Alltagsfrage: Was ist so "sensitiv" an Sensitiv-Produkten?

Im Drogeriemarkt reihen sich zahlreiche Produkte aneinander, die mit dem Wort "sensitiv" werben. Doch was steckt dahinter und lohnt es sich wirklich, statt herkömmlichen Cremes und Duschgels die Sensitiv-Variante zu kaufen?

Duschgels, Seifen, Deos, Zahnpasta: Für fast jedes Produkt gibt es neben der herkömmlichen eine Variante für empfindliche Haut - erkennbar an dem Zusatz "sensitiv". Diese Produkte sollen vor allem weniger Duft- und Konservierungsstoffe enthalten. Eine Garantie dafür gibt es aber nicht, denn der Begriff ist nicht geschützt.

Das ist umso erstaunlicher, als "Sensitiv"-Produkte keine neue Erfindung sind. Waschmittel mit diesem Hautverträglichkeitsversprechen gibt es zum Beispiel schon seit mindestens 20 Jahren. Trotzdem existiert nach wie vor keine verbindliche Definition des Begriffs. Im Prinzip kann jeder Hersteller "sensitiv" auf sein Produkt schreiben - ganz gleich, was drin ist.

Doch auch, wenn der "Sensitiv"-Aufdruck vor allem ein Marketingkniff sein sollte, wie Allergie- und Marketingexperten sagen, kann man in der Regel davon ausgehen, dass sie - vorsichtig gesagt - anders zusammengesetzt sind als die Variante für normale Haut. Die Stiftung Warentest hat zwar auch schon einmal eine Zahnpasta gefunden, deren Sensitiv-Ableger mit der Original-Paste fast identisch war, aber in vielen Fällen haben die Produkte für empfindliche Haut tatsächlich weniger (bestenfalls keine) Duft- und Konservierungsstoffe.

Nicht wenige "Sensitiv"-Produkte enthalten potenzielle Allergieauslöser

Doch was bedeutet das eigentlich: "empfindliche Haut"? Für die Forscher vom Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB) bedeutet es, dass die Haut im Kontakt mit bestimmten Stoffen (auch Allergene genannt) allergisch reagiert - also mit einer Rötung, starkem Jucken, nässendem Ausschlag, Bläschen oder einer Schwellung. Bei häufigem Kontakt kann so etwas auch chronisch werden. Deswegen rät der DAAB, die entsprechenden Allergene zu meiden.

Aber wie soll man überhaupt herausfinden, auf welchen Stoff man allergisch reagiert und wo er enthalten ist? Der Aufdruck "sensitiv" alleine hilft da ja offenbar nicht weiter. Denn womöglich erwischt man gerade eines der Produkte, die trotz "Sensitiv"-Label Stoffe enthalten, die Allergien auslösen können.

Einige bedenkliche Stoffe müssen auf der Packung angegeben werden

Manche dieser Substanzen müssen mittlerweile bei den Inhaltsstoffen aufgeführt werden, genauer gesagt 26 Duftstoffe. Eine Liste finden Sie unter anderem auf der Website des Umweltbundesamtes. Für diese 26 Duftstoffe gibt es inzwischen auch Allergietests.

Darüber hinaus gibt es auch noch Konservierungsstoffe, die allergische Reaktionen hervorrufen können, und die ebenfalls auf der Packung stehen müssen. Laut der Allergie-Expertin Silvia Pleschka zählen dazu vor allem Methylisothiazolinone, Methylchloroisothiazolinone und DMDM-Hydantoin. Die ersten beiden sind seit 2017 zumindest in Kosmetika verboten, die auf der Haut bleiben (also nicht, wie Duschgels, abgewaschen werden).

Der DAAB geht aber von mehr als 120 Substanzen aus, die eine Kontaktallergie auslösen können. Viele dieser Stoffe finden sich nicht auf den Verpackungen - oder zusammengefasst unter einem Sammelbegriff wie "Parfum" oder "Fragrance". So weiß man kaum, was wirklich enthalten ist - und erst recht nichts über die Menge (über die man im Übrigen aber auch nichts weiß, wenn die Inhaltsstoffe einzeln aufgeführt werden).

Wie viel von etwas in einem Produkt ist, erfährt man nur, wenn es als Arzneimittel eingestuft wird. Dann muss man es aber in der Regel in der Apotheke kaufen.

Auf Arzneien muss genau aufgeführt werden, was drin ist und wie viel. Wenn du zu den 15 bis 20 Prozent der Menschen in Deutschland gehörst, die laut DAAB auf bestimmte Duftstoffe allergisch reagieren, könnte das vielleicht eine Hilfe sein.