Die neuen "Tatort"-Kommissare im liebenswerten Land

Vladimir Burlakov und Daniel Sträßer: Sie sind beide 32 Jahre alt, gutaussehend und das neue, männliche Kommissarsduo, das die Nachfolge von Devid Striesow antritt. Was will der neue "Tatort" aus Saarbrücken?

Vladimir Burlakov und Daniel Sträßer: Sie sind beide 32 Jahre alt, gutaussehend und das neue, männliche Kommissarsduo, das die Nachfolge von Devid Striesow antritt. Was will der neue "Tatort" aus Saarbrücken?

Daniel Sträßer, ein echter Saarländer, hat sich locker gemacht, wenn seine Heimat als statistischer Maßstab für Müllteppiche auf dem Meer oder Witze von Jan Böhmermann herhalten muss. Der 32-Jährige, durchaus eines der kommenden Gesichter im deutschen Film und Fernsehen, sowie sein bekannterer gleichaltriger Kollege Vladimir Burlakov ("Im Angesicht des Verbrechens") sind die neuen "Tatort"-Kommissare von der Saar. Am Ostermontag (13. April, 20.15 Uhr, ARD) läuft der erste Fall des neuen Duos unter dem im Handlungsverlauf lange mysteriös bleibenden Titel "Tatort: Das fleißige Lieschen". Ein Gespräch über Saarland-Klischees, Macho-Verdächtigungen und eine fast schon unheimliche Verbundenheit zweier Schauspieler, die sich vor ihrem ersten "Tatort"-Einsatz noch nicht mal kannten.

teleschau: Sie sind beide 1987 geboren. Wer von Ihnen ist der Ältere?

Daniel Sträßer: Das bin ich. Um ganz vier Tage bin ich älter (lacht).

Vladimir Burlakov. Wir haben somit dasselbe Sternzeichen, beide Krebse - geboren im Juli.

teleschau: Kannten Sie sich denn vorher?

Burlakov: Nein, überhaupt nicht. Ich wusste noch nicht mal, wer Daniel ist. Umso schöner, dass es beim Casting dann gleich so gut geklappt hat. Es war kein Riesen-Casting, aber es waren schon ein paar Kollegen da. Wir beiden haben uns da als Team durchgesetzt.

"Wir wohnen in Berlin sehr nah beieinander"

teleschau: Mit welchen "Tatort"-Helden ist Ihre Generation groß geworden?

Burlakov: Ich habe früher ganz wenig "Tatort" geschaut. Seitdem ich weiß, dass ich diese Rolle übernehme, schaue ich jedoch sehr aufmerksam hin.

Sträßer: Ich habe immer gern "Tatort" geschaut. Tatsächlich bin ich mit einigen Kommissaren aufgewachsen, die ich toll fand, und die jetzt sozusagen meine Kollegen sind. Udo Wachtveitl und Miroslav Nemec in München beispielsweise oder Axel Milberg in Kiel.

teleschau: Auch wenn Sie sich vorher nicht kannten - stellt man trotzdem fest, dass einen viele Dinge verbinden, wenn man ein und derselben Generation angehört?

Sträßer: Uns beide verbinden eine ganz Menge Dinge, nicht nur aufgrund des gleichen Lebensalters. Wir üben denselben Beruf aus, bewerben uns für ähnliche Rollen. Außerdem wohnen wir in Berlin sehr nah beieinander. Da gibt es tatsächlich eine Menge Berührungspunkte.

Burlakov: Was uns ebenfalls verbindet, ist, dass wir beide eine Schauspielschule besucht haben. Dadurch hat man eine gewisse bestimmte Ernsthaftigkeit, was die Herangehensweise an den Beruf betrifft. Ich will damit nicht sagen, dass Schauspieler, die diesen Hintergrund nicht haben, schlechter oder untalentierter sind. Aber - man bringt gemeinsame Grundlagen oder Erfahrungen mit, über die man sich austauschen kann.

teleschau: Es ist interessant, dass Sie ein rein männliches Duo sind - während drei Frauen im neuen Saarbrücker Revier als Kommissarinnen und Rechtsmedizinerin in der zweiten Reihe stehen ...

Burlakov: In diesem ersten "Tatort" liegt der Fokus tatsächlich auf uns beiden als Jugendfreunden, die sich nach langen Jahren wiedersehen. Das muss aber keineswegs so bleiben. Schon im zweiten Krimi, dessen Drehbuch schon fertig ist, wird sich das verändern.

Ein "nicht ganz unattraktives" Ermittlerteam

teleschau: Wir erleben also nicht den neuen Macho-"Tatort" aus Saarbrücken?

Sträßer: Nein, um Gottes willen. Das wollen wir auf keinen Fall sein. Und ich finde, ein solches Bild vermittelt sich auch nicht in dem Film. Hierarchien im Team oder Spannungen in Dialogen sind inhaltlicher Natur und haben nichts mit einem veralteten und überholten Männer-Frauen-Bild zu tun.

teleschau: Wofür steht der neue Saarbrücker "Tatort"?

Burlakov: Wir sind ein junges, vielleicht das jüngste Ermittler-Team in Deutschland. Dazu ein nicht ganz unattraktives. Das sind aber nur äußerliche Aspekte. Man muss Figuren und ihre Geschichten erzählen, wenn man etwas produzieren will, das sich die Menschen gerne ansehen.

Sträßer: Ich glaube nicht, dass man jetzt krampfhaft junge Themen sucht, die man uns auf den Leib schneidert. Trotzdem ist es natürlich so, dass der Zuschauer die Fälle durch unsere Perspektive sieht. Unsere ist die von Anfang Dreißigjährigen. Das schwingt beim Erzählen natürlich immer mit. Wir wollen in Zukunft versuchen, verstärkt mit jüngeren Autorinnen und Regisseurinnen zu arbeiten. Auch das ist ein Konzept für diesen neuen "Tatort" aus dem Saarland.

teleschau: Herr Sträßer, Sie sind gebürtiger Saarländer. Hat man Sie aus diesem Grunde "bevorzugt" ausgesucht?

Sträßer: Ich glaube nicht, dass man explizit einen Quoten-Saarländer dabeihaben wollte. Trotzdem hat die Tatsache, dass ich diese Rolle bekommen habe, wohl auch ein bisschen mit meiner Herkunft zu tun. Ich wurde mal zum Casting für eine Episodenrolle eingeladen, als noch unsere Vorgänger als Saarland-Kommissare im Amt waren. Damals habe ich die Rolle nicht bekommen, aber man hat mich kennengelernt und vielleicht den Gedanken gefasst, dass ich als Saarländer vielleicht für eine Neubesetzung der Ermittler-Rollen infrage käme.

"Es ist ein sehr liebenswertes Land"

teleschau: Was bedeutet Ihnen Heimat, speziell das Saarländische?

Sträßer: Bislang war das Saarland ein Stück Heimat, wo man einmal pro Jahr an Weihnachten hinfährt. Ich lebe schon lange nicht mehr dort, bin über mehrere Stationen nach Berlin gezogen. Davor war ich eine Weile in Österreich. Trotzdem habe ich natürlich 20 Jahre im Saarland gelebt. Es gibt da eine Verbundenheit. Es freut mich wirklich, dass diese Rolle gerade dort stattfindet.

teleschau: Gibt es Dinge, die im Saarland anders sind - wenn man sie mit dem Rest Deutschlands vergleicht?

Sträßer: Man macht sich gerne lustig über die geringe Größe des Landes lustig. Besonders Jan Böhmermann (lacht). Auch wird es gerne als Maßstab verwendet. Zum Beispiel für Müllteppiche, die auf dem Ozean schwimmen. Generell würde ich sagen, es ist ein sehr liebenswertes Land. Mit Menschen, die viel Lebenslust ausstrahlen. Man merkt die Nähe zu Frankreich und der dortigen Lebensart.

Burlakov: Das stimmt. Ich habe selten so eine hohe Dichte sehr guter Restaurants kennengelernt, wie bei den Dreharbeiten im Saarland. Es gibt da sehr viel "Haute Cuisine", die man genießen kann. Was wir übrigens während der Arbeit auch getan haben. Das ist definitiv ein guter Grund, "Tatort"-Kommissar im Saarland zu werden (lacht).

Neue Projekte: Sky-Horrorserie und "Oktoberfest 1900"

teleschau: Sie hatten mit dem Saarland vorher gar nichts zu tun, Herr Burlakov ...?

Burlakov: Ich war einige Mal beim Filmfestival Max Ophüls Preis, das sich ja besonders dem filmisch-künstlerischen Nachwuchs verpflichtet fühlt.

teleschau: Ist Ihnen ein gewisser Menschenschlag aufgefallen?

Burlakov: Ich sortiere die Menschen charakterlich nicht so gerne Regionen zu. Ich habe jedoch in Saarbrücken festgestellt, dass ich da sehr viele nette Leute kennengelernt habe. Insofern ist es ein guter Standort, um als Schauspieler zu arbeiten. Auch, weil sich die Menschen über Dreharbeiten freuen und nicht - wie beispielsweise in Berlin - davon genervt sind (lacht).

teleschau: Aus dem Saarland kommt in der Regel nur ein "Tatort" pro Jahr. Sie haben also genügend Zeit, noch in anderen Projekten mitzuwirken. Wo kann man Sie 2020 sonst noch sehen?

Sträßer: Ich habe für Sky in der ersten deutschen Horror-Serie "Hausen" mitgewirkt. Das ist eine größere Rolle, für die ich von September 2019 bis Ende Januar 2020 vor der Kamera stand.

Burlakov: Ich drehte mit Misel Maticevic und Martina Gedeck die ARD-Miniserie "Oktoberfest 1900". Auch das ist ein größeres Projekt, von dem ich allerdings noch nicht weiß, wann es ausgestrahlt wird.