Ein besonderer Tropfen

Mit gewöhnungsbedürftigen Noten, für Genießer aber trotzdem geeignet: Auf "D.O.C." hat Italiens Superstar Zucchero einige musikalische Rebsorten neu vermengt.

Mit gewöhnungsbedürftigen Noten, für Genießer aber trotzdem geeignet: Auf "D.O.C." hat Italiens Superstar Zucchero einige musikalische Rebsorten neu vermengt.

Das Label "D.O.C." dürfte jedem ein Begriff sein, der ab und zu mal eine Flasche guten italienischen Weins aus dem Ladenregal nimmt. Die Abkürzung steht für "Denominazione di origine controllata", eine kontrollierte Ursprungsbezeichnung also. Das Qualitätssiegel hält nun auch Einzug in die Welt der Musik: als Albumtitel des italienischen Erfolgsmusikers Zucchero "Sugar" Fornaciari.

Die charakteristische D.O.C.-Flaschenbanderole ist zwar nicht auf dem Cover zu sehen. Dafür sind Gitarre und Schaufel abgebildet. Ein Hinweis auf die Blues- und Rockwurzeln des Musikers, der spätestens seit dem Hit "Senza una donna" (1991) weit über die italienischen Landesgrenzen hinaus bekannt ist? Eine Verbeugung vor Zuccheros Heimat, der Region Emilia-Romagna, in der die Landwirtschaft eine lange Tradition hat? Nun, wie ein erdiger alter Wein schmeckt es jedenfalls nicht, was der Meister kredenzt, sondern wie eine neue Mischung, die sich eher in einem Club als im heimischen Wohnzimmersessel genießen lässt.

"Spirito nel buio" beginnt denn auch, gut aufgelegt, mit einem poppigen Dance-Beat. Die Sonne über den Feldern Norditaliens geht auf. Allerdings wird auf diesen nicht mit hochgekrempelten Ärmeln geschuftet, sondern getanzt, und am Ende dieses ersten Songs von "D.O.C." sitzt schon niemand mehr still. Die Musik steckt voller Energie, auch wenn sie diesmal nicht den von Zucchero ebenfalls bekannten Bluesrock-Pflanzen entspringt.

Der nächste Hit?

Zucchero pflügt auf "D.O.C." nicht alles um, findet aber doch neue Geschmacksfelder. Profilieren muss der 64-jährige Sänger, Multiinstrumentalist und Songwriter sich nicht mehr. Aber sich selbst ein wenig neu zu erfinden, das geht immer. So schüttelt im spannend inszenierten Stück "Testa o croce" eine staubtrockene Gitarre der Elektronik die Hand. Der balladesk durch die Gemäuer hallende Song "La canzone che se ne va" schmiegt sich mit einer opulenten Orchestrierung an, "Soul Mama" springt in die Disco, und gegen Ende kehrt mit "Tempo al tempo" und dem sich sanft wiegenden Titel "Nella tempesta" Ruhe ein im Hause Zucchero.

Alles drin also, und auch wenn "D.O.C." auf den ersten Blick etwas verwässert wirkt, so ist dennoch in jeder Note der herausragende Musikergeist des vielleicht größten Rockstars zu spüren, den Italien jemals hatte. Der steht diesmal übrigens mehr oder weniger alleine in der ersten Reihe: Prominenz vom Schlage Bono oder Mark Knopfler - beide waren auf dem Vorgänger "Black Cat" (2016) beteiligt - fand sich diesmal nicht ein. Dafür schmückt Zucchero seine Musik umso wirkungsvoller mit der wunderbaren Stimme der schwedischen Synthpop-Newcomerin Frida Sundemo aus, die gemeinsam mit Zucchero im zärtlichen Opus "Cose che già sai" brilliert. Ein neuer Hit? Möglich. Vorsorglich wurde der Song jedenfalls - ebenso wie die erste Single "Freedom" - in einer englischen Version ("Don't Let It Be Gone") als Bonustrack auf "D.O.C." gepackt.

Zucchero auf Tour:

19.11.20 Leipzig, Arena

20.11.20 Hamburg, Barclaycard Arena

21.11.20 Berlin, Mercedes-Benz-Arena

24.11.20 Stuttgart, Schleyerhalle

25.11.20 München, Olympiahalle

27.11.20 Frankfurt, Festhalle

28.11.20 Düsseldorf, ISS Dome

02.12.20 Lingen, Emsland Arena

Zucchero - Freedom