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Genug für eine neue "Abbamania"? Die neuen ABBA-Songs im Schnelldurchlauf

Da ist es, endlich. 40 Jahre nach dem letzten Studioalbum feiern ABBA mit "Voyage" ihr Comeback. Reicht es für eine neue "Abbamania"? Ein Schnelldurchlauf.

Agnetha Fältskog, Benny Andersson, Björn Ulvaeus, Anni-Frid Lyngstad - diese Namen stehen seit Jahrzehnten für Pop auf allerhöchstem internationalen Niveau. Man hatte zuletzt aber auch vier Jahrzehnte lang nichts Neues von ABBA gehört. Was lange als unmöglich galt, ist nun Realität, es gibt ein neues Album. Einige der Titel werden 2022 auch im Rahmen der neuen Hologramm-Show "ABBA Voyage" in London aufgeführt. Und alle fragen sich: Wo stehen die einstigen Chart-Stürmer ABBA nach so langer Pause? Können sie es noch? Die zehn neuen "Voyage"-Songs im Schnell-Check.

I Still Have Faith In You

Die erste Vorab-Single mit Video, der erste Song des Albums, der erste große "Wow!"-Moment. "I Still Have Faith In You" ist eine emotionale, mitreißende Pop-Hymne über Vertrauen und Zusammenhalt. "Wir haben es so gut gemacht, wie wir es in unserem Alter konnten", erklärte Benny Andersson im September bei der Albumankündigung in London. Dass sie ein bisschen älter geworden sind, hört man den Stimmen von Anni-Frid und Agnetha auch an, aber dadurch wirkt dieser grandiose Auftaktsong nur umso wärmer und ehrlicher. Erster Eindruck: bitte mehr davon!

When You Danced With Me

"I can remember when you left Kilkenny ...", singen ABBA und dazu spielt ein Dudelsack - oder ist es doch nur ein Synthesizer, der so klingt? In "When You Danced With Me" jedenfalls erzählen die Schweden eine in Irland angelegte Geschichte übers Ausreißen und Zurückkommen. International, stimmungsvoll, groß produziert - die Gesangsmelodie erinnert allerdings ein bisschen zu sehr an "Thank You For The Music".

Little Things

Hoppla, ein kleiner Festtagsgruß: Kaum eingegroovt im neuen Album, präsentieren ABBA einen waschechten Weihnachtssong. Piano, Streicher, alles sehr gediegen. Warmherzig und sanft besingt die schwedische Band die"Little Things", die schönen kleinen Dinge. Und besonders schön, was fast ein bisschen komisch ist, finden sie: die Ruhe an diesem "lovely Christmas morning", ehe die Kleinen aufwachen und Alarm machen. "Why don't we stay in bed for a while?"

Don't Shut Me Down

Ein Pathos-Intro mit Harfe und Streichern, ein klirrendes Piano-Glissando wie damals bei "Dancing Queen" und dann drei Minuten lang funkelnder Disco-Pop mit Glockenspiel, Saxofon und Gesangs-Harmonien. "Don't Shut Me Down" wurde sicher nicht zufällig als eine der ersten beiden Singles gewählt. Vom ersten bis zum letzten Ton: ABBA, ABBA, ABBA!

Just A Notion

"Voyage" ist eine musikalische Reise, oft natürlich auch eine Zeitreise. Zum Beispiel bei "Just A Notion". Der Song, als dritte Vorab-Single bereits bekannt, entstand eigentlich schon in den späten 70-ern, schaffte es damals aber auf keines der Alben. Schlagzeug und Gitarre wurden neu eingespielt, beim Gesang handelt es sich um die Originalaufnahmen von 1978. ABBA, als wären sie nie weg gewesen!

I Can Be That Woman

"I Can Be That Woman", eine Ballade. Und was für eine. Musikalisch verzichten ABBA auf große Show-Effekte, im Text geht es zunächst um einen Hund, der nervös mit dem Schwanz wedelt. Daraus wird dann aber eine ergreifende Geschichte über eine zerbrochene Liebe. Im Subtext schwingt viel von einer toxischen Beziehung mit. "I feel sick and my hands are shakin' / This is how all our fights have begun". Ein erstaunlich düsterer Titel, der aber auch wahnsinnig unter die Haut geht - und wenn man die Fan-Kommentare im Netz so liest, schon jetzt ein neuer Lieblingssong.

Keep An Eye On Dan

Wieder ein Trennungs-Song, die Herzschmerz-Themen häufen sich. Diesmal singen ABBA aus der Perspektive einer getrennt lebenden Mutter, die dem Vater das Kind fürs Wochenende übergibt. "Keep An Eye On Dan", bittet sie, er soll gut auf den Jungen aufpassen. Sie erinnert sich an die Liebe von früher, an das erste Date, dünn ist er geworden. Es ist eine Erzählung mit vielen Details, die tief in der Magengrube trifft - hier aber nicht in Balladen-Form, sondern als spannender, pulsierender Pop-Track mit Elektro-Akzenten. Ziemlich modern, zumindest für eine Band, die zuletzt 40 Jahre lang nicht aktiv war.

Bumblebee

Viele Fans spekulierten anhand der Titelliste schon, es könnte sich hier um eine Version des nie auf einem Album erschienenen Songs "Free As A Bumblebee" handeln. Nein, das hier ist etwas Neues. In "Bumblebee" zeigen ABBA, dass sie ein Herz für Hummeln haben. "He's just a tiny, fuzzy ball / And I wonder how he can fly at all". Von Flieder und Hyazinthen schlagen ABBA dann den Bogen zu einer Welt, die sich so schnell verändert, dass die Hummel gar nicht mehr mitkommt, und oh, wie traurig wäre dieser Garten ohne ihr Gesumme. Also: eine Art Klimaschutz-Song, eingebettet in wieder recht klassischen ABBA-Sound mit Flöte und Glockenspiel. Ganz nett, aber auch ein bisschen schräg.

No Doubt About It

Ziemlich laut, ziemlich lebhaft - und mit Gitarre! "No Doubt About It" erinnert zwischendurch mal an die etwas rockigeren ABBA-Titel von damals, man denkt an Klassiker wie "Does Your Mother Know". Es ist ein Partysong mit viel Drive und Dynamik, einer zum Mitsingen. "No Doubt About It", ein Lied übers "Entschuldigung"-Sagen, gehört nicht unbedingt zu den kreativsten Nummern dieses Albums, aber ganz sicher zu denen, die am meisten Spaß machen.

Ode To Freedom

Der letzte Tusch, wahrscheinlich die finale ABBA-Studioaufnahme - schließlich haben Agnetha, Björn, Benny und Anni-Frid bereits erklärt, nicht noch einmal ein neues Album aufzunehmen. In diesem atmosphärischen, im Chor vorgetragenen Stück sehnen sie sich nach der perfekten "Ode To Freedom" ("Ode an die Freiheit"). Unprätentiös und würdevoll soll sie sein ("unpretentious, but with dignity"), und im besten Falle möge sie uns einen: "I wish someone would write an Ode to Freedom that we all could sing". Ein schöner Gedanke, ein gelungener Abschluss.

Fazit

"Voyage" ist nicht sonderlich innovativ, nicht modern, nicht überraschend. Das alles will dieses Album aber auch nicht sein. Es ging darum, den Sound der 70-er wieder mit Leben zu füllen und zu zeigen, dass er heute noch "funktioniert". Das für sich ist schon eine enorm schwierige Aufgabe, aber ABBA zeigen auf "Voyage" immer wieder, dass es geht, und zwar auf immer noch bemerkenswert hohem Niveau. Musik mit Herz, die ein bisschen Liebe und Wärme in die Welt bringt - darum geht es, darum ist es immer gegangen.