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"Der Trend geht seit der Pandemie zum Minimalismus"

Was es alles gibt: Als "Ordnungscoach" hilft sie ihren Kunden, selbst das größte Durcheinander in wahre Wohn-Highlights zu verwandeln. Nun zeigt Isabella Franke auch in einer TV-Show, wie einfach Aufräumen sein kann. Welchen Fehler die meisten Menschen in ihrem Zuhause machen, verrät die Expertin im Interview.

Wer kennt es nicht: Gerade erst hat man aufgeräumt - und schon sieht die Wohnung wieder aus wie ein Schlachtfeld. Ordnung zu halten, das ist für viele Menschen eine unliebsame Sisyphusarbeit und schlichtweg nicht mehr als ein notwendiges Übel, welches nun mal erledigt werden muss. Nicht so für Isabella Franke. Die 35-Jährige räumt sogar so gerne auf, dass sie die Leidenschaft zum Beruf gemacht hat und als "Ordnungscoach" genau dann zur Stelle ist, wenn das Chaos überhandzunehmen droht. Ab dem 17. April teilt Franke nun ihr Experten-Wissen in der neuen Doku-Reihe "Organize 'n Style - Isabella räumt auf!" immer samstags, 18.15 Uhr, auf sixx. Ist Ordnung wirklich "das halbe Leben", wie es im Volksmund heißt? Isabella Franke sagt es im Interview.

teleschau: Als Ordnungscoach besuchen Sie Ihre Kunden zu Hause und helfen, Chaos zu beseitigen. Was sind das für Menschen, die sich Ihre Hilfe suchen?

Isabella Franke: Das ist wirklich querbeet gemischt. Wir haben einerseits eine sehr "hochklassige" Zielgruppe, viele Schauspieler, Fußballspieler, Politiker - also Leute, die relativ bekannt sind. Die haben oft keine Zeit zum Aufräumen, sind aber genervt von dem Problem und wollen sich deshalb helfen lassen. Das sind auch meistens die, die sagen: "Hier ist der Schlüssel, macht einfach!" Aber wir haben auch ganz normale Familien als Kunden, in denen beispielsweise beide Elternteile arbeiten, ein, zwei Kinder haben und einfach nicht die Zeit dazu finden. Und die Zeit, die sie haben, möchten sie natürlich nicht mit Aufräumen verbringen.

teleschau: Wo gibt es den meisten Handlungsbedarf?

Franke: Ich glaube, die größten Problemzonen sind Küche und Kleiderschrank. Das liegt daran, dass dies Bereiche sind, mit denen wir tagtäglich viel zu tun haben und die Reibungspunkte sehr groß sind. Hingegen beim Keller oder Badezimmer sind die Leute meistens noch nicht so genervt, dass sie Handlungsbedarf sehen.

"Ich dachte: Wie, damit kann man Geld verdienen?"

teleschau: Ihnen scheint der Ordnungssinn im Blut zu liegen. Waren Sie schon immer so ordentlich?

Franke: Ja, tatsächlich. Schon als kleines Kind habe ich immer Möbel umgestellt. Ich konnte mich nie mit einer Ordnung zufriedengeben und war tatsächlich relativ sortiert. Das hat sich auch durch meine Schulzeit und Studienzeit durchgezogen: Wenn die Wohnung nicht ordentlich geputzt war, konnte ich nicht lernen. Nur in einer aufgeräumten Umgebung konnte ich mich auf die ganzen anderen Sachen konzentrieren. Eine gewisse Struktur zu Hause zu haben, ist immer noch sehr wichtig für mich und gibt mir Halt.

teleschau: Die Berufswahl "Ordnungscoach" scheint trotzdem sehr ungewöhnlich ...

Franke: Ich wollte eigentlich Innenarchitektur studieren, habe mich aber aufgrund des Numerus Clausus für Medienmanagement entschieden und bin noch während meiner Studienzeit nach Amerika gegangen. In den USA habe ich Uni-Kurse für Interior-Design belegt, weil mich das nie losgelassen hat. In dem Bereich habe ich auch gearbeitet. Allerdings plant man dort beispielsweise, wie ein Schrank oder die Küche auszusehen haben. Weil ich aber so detailverliebt bin, habe ich mich mit so Dingen wie den inneren Schubladen beschäftigt. Viele Innenarchitekten achten darauf, dass die Küche hübsch aussieht, nicht aber auf die Funktionalität. Irgendwann wurde ich einer Freundin vorgestellt, die "Professional Organizer" war. Ich kannte diesen Beruf nicht und dachte: Wie, damit kann man Geld verdienen? Da wusste ich, ich bin angekommen.

teleschau: Wie viel Zeit verbringen Sie privat damit, aufzuräumen?

Franke: Ich selbst habe strenge Routinen. Bei uns ist zum Beispiel mittwochs immer Waschtag. Das heißt, am Mittwoch wird die Wäsche gemacht, und dann geht das im Akkord. Wir haben auch feste Tage, an denen wir einkaufen. Abends achte ich darauf, dass die Küche sauber ist, damit man nach dem Aufstehen nicht irgendwelche Sachen vom Vortag wegräumen muss. Wenn man solche Dinge konsequent macht, entsteht gar nicht so viel Chaos. Viele Leute haben das Problem, dass sie einmal pro Woche aufräumen und dann sechs Stunden beschäftigt sind. Das braucht man gar nicht! Ich benötige vielleicht eine halbe Stunde am Tag, auch, weil wir alles immer direkt zurücklegen.

"Die Ordnung ist kinderleicht"

teleschau: Sie sind Mutter von zwei Kindern. Steht das einem aufgeräumten Zuhause nicht manchmal im Weg?

Franke: Ich sage immer: Die Ordnung ist kinderleicht. Man muss es Kindern nur vorleben. Zum Beispiel sind Sachen bei uns zu Hause nach Regenbogenfarben sortiert und meine Tochter hält sich akribisch daran. Denn: Verhalten färbt ab und Kinder sehen, wie schön und leicht das sein kann. Es ist auch wichtig, schon im Kindesalter gemeinsam auszumisten, damit Kinder lernen: Was hat das für eine Wertigkeit? Hat man das eine Kuscheltier vielleicht lieber als das andere? So Kleinigkeiten helfen dann später, sich von Dingen trennen zu können.

teleschau: Was ist der größte Fehler, den Menschen in ihrem zu Hause machen?

Franke: Dass Dinge keine festen Plätze haben! Zum Beispiel sind Schuhe im Schuhschrank, im Flur und noch irgendwo im Kleiderschrank statt an einem Ort zentral gelagert. Die Leute nehmen sich nicht die Zeit, sich wirklich Gedanken zu machen, wo sie ihre Dinge bestmöglich aufbewahren. Ich sehe oft, dass Menschen in ihr neues Zuhause einziehen und die Sachen einfach nur irgendwo hinstopfen, ohne sich Gedanken zu machen wieso. Man sollte sich überlegen, wie, wo und wann man welche Wege verwendet und die Dinge entsprechend platzieren.

teleschau: Seit Beginn der Corona-Pandemie sind viele Menschen im Home-Office und verbringen mehr Zeit in ihren eigenen vier Wänden. Hat sich das in Ihrer Arbeit bemerkbar gemacht?

Franke: Definitiv. Einerseits verbringen die Leute mehr Zeit daheim und wollen dann auch, dass das Zuhause schöner ist und effizienter genutzt werden kann. Das hat man ja auch in den Baumärkten gesehen - viele Menschen haben plötzlich angefangen, irgendwelche Renovierungsarbeiten zu machen. Genauso hat sich natürlich auch bei uns gezeigt. Der Trend geht seit der Pandemie auch viel mehr hin zum Minimalismus. Heißt, die Leute wollen nicht nur kaufen, kaufen, kaufen, sondern achten mehr darauf, was sie sich kaufen und ob das wirklich nötig ist. Da merkt man schon, dass da ein Umdenken in der Gesellschaft stattgefunden hat.

teleschau: Stichwort Minimalismus: Der Vergleich zur japanischen Aufräum-Expertin Marie Kondo scheint nahezuliegen...

Franke: Bei Marie Kondo steht das Thema Minimalismus sehr im Vordergrund, ja. Das ist bei mir nicht so! Klar, man muss ausmisten und sich überlegen, was man benötigt. Doch der Ansatz, der mir bei Marie Kondo und vielen anderen fehlt, ist, dass es ja nicht nur ordentlich, sondern auch schön sein soll.

"Es heißt ja auch: Das Auge isst mit"

teleschau: Sie unterscheidet also, dass Sie auch Wert auf Ästhetik legen?

Franke: Ich bezeichne meinen Stil als "Decorganizing", also "Decorating meets Organizing". Das ist eigentlich ein ganz simpler Begriff, fasst das Prinzip aber perfekt zusammen. Viele machen zwar Ordnung und schaffen Systeme, aber oft ist das nur zweckmäßig. Dabei kann man so viel mehr machen! Es heißt ja auch: Das Auge isst mit. Genauso ist es auch bei der Ordnung. Wenn etwas schön anzusehen ist, tendiert man viel eher dazu, das Ganze auch aufrechtzuerhalten. Ich glaube, das ist ein wesentlicher Unterschied.

teleschau: Räumen Ihre Kunden auf, bevor Sie zu Ihnen kommen?

Franke: Man merkt schon, dass viele Leute etwas ängstlich sind und vielleicht oberflächlich ein bisschen Ordnung schaffen. Aber so wirklich verstecken kann man die Unordnung vor uns nicht, denn wir machen ja alle Schubladen und Schränke auf. Deswegen glaube ich auch, dass es hilfreich ist, Einblicke in mein Privatleben auf Instagram zu geben. Dadurch haben viele das Gefühl, mich auf eine Art zu kennen, und dann ist die Scham nicht so groß und sie müssen nichts "verstecken". Am Ende hatte ich jedoch immer das Gefühl, dass die Menschen einfach glücklich sind, dass jemand da ist, der ihnen da helfen kann.

teleschau: Gibt es einen Geheimtipp, um effektiv Ordnung zu halten?

Franke: Ich glaube, das A und O ist wirklich, dass Dinge einen festen Platz haben müssen und auch immer direkt wieder dorthin zurückgelegt werden. So entsteht einfach kein Chaos mehr. Routinen und Angewohnheiten sind wichtig. Ein Beispiel: Man kommt nach Hause, hängt den Schlüssel an ein Schlüsselbrett neben der Tür - und fertig! Dann muss man nicht mehr nach dem Schlüssel suchen, der dann vielleicht mal auf der Küchenzeile und mal auf dem Tisch und mal in der Jacke vergessen wird.



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