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Anja Reschke: "Es ist ein Angriff auf uns alle"

Am 4. Juni 1961 - vor 60 Jahren - lief zum ersten Mal das Politmagazin "Panorama" im Ersten. Anja Reschke, Moderatorin seit 20 Jahren, sieht kritischen Journalismus in Deutschland heute so sehr bedroht, wie vielleicht noch niemals zuvor.

Die Frau kennt sich aus. Anja Reschke, 48, moderiert seit 20 Jahren Deutschlands ältestes Politmagazin, das nun mit der Jubiläumsausgabe "60 Jahre Panorama" (Donnerstag, 10. Juni, 21.45 Uhr) geehrt wird. Gründe zum ausgelassenen Feiern sieht die Mutter zweier Kinder jedoch weniger - denn der kritische Journalismus in Deutschland ist in ihren Augen bedroht. Im April hat "Reporter ohne Grenzen" die Pressefreiheit in Deutschland erstmals seit langem nicht mehr als "gut", sondern nur noch "zufriedenstellend" eingestuft. Ein Warnsignal? "Überraschend war es für mich nicht", sagt Anja Reschke im Interview mit der Agentur teleschau. "Das kann man ja schon länger beobachten. Vordergründig sehen wir das auf Demonstrationen, bei denen immer öfter Reporter angegriffen werden. Noch perfider finde ich allerdings das Herauspicken und Diskreditieren einzelner Journalisten."

Seit langem warnt Reschke vor öffentlicher Hetze und dem Diskreditieren einzelner im Netz oder nun auch in der Realität. "Bei den 'Querdenker'-Demos wurden nicht nur Konterfeis von Christian Drosten oder Angela Merkel in Sträflingsklamotten hochgehalten, unter denen das Wort 'schuldig' stand. Es waren auch - es waren vielleicht zehn - Journalisten auf diesen Plakaten zu sehen: Dunja Hayali, Claus Kleber, Georg Restle oder auch ich. Das ist natürlich absurd, weil ich mit den Corona-Maßnahmen überhaupt nichts zu tun habe."

Anja Reschke, Leiterin der Abteilung Kultur und Dokumentation beim NDR, sieht in Aktionen wie diesen einen systematischen Angriff auf die Pressefreiheit. "Jede Regional-Journalistin, die vielleicht vor Ort einen kritischen Artikel zu einem Sachverhalt schreibt, den sie recherchiert hat, kann im Internet beleidigt und bedroht werden. Es passiert überall und ist fast schon Usus. Das Ziel ist natürlich Einschüchterung."

Reschke betont, es gelte zu begreifen, dass es bei diesen Angriffen eigentlich nie um den einzelnen Journalisten ginge. "Es geht darum, die Freiheit einzuschränken. Die Pressefreiheit, die Meinungsfreiheit. Es ist ein Angriff auf uns alle. Das nehme ich gerade sehr stark wahr - und es kann einem Sorgen machen."



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