Ich möchte nicht, dass ihr meine Lieder singt

Die Rapperin und Sängerin Ebow betont auf ihrem dritten Album "K4L" ihre Herkunft und die ihrer Community. Ihre Spitzen nach außen sind hart, verpuffen aber schnell wieder.

Die Russenhocke, Jogginghosen und auch das sogenanntes "Kiez-Deutsch" sind einst von deutschen Comedians zur Schau gestellte und allgemein belächelte Eigenheiten "integrierungsunwilliger" Einwanderer - und 2019 Mainstream. Auch und vor allem unter "kartoffeldeutschen" Teenagern. Geschichten aus dem Milieu in Rapform bilden den Soundtrack; Kleidung, Sprache und Habitus werden Instagram-tauglich imitiert. Selbiges widerfährt auch dem LGBT-Lifestyle und dessen Output. "Verpisst euch!", lässt Ebow an alle "Almans und Cis-Heten" ausrichten. "Ihr begehrt uns, aber ihr respektiert uns nicht." Harsche Worte, die im "Hengameh Skit" ihres neuen Albums "K4L" (steht für: "Kanak For Life") fallen. Es ist ein Album für die Community, für Migranten, Nicht-Weiße und Queers.

Ebow hat sich längst den von Feuilleton und studentischen Jugendmagazinen unterbauten Ruf aufgebaut, eine provokante, meinungsstarke und spannende Künstlerin zu sein. Auf den noch immer kurz ausfallenden Listen zu "Deutschen Rapperinnen, die bald mächtig durchstarten werden", steht sie seit gut fünf Jahren. "K4L" ist Album Nummer drei. Mächtig durchstarten, das weiß Ebow selbst, wird sie damit aber immer noch nicht. Und das nicht nur, weil sie vielen potenziellen und kaufstarken Zuhören vor die blonden Köpfe stößt - im Titeltrack, in "AMK" und mit vielen weiteren gezielt gesetzten Spitzen. Manches wirkt auch etwas überspitzt. Wie viel wirklicher Zorn hinter dieser Musik steckt, ist unklar.

Ebow spitzt die Ellebogen

Zwar stellt Ebows abwechslungreicher Vortrag aus Cloud-Rap-Stakkato, bedingt-süßlichem R'n'B-Gesang und klassischem Sprechgesang kein Argument gegen Erfolg dar. Ebow wehrt sich aber bewusst dagegen, sich auf irgendeine Art und Weise unterzuordnen oder Plattenfirma-Masterplänen zu folgen. Da ist viel Kante, nicht nur beim Thema Integration, und wirklich lieblich sind nicht einmal die Liebeslieder der Musikerin, die mal in Wien, mal in Berlin lebt. Diese wirken eher benebelt ("High") und kehren vor allem ihre "Andersartigkeit" heraus ("Butterflies"). Schiefe Synthies sowie schwer zugängliche Beats und Sound-Strukturen senken das ohnehin unerwünschte Hitpotenzial noch weiter.

Ebow, bürgerlich Ebru Düzgün, ist in München geboren und Enkelin alevitisch-kurdischer Einwanderer. Die 29-Jährige besitzt einen Architektur-Master; man kann sie wohl als gefestigt und als im Leben stehend bezeichnen. Vorzeigemigrantin spielen ist aber nicht ihr Swag. Wogen werden auf "K4L" nicht geglättet, sondern hervorgehoben. Ebow zeigt Zähne und Stinkefinger, um sich klar abzugrenzen. Ins Boot geholt darf sich dabei nur eine kleine Gruppe fühlen, für die dieses Album sicher einen gewissen Unterhaltungswert hat. Für Außenstehende verbrauchen sich viele der Kernbotschaften dagegen schnell. Für einen neuen Blick oder mehr Umsicht gehen sie nicht tief genug. So werden sich "Almans und Cis-Heten" noch lange nicht vom fröhlichen Mitmachen und Annektieren abhalten lassen.

Ebow - Butterflies