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Chartstar der 70er-Jahre: Was wurde eigentlich aus Gilbert O'Sullivan?

Aus seiner Feder stammen Hits wie "Get Down", "Alone Again (Naturally)" und "Matrimony": Anfang der 70er-Jahre zählte Singer/Songwriter Gilbert O'Sullivan zu den größten Musikstars weltweit. Am 1. Dezember feiert der Ire seinen 75. Geburtstag.

Zu seinen erklärten Vorbildern zählten die Beatles und Bob Dylan. Doch schon früh in seiner Karriere machte sich Gilbert O'Sullivan seinen eigenen, an das Opern-Komponisten/Schriftsteller-Duo Gilbert und Sullivan angelehnten (Künstler-)Namen: Melancholische Balladen wie "Nothing Rhymed" und "Alone Again (Naturally)" stürmten Anfang der 70er-Jahre nicht nur die Pop-Charts, sondern wurden für ihre außergewöhnlichen komplexen Texte gefeiert. Dass er bereits 1973, mit dem vergleichsweise schlichten Orgel-Stampfer "Get Down", seinen einzigen Nummer-eins-Hit in Deutschland landete und später keine großen Erfolge mehr verbuchen konnte, kann der gebürtige Ire, der am 1. Dezember 75 wird, aber verschmerzen.

Dass der als Raymond Edward O'Sullivan geborene Songwriter überhaupt seinen Weg als professioneller Musiker machte, verdankt er in erster Linie seinen Eltern. Diese hatten "trotz ihres Arbeiterklassen-Hintergrunds" ein Klavier für ihre sechs Kinder gekauft: "Die Überlegung meiner Eltern war, dass wenn ein Kind darauf spielen könnte, man vielleicht Geld damit machen könnte", erinnerte sich O'Sullivan in einem Interview. Die Klavierstunden, die er bekam, habe er allerdings gehasst und lieber nach Gehör gespielt.

Er studierte in seiner Heimatstadt Swindon Grafikdesign, spielte gemeinsam mit dem späteren Supertramp-Gründer Rick Davies in einer Band und ging schließlich nach London, um als Songwriter Karriere zu machen. Dazu erfand er seinen Look als "30er-Jahre-Straßenbengel" - auch um einem breiten Publikum zu gefallen: "Meine Mutter mag Neil Young wahrscheinlich nicht, wegen seines Aussehens und seiner Haare. Aber wenn jemandem gefällt, wie du aussiehst, dann mag er vielleicht auch eher deine Musik."

Ein Rechtsstreit lähmte seine Karriere

Der Plan ging auf: Seine ersten drei Singles floppten noch, mit "Nothing Rhymed" schaffte Gilbert O'Sullivan dann erstmals den Sprung in die Charts. 16 seiner Songs schaffen den Sprung in die Top 40 der Charts, seinen letzten größeren Hit landete er 1980 mit "What's In A Kiss?". Dass die Erfolge ab Mitte der 70er-Jahre zunehmend ausblieben, mag auch daran gelegen haben, dass der Songwriter ab 1977 mit seiner Plattenfirma über eine gerechte Entlohnung stritt. Erst fünf Jahre später bekam O'Sullivan Recht und eine Entschädigung von sieben Millionen Pfund zugesprochen.

Ebenfalls in diese Zeit fiel die Gründung seiner Familie: Auf dem Höhepunkt seiner Karriere hatte er laut eigener Aussage vermieden, langfristige Beziehungen einzugehen, da er dachte, es könne seinem Songwriting schaden. 1980 heiratete er dann schließlich doch, mit seiner Ehefrau, der Norwegerin Aase Brekke, bekam er zwei gemeinsame Töchter.

Bis heute veröffentlicht O'Sullivan immer wieder neue Musik, doch Schlagzeilen machte der Musiker aber mit einem weiteren Rechtsstreit: 1991 verklagte er den Rapper Biz Markie, der - ohne Erlaubnis - ein Ausschnitt von "Alone Again (Naturally)" als Sample verwendet hatte. Das Gericht entschied zugunsten von O'Sullivan und stellte eine Copyright-Verletzung fest. Das Urteil hatte bleibenden Einfluss auf die Musikwelt, alle verwendeten Samples müssen seitdem vom Urheber genehmigt werden.

"Ich wollte nie ein weltweiter Star sein"

In den letzten Jahren feierte der Songwriter dann doch noch ein kleines (Chart-)Comeback: Sein bislang letztes Werk "Gilbert O'Sullivan" erreichte in Großbritannien immerhin Platz 20 der Hitparade. Dass er immer noch alle zwei bis drei Jahre regelmäßig neue Alben veröffentlicht, ist für O'Sullivan Teil eines lebenslangen Lernprozesses: "Es erlaubt mir, weiterhin die Kunst des Songwritings zu studieren", erklärte er jüngst in einem Interview. Einen gewissen Ehrgeiz besitze er aber auch heute noch: "Ich strebe immer noch danach, erfolgreich zu sein, obwohl ich niemals ein weltweiter Star sein wollte."