Auf Entdeckungstour

New Model Army gaben 1980 ihr erstes Konzert. Fast 40 Jahre später veröffentlicht die Band ihr 15. Studioalbum "From Here". Die Briten sind ruhiger und besonnener geworden, aber nicht leiser.

New Model Army: Das war "51st State", das war 80er-Rockdisco, das waren aufmüpfige Briten, die mit dem Punk im Rücken für frischen Wind in der Musikszene sorgten. Von der Originalbesetzung ist nur noch Bandkopf Justin Sullivan übriggeblieben. Dennoch atmet auch "From Here" jene einzigartige Mischung aus Rock, Folk, Rebellion und Melancholie, mit der New Model Army einst zu einer Marke wurden.

Das Spannungsfeld aus urbaner, rhythmisch betonter Gesellschaftskritik und Folk-behangener Naturverbundenheit gehört nach fast 40 Jahren Bandgeschichte immer noch dazu. Für die Aufnahmen zu "From Here" wurde das "Ocean Sound Recordings"-Studio ausgewählt, welches sich auf einer kleinen Insel in Norwegen befindet. Direkt am Meer liegt es, eingebettet in die Landschaft und mit breiten Fensterfronten ausgestattet. Der Entstehungsort spielte offenbar eine wichtige Rolle, denn selbst auf den offiziellen Pressefotos taucht das Gebäude auf, in welchem auch schon Bands wie a-ha oder Travis zu Gast waren.

Im Bann der Natur

Tatsächlich schlägt einem hier Musik entgegen, die von klarer, stiller Luft genährt scheint. "From Here" ist ein nachdenkliches Album und fühlt sich an wie ein einstündiger Blick in vorbeiziehende Wolkenfelder. Immer wieder kündigen sich Gewitter an, und selbst wenn die Musik ruhig wirkt, verleihen Sullivans Worte dem Ganzen eine unheilvolle Komponente. "From Here" ist außerdem ein Album, das durchgehört werden will. Es ist eine kleine Reise - der Titel "From Here" und die zweite Single "Never Arriving" deuten es an. Vom stimmungsvollen Opener "Passing Through", der sich nach knapp vier Minuten mit dem Einsatz von Akustikgitarre und Schlagzeugdonner aus dem dichten atmosphärischen Korsett zu befreien versucht, bis zum abschließenden Titeltrack.

"I Love The World" heißt einer der Klassiker der Band, erschienen auf dem 89er-Erfolgsalbum "Thunder And Consolation". Die Welt wird drei Dekaden später immer noch geliebt, doch statt die wunden Punkte mit zynischer Angriffslust anzugehen, werden sie mit einer bisweilen kargen, jedoch allzeit einnehmenden und ja, auch reinigenden Traurigkeit behandelt. "Some set sail to conquer, some set sail to discover", heißt es in dem wiegenartig getragenen Stück "Maps". Es sieht ganz so aus, als hätte die nächste Entdeckungsreise mit New Model Army eben erst begonnen.

New Model Army auf Tour:

10.10. Dortmund, FZW

11.10. Hamburg, Markthalle

12.10. Berlin, Huxleys

24.10. Freiburg, Jazzhaus

25.10. München, Backstage

26.10. Stuttgart, LKA

27.10. Nürnberg, Hirsch

29.10. Dresden, Beatpol

30.10. Frankfurt, Batschkapp

31.10. Losheim, Eisenbahnhalle

14.12. Köln, Palladium

New Model Army - Never Arriving