Gib uns etwas Konkretes!

Drei Jahre nach "Immer noch Mensch" meldet Tim Bendzko sich mit "Filter" zurück - einem Album, das oft nach früher klingt und trotzdem interessante neue Töne anschlägt.

Drei Jahre nach "Immer noch Mensch" meldet Tim Bendzko sich mit "Filter" zurück - einem Album, das oft nach früher klingt und trotzdem interessante neue Töne anschlägt.

Viele deutsche Sänger lassen sich längst nicht mehr ausschließlich auf ihre Musik reduzieren. Der Pfälzer Käppiträger Mark Forster ist als Coach von "The Voice of Germany" und dem "Kids"-Ableger der TV-Erfolgsshow medial omnipräsent. Max Giesinger trat 2018 ebenfalls als Coach bei "The Voice Kids" auf und war dieses Jahr Jurymitglied bei "The Masked Singer", wo er wochenlang darüber rätselte, welche Promis sich hinter den aufwendigen Masken versteckten. Etwas anders verhält es sich mit dem musikalischen Deutschpoeten Tim Bendzko. Um den sympathischen Lockenkopf, einst durchgestartet mit der Hitsingle "Nur noch kurz die Welt retten" (2011), war es nach seinem letzten Album "Immer noch Mensch" (2016) ruhig geworden. Nun meldet er sich auf "Filter" mit neuer Musik zurück.

Verändert hat sich an Bendzkos Stil relativ wenig. Der 34-Jährige besingt weiterhin die Liebe, das Leben, und er denkt sehr viel über sich selbst nach. Musikgewordene Selbstzweifel wie der Song "Laut" treffen auf melancholisch-schwermütige Titel wie "Trag dich" oder "Freier Fall", die beide den Verlust liebgewonnener Menschen thematisieren. Textlich traut der Berliner sich aber leider nur selten aus seiner Deckung heraus; Zeilen wie "Erst, wenn du nicht mehr suchst, kommt es zu dir" ("Dieses Herz") erinnern eher an die schwächeren Momente der Vorgängeralben "Am seidenen Faden" (2013) und "Immer noch Mensch" (2016).

Zwischentöne, die aufhorchen lassen

Das neue Album "Filter" bietet aber durchaus auch Songs, die aufhorchen lassen. In der Zusammenarbeit mit Rapper Kool Savas, "Nicht genug", lehnt Bendzko sich ungewohnt weit aus dem Fenster und übt Kritik an der Social-Media-Kultur: "Es geht nicht darum, wie die Zeit war, sondern wie viele es geliked haben / Alles optimieren, alles filtern für die perfekten Bilder". Besonders gelungen ist daneben die zurückhaltende Gitarrenballade "Leise", die fast wie eine Abrechnung mit der Musikindustrie daherkommt. Auch wenn die Zeile "Wenn er nachts nach Hause kommt, ist alles leise / Kein Blitzlicht, kein Applaus und keine Preise" in der dritten Person getextet ist - man darf wohl vermuten, dass solche Gefühle auch für den preisgekrönten Sänger Tim Bendzko nicht ganz fremd sind.

Glanzlichter wie diese zeigen eine spannende neue Seite an Tim Bendzko, von der man gerne mehr hören würde, denn insgesamt mangelt es "Filter" eben doch ein wenig an Ecken und Kanten. Die Unentschlossenheit zwischen Altbewährtem und dem Mut, Neues auszuprobieren, bringt Bendzko in seinem Song "Vielleicht" quasi selbst auf den Punkt, wenn er fordert: "Gib mir was Konkretes / Ein Ja oder Nein". Eigentlich ein guter Vorsatz für das nächste Album.

Tim Bendzko - Hoch