Alltagsfrage: Was verbirgt sich hinter dem "Spargel-Urin"?

Spargel ist zwar lecker, doch dem ein oder anderen mag schon aufgefallen sein, dass danach auch der Urin anders riecht. Doch woran liegt das?

Wenn es wärmer wird, wachen nicht nur Igel und Fledermäuse wieder aus dem Winterschlaf auf, sondern auch der Spargel. Mitte April ist der Boden in der Regel warm genug, dass die Leckereien anfangen zu wachsen. Rund zwei Monate lang landet er dann in allerlei wohlschmeckenden Kombinationen auf unseren Tellern. Aber eine nicht so leckere Nebenwirkung kennen Sie vielleicht auch: den berüchtigten "Spargel-Urin".

"Berüchtigt" natürlich nur wegen des Geruchs. Denn Spargel-Urin ist kein Anzeichen für eine Krankheit, sondern einfach ein Stoffwechseleffekt. Spargel enthält neben vielen anderen Stoffen auch Asparagusinsäure. Wird sie im Körper aufgespalten, werden schwefelhaltige Verbindungen frei, die über den Urin ausgeschieden werden. Damit das passiert, muss im Körper aber ein bestimmtes Enzym vorhanden sein. Haben Sie dieses Enzym, sind Sie ein Spargel-Pinkler - und gehören damit zu rund 40 Prozent der Bevölkerung, die das Enzym ebenfalls haben.

Manche nehmen den Geruch nicht wahr

Es gibt auch Menschen, die zwar das Enzym haben, den Geruch aber nicht wahrnehmen. Grund dafür sei wohl eine Mutation in einem Geruchsrezeptor-Gen, sagte der Biochemiker Stefan Lorkowski der Apotheken-Umschau. Dort ist auch zu lesen, dass die schwefelige Substanz im Urin den chemischen Verbindungen im Stinktier-Sekret ähnelt.

80 Prozent des Tagesbedarfs an Vitamin C und E

Das alles sollte Sie natürlich nicht davon abhalten, Spargel zu essen. Denn er schmeckt nicht nur großartig, sondern ist auch gesund. So decken 500 Gramm Spargel 80 Prozent des Tagesbedarfs an Vitamin C und E und fast 50 Prozent des Tagesbedarfs an Folsäure und Calium, wie das Bundeszentrum für Ernährung schreibt. Zudem enthalte Spargel viele sekundäre Pflanzenstoffe, von denen einige antibakteriell und Krebs hemmend wirkten. Weitere Pluspunkte des Spargels: Er macht lange satt, hat wenig Kalorien, ist leicht verdaulich und gut für Darm und Nieren.

"Iiiih, Mami!"

Dass er die Nierenfunktion anregt, kann für Menschen mit einer Nierenerkrankung allerdings schlecht sein. Deswegen sollten Sie dann mit Ihrem Arzt darüber sprechen, wie viel Spargel Sie vertragen. Gleiches gilt für Menschen mit Gicht und mit erhöhten Blutfettwerten. Letztere sollten bei den meist fettreichen Saucen achtgeben, die es zum Spargel gibt.

Das Spargelaroma kann übrigens auch in die Muttermilch übergehen. Verzieht das Baby also beim Stillen das Gesicht, endet die Spargelzeit für die Mutter leider schon vor dem "offiziellen" Ende am 24. Juni.