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Der "fünfte Beatle": Was macht eigentlich Pete Best?

Als die Beatles Anfang der 60er-Jahre Hamburg eroberten, saß er noch am Schlagzeug: Pete Best, der als eine der unglücklichsten Figuren der Musikgeschichte gilt, feiert am 24. November seinen 80. Geburtstag.

Er habe keinen Groll auf seinen Nachfolger Ringo Starr, sagte Pete Best 2018 in einer Interview-Session bei Twitter: "Er bekam das Angebot bei der besten Band der Stadt zu spielen. Er wäre ein Narr gewesen, wenn er das abgelehnt hätte." Wütend sei er damals aber trotzdem gewesen, als er von Beatles-Manager Brian Epstein von seinem Rauswurf durch die drei anderen Bandmitglieder erfuhr: "Es machte einfach keinen Sinn", meint Best. Und dass damals über sein Schlagzeugspiel gespottet wurde, schmerzte ihn. Bis heute versucht der "fünfte Beatle", der am 24. November seinen 80. Geburtstag feiert, die Erinnerung an sich und seinen Anteil am Beatles-Erbe wachzuhalten.

Bevor er bei den Beatles anheuerte, hatte Pete Best sich bereits mit seiner eigenen Band, The Black Jacks, einen Namen gemacht. Die Formation spielte als Hausband im Casbah Coffee Club, einem Kellerclub, den Bests Mutter Mona Ende der 50er-Jahre in Liverpool gegründet hatte. Dort lernte Pete Best auch die späteren Mitglieder der Beatles kennen. Als die Band 1960 für ihre bereits gebuchten Auftritte in Hamburg einen festen Schlagzeuger suchte, wandte sich Paul McCartney an Best: "Pete hatte ein Schlagzeug, sodass er manchmal bei uns mitmachte. Er war ein guter Schlagzeuger", erinnerte sich McCartney in der "Beatles Anthology": "Er war sehr attraktiv und kam von uns allen am besten bei den Mädchen an."

Vom Frauenschwarm zum ungeliebten Drummer

Nicht nur bei ihrem Gastspiel in Hamburg, auch bei ihrem ersten Auftritt im legendären Cavern Club in Liverpool 1961 und bei den ersten Studioaufnahmen, die die Beatles machten, saß Pete Best am Schlagzeug. Als die Band 1962 einen Plattenvertrag bei EMI unterzeichnete und sich damit in die Hände ihres späteren Stammproduzenten George Martin begab, kam es zum Bruch: Martin war mit der Qualität von Bests Schlagzeugspiel nicht zufrieden und entschied, bei den Aufnahmen einen Sessiondrummer zu verwenden.

Als Lennon, McCartney und Harrison davon erfuhren, nahmen sie Martins Entscheidung als Vorwand, um Best feuern zu lassen - ohne mit ihm selbst darüber zu reden. Die späteren Ausreden der Beatles waren fadenscheinig: Man habe immer einen besseren Schlagzeuger gesucht (Lennon), Best habe nicht zur Band gepasst (McCartney), Ringo Starr wäre sein Favorit gewesen (Harrison). Beatles-Biograf Mark Lewisohn bezeichnete den Rauswurf dementsprechend auch als "hinterhältiges, unglückliches und unverzeihliches Kapitel während des Aufstiegs der Beatles."

Späte Wiedergutmachung

In der Folge versuchte Best, eine eigene Musikkarriere zu starten, die Erfolge seiner Pete Best Combo waren allerdings bescheiden. Der weltweite Ruhm, der den Beatles ohne ihn zuteilwurde, belastete ihn ebenfalls: Best unternahm einen Selbstmordversuch, den seine Mutter vereitelte. Aus seiner Depression gerettet habe ihn auch seine Familie, erklärte Best später: 1963 hatte er seine Jugendliebe Kathy geheiratet, mit der er zwei Töchter bekam. Ende der 60er-Jahre zog er sich schließlich komplett aus dem Musikbusiness zurück und nahm einen Job beim Arbeitsamt in Liverpool an.

Erst 1988 wagte er ein Comeback: Gemeinsam mit seinem Bruder und alten Weggefährten gründete er die Pete Best Band, mit der er mehrere Alben mit Beatles-Klassikern, aber auch eigenen Songs veröffentlichte und bis heute immer wieder auftritt. Mitte der 90er-Jahre kam es dann zwar nicht zur großen Versöhnung, aber zu einer Art Wiedergutmachung durch seine Ex-Kollegen: Die Beatles-Werkschau "Anthology 1" enthielt insgesamt zehn Stücke, an denen Best mit seinem Schlagzeugspiel beteiligt war. Er wurde an den Erlösen des Albums beteiligt, was ihm über Nacht ein kleines Vermögen bescherte. Best investierte einen Großteil des Geldes in die Wiedereröffnung des Casbah Coffee Clubs, dem "heiligen Gral jeder Beatles-Sightseeing-Tour", dem Ort, "wo die Beatles tatsächlich ihren Anfang nahmen", wie die Werbung auf seiner Homepage vollmundig behauptet.

Wenn auch spät, so hat Best inzwischen Frieden mit seinem vermeintlich entgangenen Ruhm geschlossen: "Die Leute fragen mich, ob es mich nicht umbringt, und ja, es bricht mir schon ein bisschen das Herz, wenn ich sehe, was hätte sein können", erzählte er 2018 der irischen Tageszeitung "Independent", "aber für mich war es ein Anreiz, ihnen und allen zu beweisen, dass ich daran nicht zerbrochen bin und auch so erfolgreich sein kann."