zu Erika.

Was an einem Septemberabend begann, ist inzwischen Gewissheit geworden.

Am 20. Oktober 1956 heiraten sie - in einer Gaststätte, die später immer wieder Schauplatz ihrer gemeinsamen Jubiläen sein wird.

 

Ein besonderes Datum für eine sichtbar gewordene Liebe

Am 14. Februar 1957 wird ihr einziger Sohn geboren.

Ein Valentinstagskind. Nicht der Anfang ihrer Liebe - aber ein Datum, das sich wie ein stilles Zeichen anfühlt.

Ein gemeinsames Leben

Es folgen Jahrzehnte. Gute Jahre. Schwere Jahre. Zeiten voller Arbeit, Verantwortung und Familienleben.

Erika und Werner bleiben ein Team. Für ihre Familie werden sie Halt und Mittelpunkt, Ratgeber und Zuhörer.

Alle runden Hochzeitstage feiern sie dort, wo sie einst "Ja" sagten.

Zur goldenen Hochzeit erneuern sie ihre Ringe. Zur diamantenen Hochzeit sprechen sie ihr Eheversprechen noch einmal. Sogar die eiserne Hochzeit - 65 gemeinsame Jahre - dürfen sie im Kreis ihrer Familie feiern.

Immer am selben Ort. Immer füreinander.

Bis zuletzt

Werner ist inzwischen verstorben. Bis zu seinem letzten Tag sorgte er sich darum, dass es "seiner Erika" gut geht.

Er sagte oft, er habe ein erfülltes Leben gehabt - und für Erika sei er am dankbarsten gewesen.

Die Geschichte vom grünen Kleid in Haßlau blieb seine liebste. Er erzählte sie immer wieder. Vielleicht, weil sie zeigte, dass manchmal eine kleine Verwechslung der Anfang von allem sein kann.

Was bleibt

Bis dass der Tod sie scheidet?

Vielleicht auf dem Papier.

Doch wer diese beiden erlebt hat, weiß:

Was sie verbunden hat, war stärker als Zeit und Vergänglichkeit.

Diese Liebe endete nicht - sie hat nur ihre Form verändert...

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