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"Die Menschen vereinsamen immer mehr"

Seit 16 Jahren moderiert Inka Bause "Bauer sucht Frau" auf RTL. Zum Start der neuen Staffel erinnert sie sich im Interview an besonders schöne, aber auch besonders unangenehme Momente in der Sendung. Außerdem findet die 52-Jährige klare Worte zur Wohnungsnot in ihrer Wahlheimat Berlin.

Sobald man an "Bauer sucht Frau" denkt, denkt man automatisch auch an sie: Inka Bause ist seit 16 Jahren das Gesicht der Datingshow für einsame Landwirte. Zum Start der 17. Staffel (zehn Folgen ab 1. November, immer montags und dienstags, 20.15 Uhr, auf RTL) sprachen wir im Interview über diese Beziehung: Stört es sie, dass sie eher mit "Bauer sucht Frau" als mit ihrer Musikkarriere in Verbindung gebracht wird? Und wie lange will sie den Job überhaupt noch machen? Außerdem verriet die gebürtige Leipzigerin, warum sie das Land liebt und dennoch lieber in der Stadt wohnt. Dabei fand die 52-jährige Mutter einer erwachsenen Tochter klare Worte zur Wohnungsnot in ihrer Wahlheimat Berlin.

teleschau: Während der Pandemie entdeckten viele Menschen die Liebe zum Land. Wann waren Sie zuletzt privat auf dem Land?

Inka Bause: Kürzlich war ich mit meiner Tochter in der Schorfheide Pilze sammeln. Ich bin eine leidenschaftliche Pilzesammlerin. Leider haben wir nichts gefunden. Aber das war zweitrangig. Hauptsächlich ging es uns darum, mit dem Hund gemeinsam im Wald spazieren zu gehen. Wir hatten ein Picknick dabei. Das machen wir im Herbst öfter. Der Hund freut sich wie Bolle, und auch ich muss regelmäßig rausfahren zum Entspannen.

teleschau: Welches Verhältnis haben Sie zum Landleben?

Bause: Ich mag das Land so gerne, weil ich in der Stadt wohne, aber ich brauche die Nähe zur Großstadt. Ich bin in der Stadt geboren und aufgewachsen. Deswegen hat mich das natürlich geprägt: dieser schnelle Zugriff auf Kultur, auf Behörden, auf Krankenhäuser. Wobei ich sicher nicht direkt im Zentrum wohnen könnte: Ich könnte nicht bei Lärm schlafen und nicht mit Abgasgeruch leben oder mit zu vielen Menschen auf einem Haufen. Vor vielen Jahren hatte ich das große Glück relativ zentral, aber in einer sehr grünen Ecke von Berlin meine Zelte aufschlagen zu dürfen. Wir haben hier unmittelbar eine Straße weiter Schrebergärten. Einer der Besitzer hat Hühner. Das heißt, ich werde, obwohl ich in Berlin wohne, jeden Morgen mit dem Hahnenschrei wach.

teleschau: Könnten Sie sich ein bäuerliches Leben in Zukunft vorstellen?

Bause: Nein! So ein Experiment ist besser, wenn man jünger ist. Wenn man älter wird, finde ich die Nähe zu einer Großstadt sehr wichtig. Man tritt aus der Wohnung und ist sofort im pulsierenden Leben mit Theatern und Kinos. Ich könnte mir sogar vorstellen, später noch ein Stück weiter in die Stadt zu ziehen. Ich finde nichts schlimmer, als alt und einsam zu sein. Deswegen hoffe ich, dass die Mieten nicht noch teurer werden in der Stadt und dass die Menschen, die kein dickes Portemonnaie haben, nicht vertrieben werden aus ihrer geliebten Umgebung.

"Es ist unfassbar, was hier versäumt wurde"

teleschau: Wie blicken Sie auf die aktuelle Debatte rund um die Wohnungsnot in Berlin?

Bause: Es ist unfassbar, was hier versäumt wurde. Durch die Wende leben hier wahnsinnig viele Menschen, die derart hohe Mieten nicht gewöhnt sind: Eine Münchner Miete hat sich seit dem Krieg, also innerhalb der letzten 70 Jahre, entwickelt. Die Ostler müssen dieselben Steigerungen in einem Zeitraum von fünf bis 15 Jahren verkraften. Hinzukommt, dass Ostler im Schnitt immer noch 30 Prozent weniger verdienen als Menschen im Westen.

teleschau: Wie ist Ihre Meinung zu dieser Entwicklung?

Bause: Es macht mir Angst, wenn ich Geschichten wie die von Katharina Thalbach lese: Sie wohnte 40 Jahre lang in ihrer Wohnung, ehe sie wegen Eigenbedarf gekündigt wurde. Ich habe nichts dagegen, dass Menschen sehr viel Geld für eine Wohnung bezahlen. Aber wenn eine leere Wohnung doppelt so viel wie eine vermietete kostet, kaufen die Menschen eine vermietete Wohnung als Kapitalanlage und klagen dann den Mieter auf Eigenbedarf raus. Es macht mich fassungslos, dass es dagegen kein Gesetz gibt.

teleschau: Haben Sie vergleichbare Erfahrungen auf dem Wohnungsmarkt gesammelt?

Bause: Ja. Ich stand einmal in meinem Leben in einer vermieteten Wohnung, weil ich für meine Tochter eine Bleibe suchte und mich nicht auskannte. Diese Wohnung kostete einen Spottpreis. Draußen fragte ich meine Maklerin: "Und was mache ich mit dem Mieter?" Sie antwortete: "Na, den klagen Sie raus." Ich sagte: "Das mach ich nicht!" Wir wollen nicht darüber reden, aber mich regt das so unfassbar auf, und ich danke Ihnen, dass Sie mir diese Frage stellten.

"Die Menschen vereinsamen immer mehr"

teleschau: Wir sprachen vom Trend zum Leben auf dem Land, macht sich dieser auch bei "Bauer sucht Frau" bemerkbar?

Bause: Das Interesse steigt natürlich stetig. Innerhalb der ersten drei Jahre wurden wir fürchterlich mit Häme und Kritik übersät. Dann gab es einen entscheidenden Artikel in einer Berliner Zeitung, der das Blatt zum Wenden brachte: Eine sehr angesehene Journalistin hatte den Mut, zu schreiben, worum es bei der Sendung wirklich geht: Nämlich darum, Menschen glücklich zu machen, und sie zu zeigen, wie sie sind, ohne sie vorzuführen. Diese Frau schaffte es, dass ein Umdenken in der Presse stattfand. Und dafür bin ich ihr unendlich dankbar. Ich finde es toll, den Fokus wieder auf Landwirtschaft zu legen. Die Bauern sagen das auch: "Seit ihr das macht, werden wir wahrgenommen und bekommen viel mehr Anerkennung von allen Seiten."

teleschau: Neben "Bauer sucht Frau" boomen auch andere Dating-Formate. Wie erklären Sie sich diese Entwicklung?

Bause: Es ist ganz einfach: Wenn eine Talkshow erfolgreich ist, dann gibt es drei Wochen später auf jedem Sender Talkshows. Wenn einmal erfolgreich gekocht wird, dann gibt es auf einmal 50 Kochsendungen. Nach "Bauer sucht Frau" gab es auf einmal Sendungen wie "Schwiegertochter gesucht" oder "Schwer verliebt". Die Menschen vereinsamen immer mehr. Die letzten zwei Jahre haben diesen Prozess weiter beschleunigt. Ich finde es schön, dass es bei uns im Gegensatz zu den USA nicht das Trashen im Vordergrund steht. Im Gegenteil: Vor einigen Jahren gab mal eine Phase, in der man meinte, wir müssten uns interessanter machen, indem wir einen unsympathischen, skurrilen Bauern casten. Das kam überhaupt nicht an! Warum soll ich mir nach einem stressigen Arbeitstag abends einen Bauern angucken, der Frauen anpflaumt und unhöflich ist?

teleschau: Gab es schon einmal einen Punkt, an dem für Sie eine Grenze überschritten war?

Bause: In der Anfangszeit gab es durchaus kritische Phasen: Damals mussten wir uns positionieren. Also zeigten wir, wie die Bauern bis zum Ellbogen in Kuhaftern steckten oder wie sie ihre Kühe befruchteten. Ich bekam das im Vorfeld gar nicht mit. Zur Ausstrahlung saß ich dann mit meiner Mutter vor dem Fernseher, sah das alles und rief am nächsten Tag den Redakteur an: "Wenn ihr so weitermacht, stehe ich nicht mehr zur Verfügung!" Glücklicherweise war ich nicht die Einzige, die das nicht gut fand, sodass der Sender dann tatsächlich beschloss: "Nee, das kann nicht der Weg sein."

Warum man "Bauer sucht Frau" nicht mit Online-Dating vergleichen kann

teleschau: Braucht es ein Format wie "Bauer sucht Frau" überhaupt noch, wenn es Onlinedatingportale wie Tinder gibt?

Bause: Das darf man nicht miteinander vergleichen: Alle Onlineportale sind erst mal relativ anonym. Dort gebe ich meine Informationen ein und sehe dann ein Foto - noch nicht mal ein Video - von potenziellen Kandidatinnen und Kandidaten. Unser Service ist anders: Zunächst stellen wir die Bauern in einem wunderschönen, kleinen Film vor. Danach bewerben sich die Frauen und werden eingeladen. Doch es gibt auch immer wieder Frauen, die erst die ganze Staffel anschauen und sich anschließend, in einem zweiten Anlauf bei dem Bauern bewerben. Und da kann keiner mithalten.

teleschau: Angenommen, es gäbe eines Tages ein Datingformat für prominente Singles. Würden Sie mitmachen?

Bause: Das gab es schon, "Schlager sucht Liebe" zum Beispiel. Aber in meinem Fall geht das leider nicht: Ich würde mich morgen sofort bei "Zweisam", der Datingplattform für Singles über 50, anmelden, wenn ich nicht spätestens bei "Verdienst" und "Beruf" ins Schleudern käme. In meiner Verwandtschaft und in meinem Freundeskreis gibt es einige Menschen, die seit Ewigkeiten verheiratet sind und ihren Partner oder ihre Partnerin einst auf einer Datingplattform kennenlernten. Deswegen finde ich das Konzept und die Möglichkeiten großartig.

"'Bauer sucht Frau' alleine füllt mich nicht aus"

teleschau: 2015 machte Ihnen Schäfer Heinrich einen Heiratsantrag. Welche weiteren kuriosen Momente sind Ihnen in Erinnerung geblieben?

Bause: (lacht) Der Bauer Heinrich ist schon speziell, aber ich mag ihn wirklich sehr. Wir sind immer noch in Kontakt und hoffen, dass er jemanden findet, auch wenn er das, glaube ich, gar nicht unbedingt will ... Am liebsten erinnere ich mich aber an die schönsten Momente: Wenn ich bei einer Hochzeit zu Gast bin, wenn Kinder geboren werden oder wenn ich persönliche Briefe zu Weihnachten bekomme. Letztes Jahr schrieb mir ein Bauer aus der ersten Staffel: Er hat eine neue Frau und ist wieder glücklich. Diese Verbindung ist mir oft gar nicht bewusst, aber sie ist wunderschön.

teleschau: Gibt es etwas, das Sie gerne vergessen würden?

Bause: Nein, denn ich vergesse das automatisch! Ich vergesse Namen von Menschen, die ich nicht leiden kann. Von jemandem, den ich sympathisch finde, merke ich mir den Namen aber 20 Jahre lang. Mein Hirn sortiert einfach wichtiges Wissen von unwichtigem - genial. Je älter ich werde, umso mehr merke ich, dass ich diesen Beruf nur noch deshalb so gerne mache, weil ich so viel vergesse: Ich stehe jedes Jahr beim Scheunenfest und frage: "Sagt mal, was machen wir heute?" Meine Redaktion sagt dann: "Inka, wie jedes Jahr begrüßen wir jetzt erst mal die Bauern, dann haben wir eine Durchlaufprobe, dann wirst du geschminkt, dann gibt's Essen und dann geht's los." Sie müssen darüber lachen, aber ich gehe jeden Tag frisch und neu ran. Für mich gibt es keinen Tag, an dem ich aufstehe und sage: "Öh, ich muss heute wieder zum Bauern. Es ist immer das Gleiche!" Es ist nicht das Gleiche! Jeder Mensch ist anders, jedes Hotel ist anders, jeder Drehtag ist anders. Das freut mich total!

teleschau: Das klingt, als sei es Ihr Traumjob ...

Bause: Ist es mittlerweile, auch wenn ich das nie geglaubt hätte. Nur "Bauer sucht Frau" alleine füllt mich nicht aus, aber in Kombination mit meiner Musik, bei der ich kreativ und ich selbst sein kann, schon. Ich freue mich, im März wieder auf Tournee zu gehen. Da steh ich dann zweieinhalb Stunden mit meiner Band auf der Bühne. Das hat mit Inka von "Bauer sucht Frau" nicht so viel zu tun, ist aber ein Teil von mir.

"Es ist ein wahnsinniger Luxus, eine Schublade zu haben"

teleschau: Stört es Sie, dass die Medien Sie dennoch meist als Erstes mit "Bauer sucht Frau" in Verbindung bringen?

Bause: Gar nicht! Es ist ein wahnsinniger Luxus, eine Schublade zu haben. Es ist doch toll, dass die Leute, wenn sie meinen Namen lesen oder hören, ihn sofort mit etwas assoziieren können. Wenn ich zu McDonald's fahre, dann weiß ich doch auch, was ich bekomme. Außerdem mache ich nichts, wofür ich mich schäme. Manche meiner Kolleginnen und Kollegen singen Sachen, die sie nicht singen wollen, oder moderieren Formate, die sie nicht moderieren wollen, nur weil diese irgendwann Erfolg hatten. Das könnte ich nicht! "Bauer sucht Frau" und RTL ermöglichen es mir, in meiner Freizeit, meine Leidenschaft zu leben. Ich bin nun mal Komponistentochter, ich habe Musik studiert. Dass ich dieses Hobby genießen kann und dass es mir fast egal sein kann, ob 500 Leute im Saal sitzen oder 5.000, ist ein großes Glück.

teleschau: Das heißt, Ihre Überlegung, in einigen Jahren aufzuhören, ist damit vom Tisch?

Bause: Naja, vom Tisch ist es nicht. Als ich vor vier Jahren sah, wie Dieter Thomas Heck bei der Goldenen Kamera auf die Bühne gerollt wurde, weil man verpasst hatte, ihm rechtzeitig den Preis fürs Lebenswerk zu geben, war das erschreckend. Das nehme ich den Menschen, die den Preis ausrichten, sehr übel. Damals hörte ich eine sehr laute Stimme in mir, die sagte: "Niemals darf so etwas passieren!" Deshalb habe ich mir ein Datum in den Kalender gesetzt, an dem ich aufhören will. Ich arbeite wahnsinnig viel, aber ich möchte diese Arbeit auch ablegen können. Die süßen Früchte, die ich mir im Laufe der Jahre verdiente, möchte ich auch essen können. Ich möchte nicht im Fernsehen richtig alt werden. Ob ich in zehn Jahren aufhören werde oder in fünf, das wird man sehen. Das liegt zu einem gewissen Teil auch in der Entscheidung von RTL.