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Club-Sounds im Lockdown-Jahr

Rückblick Diese fünf Alben haben mich in diesem Jahr restlos begeistert

Pierres Top-Alben des Jahres

1. Jessie Ware - What's Your Pleasure

Die stilsichere Britin Jessie Ware hat sich auf ihrem vierten Album quasi neu erfunden. Nachdem die drei Vorgänger eher entspannten Soul-Pop zu bieten hatten, geht es auf "What's Your Pleasure" nun mit bedeutend mehr Elektro-Klängen in die "Disco für Erwachsene" - bzw. wurde 2020 dazu wohl eher allein im Wohnzimmer getanzt. Die zwölf Tracks sind allesamt großartig und brauchen den Vergleich mit den ganz großen früheren Disco-Diven wie Donna Summer oder Diana Ross kein bisschen scheuen. Mit "Save A Kiss" findet sich auf der Platte auch mein Song des Jahres - vor allem das Musikvideo bringt die Stimmung dieses ungewöhnlichen Jahres perfekt auf den Punkt und bietet vier Minuten melancholische Euphorie in einem. Weitere Anspieltipps sind der Titelsong, "Spotlight", "Soul Control" und "The Kill".

2. Kylie Minogue - DISCO

Ganz und gar nicht neu erfunden, hat sich hingegen Kylie Minogue mit ihrem 15. (!) Studio-Album "DISCO". Kylie, die mit Hits wie "I Should Be So Lucky" oder "Can't Get You Out Of My Head" bekannt wurde, war schon immer die Disco-Queen und Königin der Tanzfläche. Dies lebt die 52-jährige Australierin diesmal jedoch hemmungsloser als je zuvor aus - und so wird in allen Songs die Disco-Kugel eingeschaltet. Übrigens hat Kylie mit dem Album einen Rekord gebrochen: Sie war in fünf verschiedenen Dekaden - 1980er, 1990er, 2000er, 2010er und 2020er - Nummer 1 in den britischen Charts. Anspieltipps sind neben der ersten Single "Say Something" außerdem "Real Groove", " I Love It" und mein Highlight "Dance Floor Darling".

3. Melanie C - Melanie C

Auch Spice Girl Melanie C sorgt mit ihrem schlicht "Melanie C" benannten achten Solo-Album (und damit hat die Britin bereits fast dreimal so viele Platten veröffentlicht wie ihre Band damals!) für tanzbaren Elektro-Pop, der einfach Spaß macht. Inhaltlich geht es oft um Selbstfindung und nach 25 Jahren im Rampenlicht scheint die inzwischen 46-Jährige, die von allen Spice Girls völlig zurecht die bisher erfolgreichste Solo-Karriere hingelegt hat, nun erstmals komplett mit sich im Reinen zu sein. Fun Fact: Auch sie hält einen britischen Chart-Rekord, da sie die einzige Künstlerin ist, die bereits solo, im Duett sowie als Mitglied eines Quartetts und Quintetts die Spitzenposition belegt hat. Anspieltipps: "Who I Am", "Blame It On Me", "Good Enough", "Overload"

4. Dua Lipa - Club Future Nostalgia

Es ist schon ein bisschen verrückt, dass gerade das Jahr 2020, in dem wohl kaum einer einen Club von innen gesehen hat, die besten Dance-Platten seit langem zu bieten hatte. Mitten im ersten Lockdown erschien "Future Nostalgia" von Dua Lipa - inklusive Hits wie "Physical" und "Don't Start Now". Ein tolles Retro-Disco-Album zweifellos, aber für mich kein Meilenstein. Allerdings legte die Pop-Senkrechtstarterin der letzten Jahre Ende August mit dem Remix-Album "Club Future Nostalgia" nach - und es hat mich restlos begeistert! Vor allem in der gemixten Version, in der jeder Track in den anderen übergeht, klingt das eher wie ein Mixtape oder ein alter Radiosender, der nachts ein DJ-Set spielt. Darüber hinaus hat die Platte eine fantastische beatlastige Version von "Levitating" mit Madonna (ja, DER Madonna) und Hip-Hop-Ikone Missy Elliott zu bieten. Genau so verbindet man Retro-Sounds und moderne Musik! Anspieltipps:  "Levitating" (The Blessed Madonna Remix feat. Madonna and Missy Elliott), "Love Is Religion" (The Blessed Madonna Remix), "Love Again" (Horse Meat Disco Remix)

5. Woodkid - S16

Bedeutend melancholischer, aber damit auch perfekt passend zu 2020, ist das zweite Album des Franzosen Woodkid geworden. Der 37-Jährige, der mit bürgerlichem Namen Yoann Lemoine heißt, hat sich für "S16" sieben Jahre Zeit gelassen. Untätig war er jedoch nicht, so hat er u. a. für Film-Soundtracks und Modedesigner komponiert. Auf der Platte erforscht das Multitalent, das vor allem durch den Song "Run Boy Run" bekannt wurde, die Dimensionen episch-atmosphärischer Klangbilder. "S16" ist das chemische Element für Schwefel und so klingt das Album auch: ruhig und düster, aber gleichzeitig wuchtig und eindringlich. Über allem thront dabei Woodkids gefühlvolle Stimme - häufig begleitet von Streicherpassagen und in zwei Songs sogar von einem Kinderchor aus Tokio. Die Musik-Videos beeindrucken zudem einmal mehr mit ganz besonderer Ästhetik. Anspieltipps: "Goliath", "Horizons Into Battlegrounds", "In Your Likeness"

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