Fünfstelliger Wunschpreis: "Bares für Rares"-Kandidatin verschätzt sich völlig!

So tief fiel bei "Bares für Rares" schon lange keiner mehr auf den Boden der Realität. Eine junge Verkäuferin kam mit fünfstelligen Preisvorstellungen und ging um eine ernüchternde Erfahrung reicher ...

Ein gesundes Selbstbewusstsein schadet ja nicht. Auch nicht im TV. Und eine selbstbewusste Preisvorstellung ist gewiss gerade dann nicht von Nachteil, wenn man als Trödelbesitzer den Händlern der ZDF-Show "Bares für Rares" gegenübertritt. Alleine: Im gesunden Rahmen sollte das alles schon sein, sonst kommt man erst gar nicht so weit. Diese bittere Erfahrung machte am Freitag eine Kandidatin bei Moderator Horst Lichter, der zwischen Mitleid, Hoffnung und Fassungslosigkeit derart heftig schwankte, dass er sich sogar für einen unfeinen Kraftausdruck entschuldigen musste.

Victoria Keller hieß die junge Dame, die Trödelgott Lichter derart aus dem Gleichgewicht brachte. Die Frankfurterin hatte einen durchaus eindrucksvollen Musikspielautomaten mit tanzenden Puppen ins Pulheimer Walzwerk mitgebracht. Und konkrete Preisvorstellungen gleich dazu. Sie werde hier "nicht unter Wert verkaufen", stellte sie unmissverständlich klar. Schließlich kenne sie den Wert der hölzernen Antiquität genau. Sie sei ein Geschenk ihres Vaters gewesen.

Bevor Victoria Keller ausführen durfte, was dieses "Wissen" in Zahlen bedeutete, durfte Experte Detlev Kümmel seine Fachkenntnis in die Waagschale werfen. Dem Galeristen und Kunstkenner fiel auch einiges ein zum vorliegenden Objekt: "Der Spielautomat wurde im Stil der Neorenaissance, also der Gründerzeit gefertigt", holte er aus. "Dieses Objekt kann man anhand der Machart der Puppen auf 1890 datieren." So weit, so vielversprechend.

Mehr Schein als Sein

Doch Kümmel hatte ja gerade erst angefangen. "Wir haben hier einen Weichholzkasten vor uns, entweder aus Kiefer oder Fichte, der mit einer sogenannten Bierlasur dunkel angemalt wurde. Das täuscht ein wertigeres Stück vor als, es eigentlich ist." Horst Lichters Schnauzbarthaare sanken da schon gefühlt ein paar Milimeter gen Boden, doch war dies noch gar nicht das Ernüchterndste der Expertise. Am Münzschlitz erkannte Kümmel, dass der Automat für den Gebrauch in einer Kneipe gefertigt war - und danach sah er auch aus.

"Was ist denn da passiert? Da ist es mal richtig fies warm geworden, oder?", fragte Horst Lichter zaghaft mit Verweis auf eine ramponierte Stelle. Experte Kümmel klärte auf: "Ja, aber nicht nur warm. Das ist auch ein Ergebnis zu hoher Luftfeuchtigkeit. Deswegen hat sich die Farbe in Bläschen vom Untergrund abgelöst." Ganz so verheerend fand Kümmel den Makel dann aber auch wieder nicht: "Das ist nicht schlimm, denn das Gerät ist original. Hier wurde nie restauriert." Für Horst Lichter war diese Einschätzung natürlich "ein Träumchen".

Horst Lichter entfährt das A-Wort

Und die Besitzerin? Die witterte für das Werk der deutsch-russischen Firma Armand Marseille den erhofften Erlös - allerdings in außerirdischen Sphären. Ihr Vater, erklärte sie, habe den Kasten einst bei einer Auktion für 40.000 D-Mark erworben. Nach altem Wechselkurs kam sie bei einer Preisvorstellung von 20.000 Euro raus. "Leck mich am A....", konnte sich Horst Lichter ein Kraftwort nicht verkneifen, für das er sich jedoch gleich entschuldigte. 20.000 Euro - das hätte den Automaten zum drittteuersten Verkauf der "Bares für Rares"-Geschichte gemacht. Doch dazu kam es nicht.

Detlev Kümmel musste der Kandidatin und dem Hilfe suchenden Moderator erklären, dass in den 1980er- bis 90er-Jahren die Preise für Spielautomaten künstlich in die Höhe getrieben wurden. Er selbst kam auf einen Wert von "nur" 2.000 bis 3.000 Euro für das Objekt von Victoria Keller. Die Verkäuferin ballte ihre Hände zu Fäusten und war sichtlich enttäuscht. Horst Lichter traute sich gar nicht hinzusehen. Da war sein Show-Gast auch schon halb auf dem Weg nach Hause. Für ein Zehntel ihres Wunschpreises war Frau Keller nicht zu Verhandlungen bereit und die Laune im selbigen. Die Händler einen Raum weiter warteten diesmal vergebens.