Ein heimlicher Star kehrt zurück

Mick Jagger, Eric Clapton, Tina Turner, Barry Gibb, Peter Gabriel, Roger Waters: P.P. Arnold arbeitete mit zahlreichen Rock- und Pop-Superstars. Nun veröffentlicht die Soul-Sängerin ihr erstes eigenes Album seit 51 Jahren.

Es sind nicht immer nur die Musiker im Rampenlicht, die Musikgeschichte schreiben. Wer kann schon von sich behaupten, als Sängerin mit Tina Turner, Mick Jagger, Eric Clapton, Billy Ocean, Peter Gabriel und Boy George zusammengearbeitet zu haben und trotzdem auf der Straße nicht erkannt zu werden? P.P. Arnold war oft ganz nah dran, wenn in der Musikwelt Großes geschah, doch selbst wurde sie nie zu einem echten Star. Jetzt will sie es noch einmal wissen und veröffentlicht mit "The New Adventures Of ... P.P. Arnold" erstmals seit 51 Jahren wieder ein eigenes Album.

Man kann leicht ins Schwärmen kommen, wenn man die Geschichte der Soulsängerin Patricia Ann Cole nachverfolgt, die im Oktober 1946 in Los Angeles geboren wurde. Sie war Mitglied der Begleitband The Ikettes von Ike & Tina Turner, nahm Erfolgstitel mit zahlreichen Stars aus den letzten 50 Jahren Popgeschichte auf und veröffentlichte als P.P. Arnold obendrein zwei eigene Alben bei Immediate, dem Kultlabel von Rolling-Stones-Manager Andrew Loog Oldham. Arnolds Debüt "The First Lady Of Immediate" (1967) wurde von Mick Jagger und Mike Hurst produziert und brachte mit dem Cat-Stevens-Song "The First Cut Is The Deepest" einen weltweiten Hit hervor. Angeblich hatte Stevens den vorher unveröffentlichten Song damals für 30 britische Pfund an Arnold verkauft. 1968 veröffentlichte Arnold mit "Kafunta" dann ein zweites Album. Sie begleitete Nick Drake und Barry Gibb im Studio, nahm mit Dr. John auf und unterstützte Peter Gabriel mit ihrer glasklaren Stimme bei dessen Hit "Sledgehammer". Die Liste ließe sich noch ewig weiterführen.

Dem Engagement von Steve Cradock (Ocean Colour Scene, Paul Weller Band) als Fan und Produzent ist es zu verdanken, dass P.P. Arnold nach über fünf Jahrzehnten ohne eigene Veröffentlichung ein neues Album aufgenommen hat, das souverän an die ersten zwei Soloplatten anknüpft. Enthalten sind neue Songs von Arnold und Cradock, zwei Paul-Weller-Stücke ("When I Was Part Of Your Picture", "Shoot The Dove") sowie eine zehnminütige Interpretation von Bob Dylans Gedicht "The Last Thoughts On Woody Guthrie".

Ein verdientes Denkmal

Einige Ideen seien schon seit Jahrzehnten in der Schublade gelegen, aber nach einer Tour mit Roger Waters habe P.P. Arnold sie nicht weiter verfolgt - glücklicherweise fand Cradock das alte Material wieder und schaffte es, Arnold zu neuen Aufnahmen zu bewegen. "Selbst jetzt versuche ich immer noch meinen Weg zu finden, weil die Industrie sich jedes Jahrzehnt verändert, und manchmal bleibt man dabei persönlich ein wenig auf der Strecke", wird P.P. Arnold im Pressetext zur neuen Platte zitiert.

Ihrer Stimme haben die Jahre offensichtlich nicht geschadet. Das Timbre der inzwischen 72-Jährigen bewegt sich gekonnt zwischen Gospelchor und Orchester-Soul; ihr Gesang wirkt frisch, knackig und strahlt viel Lebensfreude aus, egal ob das Songmaterial in Richtung Sunshine-Pop ("The Magic Hour") oder gefühlvoll-intonierter Soul mit bombastischen Chor-Refrains ("Though It Hurts Me Badly") tendiert. Am Ende steht ein souverän vorgetragenes, bisweilen nostalgisch schillerndes Werk, mit dem sich der heimliche Star P.P. Arnold selbst ein verdientes Denkmal setzt.

P.P. Arnold - Baby Blue