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Hat die "ewige Liebe" noch eine Chance?

Unter dem Titel "Wie lange ist für immer?" geht Moderatorin Janin Ullmann künftig im TV den Geheimnissen immerwährender Beziehungen nach. Die 39-Jährige erklärt im Interview, warum das mit der Liebe heute anders läuft als früher - und gibt einen interessanten Tipp für erste Dates.

Gibt es die eine wahre Liebe heutzutage noch? Mit dieser Frage setzt sich Moderatorin Janin Ullmann in dem neuen Social Factual "Wie lange ist für immer?" auseinander, das ZDFneo am Donnerstag, 11. Februar, 20.15 Uhr, zeigt. Zehn Jahre lang führte Ullmann selbst eine Beziehung mit Schauspieler Kostja Ullmann, 2016 heirateten die beiden. 2018 folgte die Trennung des einstigen Traumpaares. Seitdem hat sich die 39-Jährige mit dem Beziehungs-Aus beschäftigt, nun ergründet sie in der neuen zweiteiligen Dokumentation, die auch in der ZDFmediathek abrufbar ist, die immerwährende Liebe. Im Interview erzählt die "Das Ding des Jahres"-Moderatorin und Schauspielerin, mit welchem Problem Paare heutzutage zu kämpfen haben, warum Hollywood-Filme rund um die Liebe so beliebt sind und auf welches verbreitete Getränk man beim ersten Date besser verzichten sollte.

teleschau: Frau Ullmann, gibt es die eine große und ewige Liebe?

Janin Ullmann: Auf diese Frage gibt es viele Antworten! Ich habe mit vielen Experten und Expertinnen darüber gesprochen, wir haben uns wochen- und monatelang mit dem Thema beschäftigt, und ich kann sagen: Jeder hat seine ganz eigene Wahrheit dazu. Das liegt daran, dass jeder unterschiedliche Erfahrungen mit dem Thema Liebe gemacht hat.

teleschau: Aber was denken Sie?

Ullmann: Ich möchte daran glauben. Aber ich denke, dass es die ewige Liebe nicht einfach so gibt, sondern, dass zwei Menschen sich immer wieder aufs neue füreinander entscheiden. Trotzdem muss ich sagen, dass dieses "Für immer" eine sehr ideale Zeitangabe ist. Das macht es auch so spannend.

teleschau: Warum ist eine immerwährende Beziehung in der heutigen Gesellschaft so schwierig im Vergleich zu früher?

Ullmann: Das liegt zum einen an der Schnelllebigkeit, aber zum anderen auch daran, dass wir Frauen uns emanzipiert haben. Vor 50 oder 60 Jahren haben wir in einer ganz anderen Abhängigkeit von einem Mann gelebt. Deswegen gab es damals so viele Beziehungen, die sehr lange gehalten haben, weil sie halten mussten. Die Frau war finanziell so gut wie ausgeliefert, durfte nicht arbeiten oder mussten den Mann erst danach fragen, genauso wie nach ihrem verdienten Geld, das meistens der Mann verwaltet hat. Es gab großartige und mutige Frauen, die uns ermöglicht haben, dass wir nicht mehr so leben müssen. Frauen sind mittlerweile unabhängig, daher führen heutzutage viele unglückliche Beziehungen auch eher zu einer Trennung.

"Ich nehme oft an, dass der andere schon weiß, was ich denke oder fühle"

teleschau: Man sagt oft, dass früher alles besser gewesen sei. Für das Beziehungsmodell trifft das aber eher nicht zu, oder?

Ullmann: Nein (lacht). Ich bin wirklich froh, dass ich nicht in den 60-ern gelebt habe. Ich hoffe, dass ich zu den Frauen gehört hätte, die damals gegen das System rebelliert haben. Und auch heute noch gibt es komplett veraltete Regelungen, wie das Ehegattensplitting - übrigens eingeführt 1958 -, das dazu führt, dass verheiratete Frauen im Schnitt einen erheblichen höheren Anteil ihres Einkommens an Steuern zahlen, als ihre Ehemänner und setzt somit deutlich negative Anreize für die Erwerbstätigkeit von Frauen in Deutschland.

teleschau: Mit welchen Problemen haben Paare heutzutage zu kämpfen?

Ullmann: Das größte Problem ist die Kommunikation. Dadurch, dass alles so schnell ist, wir uns ständig mit irgendetwas beschäftigen und wir totale Meister darin sind, uns abzulenken, ist Kommunikation eine große Herausforderung geworden. Ich kenne das auch von mir. Egal, in welcher Beziehung ich zu wem bin: Ich nehme oft an, dass der andere schon weiß, was ich denke oder fühle und vergesse dann, dass das gar nicht möglich ist, egal wie gut man sich kennt.

teleschau: Immer öfter gibt es heute das Modell einer offenen Ehe oder einer offenen Beziehung ...

Ullmann: Ja. Wir haben in der Sendung ein polygames Paar begleitet und ein Paar das, trotz drei gemeinsamer Kinder, sexuell und emotional offen für andere ist, also polyamor lebt. Damit kannte ich mich überhaupt nicht aus, das war auch für mich total spannend. Ich habe dieses Wort "polyamor" zwar mal gehört, wusste aber ehrlich gesagt nie genau, was das bedeutet.

teleschau: Was halten Sie davon?

Ullmann: Für mich wäre das nichts. Das würde mich fertig machen. Ich brauche das Gefühl von Commitment, und daran würde ich zweifeln, wenn es zu anderen Partnerschaften neben der eigenen kommen würde. Trotzdem kann ich verstehen, dass es Paare gibt, die mit diesem Beziehungsmodell gut leben.

teleschau: Glauben Sie, dass eine offene Beziehung das Modell der Zukunft ist?

Ullmann: Gute Frage, dafür spräche, dass Liebe manchmal konsumiert wird, als stünden wir in einem Süßigkeitenladen, aus dem wir uns beliebig bedienen können. Ich persönlich glaube an die verbindliche Liebe zwischen zwei Menschen, gerade auch durch die Situation in der wir momentan leben. Ich glaube fest daran, dass wir die Liebe dadurch noch mehr wertschätzen und bewusst merken, dass wir uns aufeinander verlassen und uns nah sein wollen.

Beim ersten Date "keine Kaltgetränke" trinken!

teleschau: Ihre eigene Beziehung ging erst 2018 auseinander. Wie haben Sie die Zeit seitdem erlebt?

Ullmann: Ich habe mich in den letzten Jahren sehr mit mir selbst auseinandergesetzt. Durch "Wie lange ist für immer" bin ich noch mal sehr tief gegangen, sowohl mit den Paaren und den Experten und Expertinnen, als auch mit mir. Vor allem das Thema Selbstliebe ist mir dabei noch mal besonders wichtig geworden, weil das etwas ist, was wir nie so richtig lernen, obwohl es so entscheidend dafür ist, dass wir nicht im Außen und damit bei einem anderen nach dem Glück suchen, sondern bei uns selbst.

teleschau: Welche Tipps haben Sie gegen Liebeskummer?

Ullmann: Oha, reden, reden, reden! Es ist immer gut, wenn man tolle Freunde oder Freundinnen um sich herum hat. Bei mir war es zumindest so, dass mir der Austausch sehr geholfen hat. Wenn man Dinge laut ausspricht, erfährt man viel über sich selbst. Erkenntnisse wie: "Es geht nicht nur mir so", können enorm helfen. Es ist eine Phase, durch die viele Menschen durchmüssen, daher ist es okay, wenn man das auch mal aushält. Ich bin sehr gewachsen daran, und das wünsche ich jedem.

teleschau: War die Arbeit an dem Social Factual auch eine Art Therapie für Sie?

Ullmann: Nein, das nicht. Aber es war schön, so viel über andere Paare zu erfahren und dass sie mich so nah an sich rangelassen haben, das war für mich etwas ganz Besonderes. Wir haben ein Paar dabei, das dieses "Für immer" tatsächlich lebt, die beiden sind seit 40 Jahren verheiratet, das ist schön zu sehen. Für mich ist es ein sehr emotionales Projekt und ich war oft sehr berührt und auch überrascht.

teleschau: Warum das?

Ullmann: Wir haben verschiedene Experimente gemacht, und auch wenn es klischeehaft ist, hat man doch häufig eine Vorstellung davon, wie ein Mann oder eine Frau tickt. Aber manchmal kommt es doch ganz anders. Wir haben zum Beispiel einen Geruchstest gemacht. Die Paare haben eine Nacht lang ein T-Shirt getragen. Diese Shirts haben wir gesammelt und den Männern und Frauen zum Riechen gegeben. Dabei kam heraus, dass Frauen eher auf den angenehmsten Geruch gehen, und Männer eher auf den vertrauten Geruch, also meist den der eigenen Frau. Das war für mich sehr überraschend und auch sehr schön.

teleschau: Haben Sie einen Tipp, den Sie Singles gerne mit auf den Weg geben würden?

Ullmann: Ja! Ich habe von unserem Evolutionsbiologen gelernt, dass man beim ersten Date keine Kaltgetränke trinken sollte, also weg mit dem Bier und her mit dem heißen Kakao. Durch das warme Getränk fühlt man sich wohl direkt ein bisschen verbundener miteinander.

"Man muss dafür arbeiten"

teleschau: Die Paare in Ihrer Sendung halten diese typischen Hollywood-Filme, in denen immer nach der einen wahren Liebe gesucht wird, eher für unrealistisch. Und Sie?

Ullmann: Ich liebe diese Filme! "Liebe braucht keine Ferien" habe ich mindestens 100-mal geguckt. Und ich möchte auch mal im Leben einen Magic Moment haben, also den Moment, in dem beide zufällig im Supermarkt zum selben Produkt im Regal greifen und sich sofort ineinander verlieben.

teleschau: Es gibt viele Menschen, die diese Filme für unrealistisch halten. Warum funktionieren sie trotzdem so gut?

Ullmann: Weil es schön wäre, wenn alles und vor allem die Liebe ideal laufen würde, selbst wenn sie das im Film nicht tut, weiß man, es gibt ein Happy End, darum muss man sich keine Sorgen machen. Im echten Leben möchte man auch, dass einem die schönsten Dinge passieren, auch das "Für immer". Aber die Sache ist: Man muss dafür arbeiten. Das klingt anstrengend, und das ist auch anstrengend, aber so kann es funktionieren.

teleschau: Heutzutage lernen sich viele über Dating-Apps kennen. Was halten Sie davon?

Ullmann: Das ist toll! Und ganz ehrlich: Wie soll man es auch gerade im Moment anders machen? Früher war das immer ein bisschen komisch, wenn man gehört hat, dass sich ein Paar übers Internet kennengelernt hat. Da dachte man immer: "Um Gottes willen! Das wird doch nix!" Inzwischen ist das ganz normal und eigentlich auch egal, wo man sich kennenlernt.

teleschau: Mit welchen Gefühlen starten Sie nun in das Jahr 2021?

Ullmann: Mit viel Liebe und viel Zuversicht und der großen Hoffnung bald wieder hemmungslos zu umarmen.