Ein heller Stern

Immer dem Licht entgegen: "Kompass zur Sonne" leuchtet über der Mittelalter-Rock-Szene. Ein gebührendes Geschenk zum 25. Geburtstag von In Extremo.

Immer dem Licht entgegen: "Kompass zur Sonne" leuchtet über der Mittelalter-Rock-Szene. Ein gebührendes Geschenk zum 25. Geburtstag von In Extremo.

Eigentlich hätte "Kompass zur Sonne" bereits Ende März erscheinen sollen. Doch "nach genauer Betrachtung der Lage" entschieden sich In Extremo, die Veröffentlichung zu verschieben. Wegen Corona, natürlich. Nun aber ist es soweit und das insgesamt 13. Studioalbum der Band erblickt das Licht der Welt.

"Komm, wir trotzen den Gezeiten, hoch am Leuchtturm blinkt ein Licht", heißt es im Titelstück. Und: "Dort, wo Milch und Honig fließen, ist ein Bett für uns gemacht." Aufmunternde Worte in nicht gerade einfachen Zeiten. Die sieben Mannen eröffnen den Reigen mit dieser gut aufgelegten Motivationsspritze nach allerbester Hausmannsart.

Grund zur Zufriedenheit haben die Spielleute durchaus. Seit einem Vierteljahrhundert ziehen sie bereits durch die Lande und das mit immer weiter wachsendem Erfolg: Das letzte Album, "Quid Pro Quo" (2016), war bereits das dritte im Katalog, das Platz eins in den Charts eroberte. Zu Konzeptänderungen gibt es dementsprechend wenig Anlass. Auf "Kompass zur Sonne" findet sich so ziemlich alles, was sich Freunde der jüngeren, rockigen Phase der Band wünschen.

"Wir saufen, bis wir doppelt sehen"

Der feierfreudige Trinksong "Reiht euch ein ihr Lumpen" lädt zum Gelage ("Wir saufen, bis wir doppelt sehen, keiner darf nach Hause gehen"), ungebetene Besucher werden mit den Dudelsäcken zur Tür hinausgejagt ("Lügenpack"). Aber auch Ehrengäste sind wieder dabei. Amon Amarths Johan Hegg wirkt in "Wer kann segeln ohne Wind" mit, Russkajas Georgij in "Gogiya". Alle gemeinsam entern das imposante "Narrenschiff", und zum Ende der Party darf es dann auch ein bisschen sentimental werden ("Schenk nochmal ein").

Ein weiteres Juwel bleibt indes denjenigen vorbehalten, die zu den Album-Versionen mit Bonusmaterial greifen: "Brüder" möchte lauthals mitgesungen werden, während die Gischt auf die Planken spritzt.

Die "Väter des Mittelalter-Rock", wie In Extremo gerne genannt werden, lassen auch nach inzwischen 25 Jahren auf der Bühne nichts anbrennen. "Kompass zur Sonne" folgt zielstrebig dem bekannten Kurs, ohne je nach Routine zu klingen. Einziger Wermutstropfen: "Wir haben eine Platte gemacht und können sie nach der Veröffentlichung erst einmal nicht live präsentieren. Das ist richtig schlimm", klagt Sänger Micha Rhein, nachdem auch die neue Tour zunächst verschoben werden musste. Bleibt zu hoffen, dass die ab Herbst angesetzten Ersatztermine planmäßig durchgeführt werden können.

In Extremo auf Tour:

08.10. München, Zenith

09.10. Hannover, Swiss Life Hall

10.10. Leipzig, Haus Auensee

21.10. Dresden, Schlachthof

22.10. Bielefeld, Lokschuppen

23.10. Bremen, Pier 2

27.10. Berlin, Columbiahalle

22.12. Hamburg, Docks

23.12. Köln, Palladium

28.12. Erfurt, Thüringenhalle

In Extremo - Troja