Der Tanz nach der Trennung

Cage the Elephant sind in den letzten Jahren konsequent auf der Karriereleiter nach oben geklettert. Allerdings: Je höher man steigt, desto dünner wird bekanntlich die Luft. Für "Social Cues" ließen sich die Amerikaner deshalb viel Zeit.

"Melophobia" (2013) war für den Grammy für das beste Alternative-Album nominiert, der Nachfolger "Tell Me I'm Pretty" (2015) wurde dann auch ausgezeichnet: Cage the Elephant, 2006 in Bowling Green, Kentucky, gegründet, schrieben in den letzten Jahren ihre ganz eigene kleine Erfolgsgeschichte. Und ließen es dann erst einmal ruhig angehen: Vier Jahre liegt das letzte reguläre Studioalbum der Alternative Rocker inzwischen zurück. Nun sind Cage the Elephant wieder da und präsentieren mit "Social Cues" ein Album, das sich irgendwo zwischen Gebrochen-sein und Aufbruch bewegt.

Zackige Gitarren, ein treibender Beat: Auffallend traurig sind die ersten Töne nicht. Vielmehr scheint es, als wollten Cage the Elephant den Hörer direkt auf die Tanzfläche ziehen. Dann aber die erste Zeile: "I was born on the wrong side of the train tracks." Vom Fremdsein ist die Rede, der Song nennt sich "Broken Boy". Leicht zugängliche Indie-Sounds treffen auf intensive, abseitige Gefühle. Dieses Spannungsfeld prägt viele Songs auf "Social Cues".

Irgendwo zwischen Jagger, Lennon und Bowie

Wer sich über die nachdrückliche Erwähnung der Ruinenstadt Pompeji in der Single "Ready To Let Go" wundert, der erfährt mit etwas Recherche, dass auch dieser scheinbar muntere Poprock-Song eine schmerzhafte Geschichte hat: Bei einem Trip nach Pompeji fassten Sänger Matt Shultz und seine Ehefrau den Entschluss, sich scheiden zu lassen. Schultz erzählte in Interviews davon, wie sehr die Trennung in mitnahm. Als Charakter aber wirkt dieser Matt Schultz inzwischen stärker denn je: Immer deutlicher schält sich bei dem 35-jährigen eine Mick-Jagger-Persönlichkeit heraus, die sich mit der zwischen Larmoyanz und Revolte pendelnden Indie-Attitüde bestens in Einklang bringen lässt - gut zu beobachten in dem ausgefallenen Videoclip zu "Ready To Let Go".

Auch andere Stellen von "Social Cues" erinnern an die ganz Großen: Das getragene Kleinod "Goodbye" wurde von John Lennon inspiriert; ab und an blitzt ein wenig 80er-Bowie-Flair auf; das etwtas übermüdet wirkende Reggae-Stück "Night Running" entstand in Zusammenarbeit mit Beck. Es gibt einige Abstecher in die Welt des Glam, des Punk und des Aufbegehrens. Wirklich unter die Haut gehen aber vor allem die reflektierenden Songs, die immer wieder von einer großen inneren Zerrissenheit erzählen. Die einsame, von Streichern getragene Selbstbetrachtung "Loves The Only Way" gehört dazu, ebenso das balladesk-pompöse Stück "What I'm Becoming" sowie der Abschlusstitel "Goodbye". So ist "Social Cues" am Ende ein weiteres Beispiel dafür, dass aus einer persönlich schwierigen Zeit heraus oftmals die besten Alben entstehen.

Cage the Elephant - Ready To let Go