Die Sterne

Auf ihrem neuen Album streifen die Sterne sämtliche musikalische Sparten und liefern ein Pamphlet kreativer Offenheit.

Auf ihrem neuen Album streifen die Sterne sämtliche musikalische Sparten und liefern ein Pamphlet kreativer Offenheit.

Fünf Sekunden lang flirrt eine Gitarre durch die Boxen wie Tumbleweed durch die Prärie. Unweigerlich blitzen einem Szenen aus Sergio Leones "Spiel mir das Lied vom Tod" ins Hirn. Doch dann galoppiert ein fluffiges Riff ins Bild, Frank Spilker fängt zu singen an: Die Sterne sind zurück und spielen mir stattdessen Lieder vom Leben - und zwar in all seinen Facetten.

Wobei: Eine Rückkehr der Sterne ist das Album "Die Sterne" nur bedingt, denn Spilker ist der einzige Verbliebene aus der Urbesetzung, nachdem Bassist Thomas Wenzel und Schlagzeuger Christoph Leich vor anderthalb Jahren die Band verließen. Die Konsequenz: Die Sterne im Jahr 2020 sind weniger Band, mehr Projekt - eine Ansammlung befreundeter Musiker, die wie ein Planetenring um den kreativen Fixstern Spilker kreisen. Das ist wohl auch der Grund dafür, dass die Sterne - von Spilkers Gesang einmal abgesehen - nur noch an wenigen Stellen wie die Sterne klingen. Sicher, das bereits bekannte "Hey Dealer" nimmt einen mit auf einen dieser bewusstseinserweiternden Trips in die geliebte Sterne-Vergangenheit und auch "Die besten Demokratien" ist mit seinem treibenden Funk-Rhythmus und der tonangebenden Orgelmelodie ein Stück in allerbester Sterne-Tradition.

Ansonsten präsentiert sich die Band aber als nach allen Seiten offenes Gebilde, das den Funken für lodernde Kreativfeuer aus sämtlichen Himmelsrichtungen zulässt und aktiv einzufangen versucht. "Aus dem Westen oder aus dem Süden/Es ist egal, wenn wir ihn nur kriegen" ("Der Sommer in die Stadt wird fahren"), um es mit den Worten Spilkers zu sagen. Man nehme nur mal ein Lied wie "Unterschiedlich subtil", dessen musikalisches Grundgerüst mit seinen umherwabernden Synths und dem Stoizimus des Drum-Computers eher an einen wavigen Untergrundempörling zu Zeiten der Neuen Deutschen Welle erinnert - einerseits allerdings konterkariert durch Spilkers elaboriert vorgetragene Systemkritik, andererseits durch die schleichenden Streicher des Kaiser Quartetts, das dem Stück noch mal eine vollkommen andere, nun ja, Saite verleiht. Das bereits erwähnte "Der Sommer in die Stadt wird fahren" hingegen ist lupenreiner Italo-Pop auf Deutsch - ein Genre, das man eigentlich für ausgestorben hielt, doch auf "Die Sterne" nun fulminant zum Leben erweckt wird. Überhaupt: Auf der Platte finden sich Versatzstücke aus Folk, Psychedelic Rock und New Wave, Indierock, Rave und schnörkellosem Pop, P-Funk, Krautrock und Punk. Oder wie es auf der Platte heißt: "Das Herz schlägt aus nach allen Seiten."

Die Sterne - Der Sommer in der Stadt wird fahren