Eine wichtige Botschaft

Als ob es kein Morgen gäbe: Auf "Cannibal" ballern Bury Tomorrow in bekannter und bewährter Weise ihren Metalcore durch die Kanäle. Dennoch ist das Album etwas Besonderes.

Auf die Frage "Wie geht es dir?" folgt oft eine Auskunft zur körperlichen Verfassung des Angesprochenen. In diesem Zuge über seine Psyche und die mentale Gesundheit zu reden, wird in weiten Teilen der Gesellschaft leider immer noch als unangebracht angesehen. Von dieser Tabuisierung handelt "Cannibal", ein Album, von dem Bury-Tomorrow-Sänger Dani Winter Bates in einer Pressemitteilung sagt: "Für einige Menschen wird es hart, sich das anzuhören."

Bates nimmt dabei weniger Bezug darauf, dass er und seine vier Mitstreiter eine weitere Reihe an Songs vorlegen, die mit unerbittlicher Härte nach vorne preschen, um sich - ganz im etablierten Metalcore-Stil - mit melodischen Refrains wieder abzukühlen. Diesbezüglich ist die Geschichte rasch erzählt: Bury Tomorrow haben ihren ebenso kontrastreichen wie eruptiven Stil vor allem auf technischer Ebene verfeinert, sind sich dabei jedoch weitestgehend treu geblieben; "Voice & Truth" oder die Singles "Better Below" und "Gods & Machines" gehören zu den ausgereiftesten Songs in der Bandgeschichte, und es dauert für Metalcore-Verhältnisse ziemlich lange, bis man sich daran sattgehört hat.

Metalcore, der Mut macht

Die markanten und tatsächlich unbequemen Momente dieses Albums finden sich vor allem auf der textlich-konzeptionellen Seite: "Cannibal" sei ein "offener Therapie-Brief", heißt es in den Erklärungen zu den Lyrics, die schon vorab ins Zentrum des Interesses gerückt wurden. Statt darüber zu reden, wie beständig sich die Briten auf die vorderen Tabellenplätze ihrer Szeneliga vorgearbeitet haben, wird der Fokus auf die inhaltliche Kernaussage gelenkt: "Die Wiederherstellung geistiger Gesundheit ist das, was Leben rettet. Ich möchte, dass die Menschen Licht in der Dunkelheit sehen", so Winter Bates.

Immer wieder setzen sich Rockmusiker dafür ein, Themen zu enttabuisieren, die von der Gesellschaft gerne unter den Teppich gekehrt werden. So auch hier: "Sick of hiding the truth, fucking lying to you / No more time left for hope, at the end of your rope": Mit diesen sich im Ausdruck steigernden Worten beginnt das Eröffnungsstück "Choke". Es sind selbstbefreiende Zeilen eines Sängers, der seine persönlichen Kämpfe nach eigenen Angaben viel zu lange nicht der Öffentlichkeit präsentieren konnte. Er ruft dazu auf, Mut zu fassen, und versichert: Wenn es euch genau so geht wie mir - ihr seid nicht allein.

"Cannibal" ist ein innerer Reinigungsprozess, getragen von wütenden Rhythmuswechseln, Breakdowns und eindringlichen Melodien. Und ein Aufruf dazu, sich den eigenen Dämonen zu stellen. Dazu, dunkle Gedankenspiralen und Existenzzweifel anzuerkennen, um anschließend den nächsten Schritt zu wagen und sich zu öffnen. Das Album "Cannibal" hat bereits dann seine Berechtigung gefunden, wenn es Hörern, die sich angesprochen fühlen, bei diesem Schritt hilft. Die Musik ist das Fundament, das nie wackelt oder wegbricht, und darauf steht eine wichtige Botschaft: Redet miteinander.

Bury Tomorrow - Better Below