Festival-Veranstalter fordert Hilfe von Fans und Politik

Ob Rock am Ring und Rock im Park im Juni wie geplant stattfinden kann, ist ungewiss. Aktuell werden trotz Corona-Pandemie immer noch Karten verkauft. Veranstalter Marek Lieberberg, der den "Zusammenbruch der gesamten kulturellen Infrastruktur" befürchtet, bittet Fans und Politik um Hilfe.

Ob Rock am Ring und Rock im Park im Juni wie geplant stattfinden kann, ist ungewiss. Aktuell werden trotz Corona-Pandemie immer noch Karten verkauft. Veranstalter Marek Lieberberg, der den "Zusammenbruch der gesamten kulturellen Infrastruktur" befürchtet, bittet Fans und Politik um Hilfe.

"Nach derzeitigem Stand findet Rock am Ring wie geplant statt und die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren", verkündet die Webseite des XXL-Festivals in der Eifel. Auch beim vom 5. bis 7. Juni 2020 zeitgleich stattfindenden Nürnberger Schwester-Festival Rock im Park soll 2020 gerockt werden - so das derzeit offizielle Statement, das viele Veranstalter ähnlicher Musik-Großevents wie etwa Hurricane- und Southside-Festival (19. bis 21. Juni) so oder so ähnlich teilen. Gegenwärtig erscheinen große Konzertveranstaltungen aufgrund der Corona-Pandemie - ebenso wie Fußballspiele vor Publikum - allerdings kaum vorstellbar. "Tickets werden nach wie vor, allerdings in verminderter Frequenz, verkauft", gibt Veranstalter Marek Lieberberg gegenüber der Agentur teleschau auf Nachfrage eine Wasserstandsmeldung ab.

Der 73-jährige Konzertveteran (Rock am Ring, Rock im Park) weiß jedoch, dass die größte Veranstaltungs-Absagewelle aller Zeiten für viele Firmen das Aus bedeuten könnte. "Diese Krise rüttelt an den Fundamenten eines Segments, das essenzielle kulturelle, soziale und gesellschaftliche, aber auch wirtschaftliche Bedeutung für unser Leben und einen Teil seiner besonderen Qualität ausmacht. Wir stemmen uns mit Macht und unter Einsatz aller Mittel gegen den Sturm, sind aber zumindest auf Verständnis der Politik angewiesen." Lieberberg hofft auf staatliche Unterstützung seiner Branche. "Es geht hier in erster Linie um Zustimmung zu einem dringend erforderlichen Moratorium für die Rückerstattung von Vorverkaufsgeldern bei Verschiebungen. Nicht weniger wichtig ist die staatliche Unterstützung der vielen Dienstleister wie Ordner, Helfer, Techniker und anderer, die den Ausfall nicht lange durchstehen können. Nur so kann der folgenreiche Zusammenbruch der gesamten kulturellen Infrastruktur verhindert werden."

Könntem die großen Festivals um ein Jahr verschoben werden?

Eine Rettungsidee Lieberbergs besteht darin, dass Ticketkäufer im Falle von Konzertabsagen ihre Eintrittsgelder nicht zurückfordern, was ihr Recht wäre, sondern auf Ersatztermine warten. "Da die Karten für Konzerte, die aufgrund dieser Pandemie verschoben werden, Gültigkeit behalten, erwarten wir von allen Fans der Live-Musikkultur, auf eine Rückerstattung zu verzichten. Dies ist nicht übertrieben und stützt die gesamte Musikindustrie, zu der Veranstalter, Künstler, Hallen und die vielen Dienstleister gehören." Lieberberg ist sich dabei durchaus bewusst, dass die Verschiebung von Riesenfestivals wie Rock am Ring mit ihrer komplexen Logistik ähnlich wie bei Fußball-EM oder Olympia eigentlich nur mit langen Vorläufen von etwa einem Jahr zu realisieren wären.

"In allen Fällen müssen erst die Verfügbarkeit der Spielstätten und der Künstler geprüft werden. Das kann eine Wartezeit in Anspruch nehmen. Für diese Dauer darf die Geduld der Ticketkäufer vorausgesetzt werden. Bei den Zeiträumen, die bereits in normalen Situationen zwischen Vorverkaufsstart und den Konzertterminen liegen, sollte notfalls eine Verschiebung bis zu einem Jahr wirklich zumutbar erscheinen." Ein gar nicht mal so unwahrscheinliches Szenario, das einen ordentlichen Kompromiss für Veranstalter, Künstler und auch Publikum darstellen würde. Demnach würde aus Rock am Ring 2020 einfach Rock am Ring 2021. Ob es so kommt, ist derzeit allerdings noch Spekulation.