Alles ja nur Ironie?

Der Schweizer Sänger Faber füllt längst die großen Hallen. Jetzt legt er sein zweites Album vor:"I Fucking Love My Life".

Der Schweizer Sänger Faber füllt längst die großen Hallen. Jetzt legt er sein zweites Album vor:"I Fucking Love My Life".

"I Fucking Love My Life" ist das zweite Album des gefeierten Schweizer Sängers Faber. Zu einem belanglosen Soundtrack zwischen Akustik-Rock und Italo-Schlager singt er Texte, die durch den Einsatz von Ironie kein bisschen klüger werden.

Als Faber vor etwa vier Jahren auf der Bildfläche erschien, da ging ein Jauchzen durch die deutschsprachige Pop-Musik-Landschaft, denn dieser Twentysomething mit den wuscheligen Haaren und der sonoren Stimme ist ein echter "Dude". Man findet ihn "frech" oder "unverblümt", weil er derbe Sprache verwendet und seine Musik handgemacht klingt, weil er Gitarre spielt und seine Band zur Polka bläst. Wäre Faber ein Rapper, würde man die Zeile "Ey mach's wie mit einem Lollipop / Dann kauf ich dir was Schönes bei Topshop" ("Top" vom neuen Album) aber nicht als "frech" oder "unverblümt" beschreiben, sondern als den Sexismus, der es ist.

Weil Faber diese Zeilen in Interviews gerne unermüdlich relativiert, hat er im Vergleich zu seinem Debütalbum "Faber im Wind" die Frequenz der Rollenprosa noch hochgeschraubt. Nach dem Motto: Wenn alles ironisch gemeint ist, muss man auch zu nichts mehr stehen. Faber singt solche Zeilen nicht, um sie dann in der nächsten Zeile klug zu brechen - die Ironie ist nur ein Schutzschild für das eigene Machotum. Im Song "Vivaldi" findet eine interessante Umkehrung statt: Aus der Perspektive einer Frau singt Faber die übergriffigen Komm-schon-du-willst-es-doch-auch-Sprüche, die in der Realität vor allem Frauen zu hören bekommen. Komisch nur, dass seine Rolle ausgerechnet ein Faber-Groupie ist, die die Sexismus-Vorwürfe auch noch als Verführungsargument verwendet, womit Faber also erneut seinen eigenen Sexismus relativiert.

Der Grund für den Erfolg

Worum geht es sonst noch auf "I Fucking Love My Life"? Da ist ein ironischer Text über die Oberflächlichkeit von Instagram-Likes ("Das Leben sei nur eine Zahl"), ein ironischer Text über die Generation Y ("Generation YouPorn"), ein melancholischer Text über sinnlosen Suff ("Jung und Dumm"). Das alles klingt, als käme es von einem 50-jährigen Musikkabarettisten und nicht von einem 26-jährigen Pop-Musiker. Hatten wir nicht schon gelernt, dass der einsame, versoffene Typ in der Lederjacke nicht cool ist? Hierin liegt wohl der Grund für Fabers Erfolg: Er ist die personifizierte Hoffnung auf ein Comeback des Macho-Popstars. Der kann wie Mick Jagger aussehen, oder wie Eros Ramazzotti, Faber ist die Mischung.

Faber - Generation YouPorn