"Es war noch nie cool, rumzumotzen"

Schauspieler Benjamin Sadler setzt in erster Linie auf Freundlichkeit. Geht es jedoch um den Zustand des deutschen Fernsehens oder den Rechtsruck im Land, kann der 48-Jährige mehr als deutlich werden.

Im deutschen Fernsehen spielt Benjamin Sadler meist die eher anspruchsvolleren Rollen, etwa in seinen neuen Psychothrillern "Jenseits der Angst" (Montag, 16. September, 20.15 Uhr, ZDF) und "Ein verhängnisvoller Plan" (Montag, 14. Oktober, 20.15 Uhr, ZDF). Sein Urteil über die derzeitige TV-Landschaft ist deutlich: "Nach oben hin ist viel Luft", sagte der 48-Jährige im Interview mit der Nachrichtenagentur teleschau. Doch er weiß auch: "Das war immer so. Durch neue Spieler am Markt bewegt sich in letzter Zeit etwas. Das kommt nicht von heute auf morgen. Zu sagen 'alles Scheiße' und dass die anderen es besser machen, bringt nichts."

Überhaupt glaubt der in Toronto geborene Schauspieler: "Es war noch nie cool, rumzumotzen." Heutzutage sei "einem in vielen Situationen geholfen, sich zusammenzureißen und freundlicher miteinander umzugehen". Mit Freundlichkeit habe man zudem "einen Grund, die Leute auf Distanz zu halten. Wenn jemand nervt und man unfreundlich ist, dann nervt derjenige ja noch mehr". Eine Ausnahme sieht Sadler jedoch mit Blick auf den zunehmenden Rechtsruck im Land: "Da muss man aufstehen und seine Meinung sagen", so der Wahlberliner gegenüber der teleschau. Er glaubt: "Die Zeit, sich höflich rauszuhalten, ist vorbei." Der Schauspieler kritisiert: "Im Moment heißt es ja: Wer am lautesten schreit, hat gewonnen. Da kursieren viele Gefühlsduseleien, die mit Fakten nichts zu tun haben."

Einen Grund der Polarisierung sieht Sadler auch in der Unzufriedenheit mit den Verhältnissen: "Viele Menschen haben nicht mehr die Chance, an der Gesellschaft teilzuhaben. Weil sie das Geld, weil sie die Möglichkeiten nicht haben. Die sind außen vor." Der Niedergang "des klassischen Arbeiterstaates, der Stolz, aber auch Unternehmensverantwortung" seien nie kompensiert worden, klagt der Charakterdarsteller an. "Heute rackern sich die Leute für Mindestlohn bei Paketdiensten ab. Deshalb kommen viele Debatten, die früher als Alt-Sozi-Diskussionen galten, heute zu Recht wieder hoch." Im Kern, so Sadler im Interview mit der teleschau, gehe es "um die Frage, in welchem Land wir leben wollen. Was wollen wir uns leisten? Wofür stehen unsere Werte? Es ist die Frage, was mit unseren intellektuellen liberalen Errungenschaften geschieht".