Im Maschinenraum des Rock

Auf "No Control", ihrem zweiten Album in 13 Jahren, kehrt Suzi Quatro zurück zu ihren Wurzeln: staubtrockene Riffs aus der Gründerzeit der Hardrock-Kultur.

Was ist nicht alles Kult an Suzi Quatro: Der Ledereinteiler. Das Bild eines zarten, ja fast jungenhaften Mädchens mit riesiger Bassgitarre. Und natürlich die Vokuhila-Glamrockfrisur, mit der sich die heute 68-Jährige jedoch nur noch "angedeutet" entstellt. Für oberflächliche Beobachter gehörte der erste weibliche Rockstar, der mit einem Instrument in der Hand zu einem solchen wurde, der Glamrock-Ära an. Eigentlich ein schlechter Witz, denn mit nichts hatte Quatro, Tochter eines aus Italien stammenden Motor-City-Fließbandarbeiters aus Detroit, so wenig am Hut wie mit dem exaltierten Geschäft eines Marc "T. Rex" Bolan oder David Bowie. Suzi Quatro kam vom rauen Rock'n'Roll ihrer Heimatstadt, wo sie zunächst mit ihren Schwestern in einer Mädchenband spielte. Ab 1973 wurde sie in England mit dem bis heute verehrten Riffmonster-Hit "Can The Can" zum Star aufgebaut.

In den späten 70-ern ("Stumblin' In") und 80-ern verirrte sich der Star unzähliger deutscher "Bravo"-Cover bisweilen in softere Klänge und pausierte zwischen 1982 und 2006 gleich ganz. Quatro zog sich zurück, um ihre beiden Kinder im ländlichen England großzuziehen. Mit dem 1984 geborenen Sohn Richard Leonard, der aus der Ehe mit ihrem ehemaligen Gitarristen Len Tuckey hervorging, hat sie nun auch ihr neues Album "No Control" geschrieben, das zu den Wurzeln der Hardrock-Riffkultur zurückkehrt. Es ist ihre zweite Platte seit 2006 ("Back To The Drive"), ihre erste seit 2011 ("In The Spotlight").

"Wer im Rock keine Maschine hat, der hat nichts"

Musikalisch darf man keinerlei Innovationen erwarten. "No Control" ist ein Album, das die Oldie-Fraktion so bedient, wie sie es haben will. Hier werden am Bass ehrliche Blues-Schemata entrollt, die Gitarrensaiten gebogen und alte Riffs mit minimalen Abwandlungen geritten. Auch thematisch bleibt sich Quatro treu - mit ihrem Blickwinkel der hart arbeitenden Frau im Rockbusiness, die sich nie die Butter vom Brot nehmen ließ.

Titel wie "Macho Man" oder "Heavy Duty" sprechen Bände und stehen für ein stabiles Weltbild. Quatro, das Mädchen, das wie selbstverständlich bei den harten Jungs mitmischte (als dies noch keine Frau außer ihr tat), fuhr mit guten Instinkten und einem klaren Fokus auf ihre Fähigkeiten als Rock'n'Roll-Musikerin immer gut damit. Ihr staubiger Retrorock kommt mal minimalistisch und kraftvoll authentisch daher ("No Control", "Going Home", "Macho Man"), mal als psychedelisierter Southernrock ("Strings", "I Can Teach You To Fly" ).

Ein paar Ausrutscher muss der Rockfan leider aushalten, wie etwa den Calypso-artigen Schlager "Love Isn't Fair". Auch ein Basssolo, das sich Suzi Quatro bis heute auf der Bühne nicht nehmen lässt, ist mit von der Partie, zu hören auf dem Stück "Bass Line", das zur Spät-60er-Akkordstruktur so etwas wie das Lebensbekenntnis der Musikerin darstellt. "Wer einmal in einer Band Bass gespielt hat weiß, was ich meine", erzählt Quatro im Interview mit der Nachrichtenagentur teleschau. "Ich spielte zuvor Klavier und Percussion, aber das war nichts im Vergleich dazu, wenn ich einen Bass zupfen oder schlagen durfte. Bass und Schlagzeug sind die Maschine einer Band. Wer im Rock keine Maschine hat, der hat nichts."

Suzi Quatro auf Tour:

24.04. Berlin, Friedrichstadt-Palast

30.04. Schopfheim, Stadthalle

06.05. Hamburg, Laeiszhalle

11.05. Bremen, Metropol Theater

12.05. Neuruppin, Kultur-Kirche

14.05. Rostock, Stadthalle

15.05. Hannover, Theater am Aegi

29.05. München, Circus Krone

30.05. Frankfurt, Alte Oper

30.08. Plauen, Parktheater

31.08. Thale, Bergtheater

01.09. Kranichfeld, Freichlichtbühne Niederburg

22.09. Leipzig, Gewandhaus

28.09. Dortmund, Westfalenhalle 3A

01.10. Reutlingen, Stadthalle

02.10. Kassel, Stadthalle

04.10. Wuppertal, Stadthalle

05.10 Osnabrück, Osnabrückhalle

07.12. Heilbronn, Harmonie

13.12. Dresden, Kulturpalast

14.12. Jena, Sparkassen Arena

15.12. Nürnberg, Löwensaal

Suzi Quatro - No Soul / No Control