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Harald Lesch kritisiert Corona-Politik: "Warum hört ihr nicht auf eure Spezialisten?"

Im vergangenen Jahr lobte Harald Lesch die Corona-Politik hierzulande noch. "Sie ist ständig schlechter geworden", sagt der Münchner Professor nun. Besonders die grassierende Skepsis vor der Wissenschaft besorgt den 60-Jährigen.

Seit über einem Jahr klärt Harald Lesch unermüdlich über die medizinischen und gesellschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie auf. Die Politik der Regierung hatte der Münchner Professor nach dem ersten Lockdown 2020 dabei noch gelobt. Monate später sieht das anders aus: "Sie ist ständig schlechter geworden", kritisierte Lesch jetzt in einem Interview mit der Nachrichtenagentur teleschau. "Beim Fußball hätte man gesagt: Sie haben drei Tore geschossen, dann haben sie sich in die Verteidigung zurückgezogen und gewartet, bis das Spiel zu Ende ist. Das hätten wir besser machen können", so der 60-Jährige.

Wirklich "komisch" finde er die "Abkehr einiger Politiker von der Wissenschaft", erklärte der Astrophysiker und Naturphilosoph: "Einige Leute denken, sie seien schlauer als diejenigen, die wirklich was von dieser Krankheit verstehen. Und laufen lieber ihren eigenen Zielen und Zwecken hinterher". Angela Merkel hätte als ausgewiesene Naturwissenschaftlerin gewusst, wie leistungsfähig die Wissenschaft sei, so Lesch: "Hätten wir uns da an diese ganz elementaren Regeln gehalten, wären wir mit wesentlich geringeren Infektionszahlen in die dritte Welle gegangen." Man habe gewusst und davor gewarnt, dass die Mutationen sich durchsetzen würden. Aber: "Diese einfachen Zusammenhänge sind anscheinend nicht bis zur Politik durchgedrungen."

Gerade mit Blick auf die Ministerpräsidenten müsse sich Lesch fragen: "Warum hört ihr nicht auf eure Spezialisten? Dafür bezahlt uns die Gesellschaft doch. Wir kommen aus dem Reich der Tatsachen und sagen, was der Fall ist - und dann kommt jemand und sagt: Nein, das ist nicht der Fall. Da kann man sich nur noch heulend zurückziehen". Es gehe es bei der Behandlung des Virus zuerst um Wissenschaft, sagte der ZDF-Moderator gegenüber teleschau: Erst dann, so Lesch, "kann man irgendwelche Träume, Ziele, Visionen und sonst irgendetwas hineinbauen".

Natürlich, so der Wissenschaftler weiter, müsse die Politik noch andere Bereiche berücksichtigen: "Viele leiden unter dem Lockdown, vollkommen klar." Momentan aber müssten "einige Kreise der Gesellschaft lernen, dass die Aussage, es sei nicht nur Wissenschaft, doch häufig an der Realität vorbeigeht." Denn, so Harald Lesch: "Die Wissenschaft liegt mit den Prognosen meist genau richtig. Es kommt darauf an, im richtigen Moment auf die Wissenschaft zu hören."

"Da kann ich auch die Sonne anbrüllen"

"Kein Mensch habe das Virus hier gewollt", sagte Harald Lesch. Wir müssten uns "der Tatsache stellen, dass es sich dabei um eine Art Naturkatastrophe handelt, wie sie uns in dem Ausmaß noch nie begegnet ist". Es sei "erstaunlich, dass wir glauben, so einer außergewöhnlichen Situation mit den Rezepten der Normalität begegnen zu können". Das Coronavirus sei "eine molekulare Maschine, der ist es völlig egal, wen sie befällt", so der Wissenschaftsjournalist. Es sei uns abhandengekommen, "etwas anzuerkennen, womit wir nicht verhandeln können".

Jene, die sich angesichts dessen gegen die Wissenschaft stellen, bedachte Lesch im teleschau-Interview mit süffisanter Kritik: "Da kann ich auch die Sonne anbrüllen. Ich denke: Selbst ein kranker Querdenker ist immer noch froh, wenn er beatmet wird." Deutschland hätte nicht die scharfen Lockdowns gehabt wie andere Länder: "Und trotzdem gibt es bei uns die Querdenkerdemonstrationen und das große Gemeckere. Es wird zu viel gemeckert und zu wenig auch mal ausgehalten", beanstandete Lesch.

Ebenso konstatierte der Physikprofessor im teleschau-Interview, dass es mitnichten die Mehrheit sei, die an wissenschaftlichen Erkenntnissen zweifle: "Der größte Teil der Bevölkerung steht zu dem, was die Wissenschaft sagt. Ein Großteil steht auch hinter den Corona-Maßnahmen." Es handle sich eher um "eine Art Lautsprecher", analysierte Lesch: "Diejenigen, die nicht einverstanden sind, schreien am lautesten." Die schweigende Mehrheit höre man dagegen nicht. Er appelliere aber daran, mit denjenigen, die wissenschaftliche Erkenntnisse leugnen, im Gespräch zu bleiben: "Immer und immer wieder wohlwollende Diskussionen führen."



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