Ganz okay so

Auf "Ich und keine Maske" verknüpft Sido die unterschiedlichen Facetten seiner Rapper-Persönlichkeit in einer perfekt abgestimmten HipHop-Bestandsaufnahme. Beweisen muss der Berliner nichts mehr - sein achtes Album ist Beweis genug dafür.

Sido ist eines der letzten Unikate im deutschen Pop-Zirkus. Anfang der 2000-er als prägende Figur des harten Raps Berliner Prägung groß geworden, wandelt der 39-Jährige seit 15 Jahren zwischen Privatfernsehen, roten Teppichen und seiner Verbindung zur HipHop-Kultur. Auch sein achtes Album "Ich und keine Maske" balanciert auf dieser Schneise. Doch Sido ist schon lange nicht mehr der pöbelnde Maskenrapper aus dem Märkischen Viertel, einer Hochhaussiedlung im Berliner Norden, sondern in erster Linie: eine Pop-Persönlichkeit.

Diese wurde über die Jahre mit Radio-Hits wie "Astronaut" und "Au revoir" immer facettenreicher. Aber schon mit dem Titel seines neuen Albums "Ich und keine Maske" nimmt Paul Würdig, so sein bürgerlicher Name, deutlich Bezug auf sein ikonisches Solodebüt "Maske" von 2004. Sido besinnt sich also auf jene Anfangszeit, als im Regal noch keine Gold- oder Platin-Auszeichnungen, Echos und sogar ein MTV Music Award standen. Auf jene Zeit, als sein Künstlername als Akronym für "Scheiße in dein Ohr" oder "Superintelligentes Drogenopfer" gedacht war und er Kassetten mit seiner Musik über einen Berliner Graffitiladen verkaufte. Heute allerdings ist Sido mit der TV-Moderatorin Charlotte Würdig verheiratet und lebt im brandenburgischen Hohen Neuendorf. In seiner Musik gibt er in der Regel nicht mehr den schimpfenden Straßenköter, sondern eher den Elder Statesman.

Einfach, aber effizient

Der rührselige Opener "Wie Papa", ein pathetisches HipHop-Opus, das seinen Kindern gewidmet ist, zitiert aus Sidos vielleicht wichtigstem Song, dem Debüt-Hit "Mein Block". "Meine Stadt, mein Zuhause, mein Viertel, meine Gegend, mein Palast", heißt es da. "Ich und keine Maske" ist ein Bekenntnis: zu Sido, dem Familienmenschen, zu Sido, dem Popstar und zu Sido, der HipHop-Ikone. Als Weltenwandler kann er die aalglatten Deutschpop-Radiopleaser "Leben vor dem Tod" (mit Monchi) und "Pyramiden" (mit Joahnnes Oerding) genauso treffsicher ausformulieren wie die lupenreinen Rap-Tunes "High" (mit Samra und Kool Savas) und "Schono Ke" (mit Casper).

Auch Zeitgeist-Phänomene wie der Newcomer Apache 207 oder Rapper-Geheimtipps wie Beka featuret Sido auf diesem Album, wodurch die Gästeliste sich wie ein symbolischer Querschnitt der deutschen HipHop-Szene liest. Ob auf klassischen Sample-Beats, poppigen Synthie-Hymnen oder reduzierten Trap-Anleihen: Dank seines leichtfüßigen Songwritings hält Sido die unterschiedlichen Elemente seines Schaffens humorvoll, scharfsinnig und pointiert zusammen. Sidos größte Stärke war schließlich immer schon die Zugänglichkeit seiner Tracks. Anstatt auf lyrische Metaebenen und eine spektakuläre Performance zu setzen, brilliert auch "Ich und keine Maske" mit einer einfachen, aber effizienten Sprache.

Man könnte kritisieren, dass das achte Album der Diskografie Sidos trotz einiger geschmackvoller Tracks wenig Neues hinzufügt. Auf der anderen Seite könnte man auch anhand von Songs wie "Junge von der Straße" aufzeigen, dass Sido sich nicht zu weit von seinen Ursprüngen entfernt hat, wie es ihm häufig vorgeworfen wird. Doch am besten lässt sich "Ich und keine Maske" wohl mit einem Zitat von Sidos überraschendem Featuregast Casper beschreiben: "Is' schon okay".

Sido - Das Buch