Das Beste der 70-er, der 80-er und von heute

Ein "Best-of" der besonderen Art: Lordi veröffentlichen mit "Killection" eine Kompilation, die auch ihre größten Hits der 70-er und 80-er enthält. Dabei existiert die Monster-Rockband eigentlich erst seit 1992.

Ein "Best-of" der besonderen Art: Lordi veröffentlichen mit "Killection" eine Kompilation, die auch ihre größten Hits der 70-er und 80-er enthält. Dabei existiert die Monster-Rockband eigentlich erst seit 1992.

Nein, eine "Greatest Hits"-Zusammenstellung von Lordi kann "Killection" nicht sein. Schließlich ist der Überhit "Hard Rock Hallelujah", mit dem die Monster-Rocker 2006 sensationell beim Eurovision Song Contest triumphierten, nicht auf der Titelliste zu finden. Bei genauerem Hinsehen fällt der Untertitel ins Auge: Es ist ein "Fictional Compilation Album", also eine frei erfundene Zusammenstellung mit Songs, die teilweise so klingen sollen, als hätten Lordi sie schon in den 70er- und 80er-Jahren geschrieben. Und das, obwohl die Band offiziell erst seit 1992 existiert.

Eingebettet ist das ebenso absurde wie geniale Konzept in eine Art Radioshow - zwischen den Songs meldet sich mehrfach ein DJ zu Wort. Bereits im Intro "Radio SCG 10" wird der versierte Hörer einige humorvolle Querverweise entdecken. Und die finnischen Rocker ziehen den Spaß auf allen Kanälen durch: Auf ihrem Facebook-Profil wurden zuletzt Cover diverser fiktiver Alben abgebildet; für die einzelnen Nummern begaben Mr. Lordi und Co. sich in unterschiedliche Studios und arbeiteten mit entsprechend zeitgerechter Technik.

Imaginäre Rückschau

"Chronologisch" sind die Titel nicht angeordnet: "Killection" ist ein fröhliches Durcheinander der verschiedenen Rock-Ären. Typische Lordi-Songs gibt es dabei durchaus. Sie beziehen sich vor allem auf den partywütigen 80er-Hardrock, der gefühlt schon immer ein fester Bestandteil in der musikalischen DNA von Lordi war. Spannend wird es drumherum: Als "frühe" Nummer im Stil der 70-er kommt etwa "Blow My Fuse" mit bluesrockigem Retro-Schwung daher. "Cutterfly" lässt den Pop mit dominierenden Keyboards ungehindert durch die Lautsprecher fließen, während die Gitarren von "Evil" sich quasi am anderen Ende der Skala am klassischen Bay-Area-Thrash der 80er-Jahre orientieren.

Eine Band, mit der Lordi immer wieder in Verbindung gebracht wurden, spielt auch bei der Reise durch die fiktive Karriere eine wichtige Rolle: Der Song "Like A Bee To The Honey" wartet nicht nur mit einem lässigen Saxofon-Solo von Michael Monroe (Hanoi Rocks) und Jean Beauvoir als Songschreiber auf, sondern wurde obendrein auch von Kiss-Legende Paul Stanley mitverfasst. Apropos: Die Maskenrocker von Kiss standen selbstverständlich schon immer in der zweiten Reihe hinter Lordi - wer es nicht glaubt, hört "Zombimbo". Der Disco-Rock-Track wird augenzwinkernd exakt dem Jahr zugeschrieben, in welchem Kiss ihren größten Hit ("I Was Made For Loving You") landeten. Wer hat hier 1979 von wem abgeschaut?

Das Konzept von "Killection" wirkt verrückt, aber es funktioniert. Man merkt den Songs an, dass die Interpreten großen Spaß an ihren historischen Abstechern hatten, und gleichzeitig gelingt es ihnen, den Geist des großen Lordi-Monsters über all die fiktiven Jahre hinweg am Leben zu halten. So ist das offiziell zehnte Studioalbum am Ende eines der spannendsten in der Geschichte von Lordi geworden.

Lordi auf Tour:

10.03. München, Backstage Werk

12.03. Hamburg, Markthalle

13.03. Berlin, Kesselhaus

14.03. Leipzig, Hellraiser

15.03. Stuttgart, LKA Longhorn

18.03. Aschaffenburg, Colos-Saal

19.03. Nürnberg, Hirsch

20.03. Memmingen, Kaminwerk

21.03. Regensburg, Eventhalle Airport

25.03. Köln, Essigfabrik

27.03. Heidelberg, Halle 02