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Berauschend, verträumt und schrammelig: Musik, die mitten ins Herz trifft

Rückblick Alben die mein Jahr erhellt haben

Viktorias Top-Alben des Jahres

 

Das vergangene Jahr hat nicht nur Stillstand bewirkt, sondern auch Zeit eingeräumt. Zeit für die Dinge, die einem am Herzen liegen und manchmal vielleicht zu kurz kommen. Musik ist wahrscheinlich für viele ein täglicher Begleiter und ist für jeden von unterschiedlicher Bedeutung. Das letzte Jahr hat mir wieder einmal mehr gezeigt, wie wichtig Musik für mein Wohlbefinden ist und da rede ich nicht von Radiosendern, die im Hintergrund laufen. Musik muss mein Herz treffen, tief sitzend vom Sound bishin zur sinnübertragenden Füllung. Und weil man solche Musik der Welt nicht vor enthalten sollte, leg ich euch mein persönliches musikalischen Potpourri aus dem Jahr 2020 ans Herz.

1. The Saxophones - Eternity Bay


The Saxophones ist eine amerikanische Band aus Oakland, die ihr erstes Album an Bord eines Bootes am östlichen Ufer der Bucht von San Francisco geschrieben hat und ihr zweites Album "Eternity Bay" genannt hat, um den physischen Ort mit einem spirituellem Zeitgefühl zu verbinden. Nach ihrem ersten Debüt Album "The Songs Of Saxophones" 2018 veröffentlichte das Ehepaar im Frühjahr 2020 "Eternity Bay" welches den unkomplizierten verträumten Klängen der ersten Platte in Nichts nachsteht. Wie geschaffen, für die Tage der Entschleunigung in Corona-Zeiten, um sich der Zersplitterung der Stunden und dem Sinn seiner Existenz hinzugeben. "Eternity Bay" stellt sich den schwierigeren Aspekten des Menschseins - Arbeit, Glaube, Träume, Unsicherheit, Angst - und schafft eine zarte Klangwelt, die nährt und energetisiert.

Das Album stellt eine tiefe Bindung zu seinen Zuhörern her und entführt an andere Orte, Räume und in andere Zeiten. An der Schwelle der Fragilität und gleichzeitig hoffnungsvoll romantisierend, schafft jeder einzelne Song einen Raum voll Hoffnung,Trost und Wandel und lässt den Grenzschimmer vom tiefen Nachthimmel und der Morgendämmerung konturlos werden. Mit dem Opener des Albums "Lamplighter" vereinnahmen die Klänge des Saxophons Herz und Sinne und tragen einen direkt an die ewige Bucht des Seins.

 

2. Fontaines D.C. - A Heros Death


Fontaines D.C. ist eine irische Post-Punk-Band aus Dublin, die  sich 2017 auf der Basis ihrer gemeinsamen Liebe zur Poesie gründeten. Die Gruppe veröffentlichte im Frühjahr 2019 ihr Debüt-Album Dogrel. Dieser Titel ist eine Hommage an Doggerel, welcher ein abfälliger Begriff für Verse ist, die von wenig literarischem Wert betrachtet werden und im Zusammenhang mit der irischen Poesie der Arbeiterklasse benutzt wurde, die oft als "Poesie des Volkes" dargestellt wurde. Knapp ein Jahr nach der Veröffentlichung ihres hochgelobten Debütalbums 'Dogrel', sind Fontaines D.C. mit einem äußerst selbstbewusst gleichmütigen und zugleich sanft benebelnden Folgealbum im Juli 2020 zurückgekehrt. "A Hero's Death" kommt mit entzünden aber auch wunderschön berauschenden Klängen daher und umspielt die philosophische Sicht auf die moderne Welt und verkörpert mit rhythmisch ordentlichen neben der Spur "Love Is The Main Thing" die große Unsicherheit in der dieser Welt.Songs wie "Living In Amerika" sind gebrandmarkt von peitschenden Drums und einer Sturmflut von hypnotischen Gitarren-Riffs, die in der Dämmerung eine resignierende Stimmung von Beklemmung erzeugen. Was aber nicht bedeutet, dass das Album sich im Ganzen in Klängen einer untergehenden Welt verliert.

Konträr dazu lassen zart melancholische Songs wie "Oh Such A Spring" mit den Worten: "The clouds cleared up. The sun hit the sky" zum Abschluss die dunkle Wolkendecke wieder aufbrechen und die sanfte Luft von Hoffnung einatmen.

3. Melenas - Dias Raros


Melenas ist ein spanisches Indie-Pop Quartett mit klapprig- verschwommenen Gitarren, wirbelnden Sythesizern und  metronomischen Drums. Schon auf ihrem Self-titled Debüt 2017 lassen Melenas ihre Gitarrenwellen auf verträumten Indie Pop treffen und zeigen mit welchem Selbstbewusstsein sie ihren eigenen Raum zwischen Traum und Realität besetzen. Ihre lokale Berühmtheit nahm schnell Fahrt auf und sie spielten in ihrem Heimatland auf dem  Primavera Sound Festival, welches auch schon internationale Größen wie Portishead, Pixies, Radiohead und Lou Reed bespielt haben. Trouble In Mind ist das erste Label außerhalb Spaniens, das die Musik der Melenas  mit "Dias Raros" für die Welt öffentlich machte. Das Album spielt auf einer Garage-Rock-Grundlagen mit einem Post-Punk Sound, der an die 80er erinnert und verschmilzt mit lethargischem Dream-Pop. Dieser melancholische Sound und der Titel, der übersetzt so viel bedeutet wie "Seltsame Tage" kann also für das im Frühjahr erschienene Album treffender kaum sein. In den Texten beschäftigt sich das Quartett mit Tagen, an denen man mehr Zeit drinnen als draußen verbringt. Sei es im Schlafzimmer oder im eigenen Universum  und in Sich Selbst, wo es um Wünsche, Erinnerungen, Ängste oder Gefühle zu anderen Menschen geht.

Von verträumten Gitarrenriffs und sanften Orgelschwellungen bestäubte Synthesizer-Verzerrungen machen Auf- und Abziehen von Sturm und Sonnenschein erlebbar. Der Sound kommt mit schillernden Fassaden daher. Ist eingängig, hallt nach und platzt mit einer verspielten Intensität und Tiefsinnigkeit heraus, die Hoffnung schöpfen lässt, in Zeiten dieser seltsamen Tage. Mit "En Madrid" haben sie mit ihrem schrammelig verschwurbelten Sound voll in mein verträumtes Indie-Herz getroffen.

4. The Notwist - Neon Golden


Die Band The Notwist gründete sich 1989 in einer Stadt in Oberbayern bei München und obwohl sie eine relativ stabile Besetzung hatten, durchlief die Band mehrere musikalische Inkarnationen. Das erste self-titled Album war geprägt von einem grungigen metal Sound, in der kaum eine Spur von Indie-Pop-Musik zu finden war. Einige Jahre und mehrere Veröffentlichungen später bekam ihr Sound einen elektronisch-jazzigen Anstrich. Neon Golden ist keine Neuerscheinung aus 2020 aber meine persönliche Entdeckung, welche mich durch den Herbst diesen Jahres getragen hat. E ist das fünfte Studioalbum der deutschen Indie-Rock- Band The Notwist und wurde im Januar 2002 über das Label City Slang veröffentlicht. Schon mit "One Step Inside Doesen‘t Mean You Understand" eröffnet die Band mit ihrem  melancholisch aber leichtfüßigen Sound das Album und entzieht sich mit knirschenden und berauschenden Klängen in eine andere Welt. "The Pilot" kommt dann schließlich wie eine leichte Sommerbrise daher und vollendet sich dann in einem unwiderstehlich rhythmischen flirrenden Fluss der vor Pop nur so überschäumt.

In" One With The Freaks" kommt der Sänger sanft mit der Frage "Have you ever been all messed up" daher und versetzt einen mit einem popigen Gitarren-Stoß in den eigenen Soundtrack des Lebens. Und was könnte einen in diesen wirren Zeiten besser über Wasser halten als das eigene Kopfradio. Mit "Leave me paralyzed, love. Leave me hypnotized, love" im Song "Consequence" hat es mein Herz  dann vollends erobert.

5. Kelly Finnigan - A Joyful Sound


Zu guter Letzt ein Weihnachtsalbum, der anderen Art, dass Herzem zum schmelzen bringt. Kelly Finnigan ist ein amerikanischer Soulsänger aus Kalifornien und Frontmann der Psychedelic Soul Band Monophonics. Sein erstes Soloalbum The Tales People Tell wurde im Frühjahr 2019 auf Colemine Records veröffentlicht. Er etabliert sich schnell als Schlüsselproduzent, Songwriter und Performer in der aktuellen Soul-Szene. "A Joyful Sound" ist Finnigans zweites Soloalbum und ein Soul-Klassiker mit Elementen einer klassischen R & B-Platte und geizt somit auch nicht mit tanzbaren Klängen. Im ersten Augenblick mutet der Sound des Albums nicht an eine klassische Weihnachtsplatte an, aber dieses Gefühl wendet sich schnell, wenn man Songs wie "The Miracle Is Here" oder "Heartbreak For Christmas" hört. Gefühlvoll und mit hauchzarten Glockenspielereien versetzt allein schon das Intro " A Joyful Sound" einen direkt in den Traum idyllischer Weihnachtsferien.

Mein persönliches i-Tüpfelchen hat Kelly Finnigian mit "The Only Present Is Me" geschaffen und mit seiner kraftvollen Stimme mir mein Heartbreak for Christmas beschert.