Freundlich, bodenständig, alles wie immer

Stefanie Heinzmann ist zurück. Ihr Album "All We Need Is Love" aber klingt, als sei sie nie fort gewesen - leider.

Stefanie Heinzmann beginnt ihr neues Album "All We Need Is Love" mit einer Entschuldigung: "Hello, it's me again, sorry I took so long", singt sie da. Immerhin vier Jahre sind seit ihrer letzten Platte "Chance Of Rain" vergangen. In der Zwischenzeit zog sich die Schweizerin ein wenig zurück, prüfte alternative Lebensentwürfe (Schreinerin oder Hebamme standen dabei oben auf der Liste) und kam letztlich doch wieder bei der Musik an. Vier Jahre sind im Musikbusiness mittlerweile durchaus eine längere Zeit, aber ihr Fehlen fiel trotzdem nicht weiter auf. Schließlich werden auch Heinzmanns ältere Songs immer wieder gerne im Formatradio gespielt. Sie gehören dort zu den "Stört keinen genug zum Umschalten"-Nummern. Das Freundliche, Bodenständige, Verlässliche, das Stefanie Heinzmann als Person auszeichnet, schlug sich eben immer auch in ihrer Musik nieder.

Und jetzt? Bleibt alles beim Alten: Heinzmann hat sich in ihrer Pause nicht neu erfunden, sondern kehrt zu ihren bewährten Rezepten zurück. Die 30-Jährige singt angerockte Pop-Lieder mit Funk- und Soul-Elementen und meist positiver Botschaft, fast immer ähnlicher Struktur und fast immer ähnlichem Gesang, wie gewohnt mit ordentlich Druck in der Stimme. Experimente werden auf ein Minimum reduziert, vom Schema F weicht eigentlich nur ein Song ab: "Every Day Is A Good Day" wurde in ein elektronisches Gewand gekleidet, die Sängerin darf den Refrain ein wenig mehr säuseln und muss ihn erst im letzten Durchgang in gewohnter Manier raushauen.

Ansonsten muss man Besonderheiten auf "All We Need Is Love" oft schon mit der Lupe suchen. "Bigger" beispielsweise macht anfangs noch Hoffnung mit einem sehr reduzierten Einstieg, in dem Heinzmann sich nur von einer Gitarre begleiten lässt und dem Zuhörer tatsächlich mal ganz nah rückt. Es dauert dann aber doch nur 37 Sekunden bis zum üblichen druckvollen Refrain. Danach darf noch eine Jazztrompete exakt neun traurige Tönchen von sich geben, bevor der Rest zur triumphalen Motivationshymne wird. Selbst die Dance-Nummer "Build A House" (mit DJ Alle Farben) unterwirft sich weitgehend den klassischen Heinzmann-Formeln und wird damit absolut mitwippbar, sympathisch, bodenständig (Hausbau!). Wenig überraschend, klar. Stört aber auch keinen genug zum Umschalten.

Stefanie Heinzmann - Mother's Heart