"Jason Bourne" trifft auf "Scrubs"

Auf seriöses Entertainment hat Scott Foley momentan keine Lust mehr: In der neuen SAT.1-Serie "Whiskey Cavalier" spielt er selbstironisch gegen Agenten- und Action-Klischees an - und beweist damit sowohl Helden- als auch Comedy-Qualitäten.

Im TV-Geschäft ist Scott Foley bereits ein alter Hase. Erste Bekanntheit erlangte der in Kansas City geborene Schauspieler durch sein Engagement in der Coming-of-Age-Serie "Felicity" (1998 bis 2002) von J.J. Abrams und Matt Reeves. Der große Durchbruch im Fernsehen gelang Foley dann mit einer Hauptrolle in der Militär-Actionserie "The Unit - Eine Frage der Ehre" (2006 bis 2009). Im Anschluss war er 100 Folgen lang im Politthriller-Format "Scandal" (2013 bis 2018) zu sehen. Seine Karriere ist geprägt von ernsten Dramaserien, weswegen sich der 46-Jährige nun endlich an etwas anderes heranwagen wollte: In der neuen Action-Comedy "Whiskey Cavalier" (ab Dienstag, 14. Mai, 20.15 Uhr, SAT.1) verkörpert er entgegen seiner sonstigen Heldenfiguren einen hochsensiblen FBI-Agenten, der widerwillig mit einer so attraktiven wie tödlichen CIA-Kollegin zusammenarbeiten muss. Dabei spielt Foley genüsslich gegen sämtliche Rollenklischees an und beweist gleich in doppelter Hinsicht, dass man die Welt nur mit Humor retten kann.

Echte Männer zeigen Gefühle

teleschau: "Whiskey Cavalier" ist eine Mischung aus Agenten-Thriller und Komödie mit internationalen, aber vor allem europäischen Schauplätzen. Ist das genau die Serie, die eine durch Terror, Brexit und Trump gespaltene Welt aktuell benötigt?

Scott Foley: Das war definitiv die Idee, als wir die Show erdacht haben! Ich habe mit den Produzenten David Hemingson und Bill Lawrence viel über die Serien gesprochen, die wir selbst mögen und über Formate, die wir aktuell im Fernsehen vermissen. Ein Großteil unserer Gespräche drehte sich darum, dass die meisten Shows heutzutage total ernst daherkommen. Vielleicht spiegelt das auch einfach die aktuelle Situation in der Welt wider. Wir wollten aber auf jeden Fall etwas anderes machen und eine Show kreieren, die uns an die Formate erinnert, mit denen wir aufgewachsen sind: "Das Model und der Schnüffler", "Remington Steele", "Hart aber herzlich", "Simon & Simon" - diese Serien haben mich beim Heranwachsen ganz stark geprägt. Auch "Whiskey Cavalier" soll eher heiter und optimistisch sein.

teleschau: Ihr Charakter Will Chase alias Whiskey Cavalier wird als eine Art Pfadfinder mit großem Herz beschrieben. Ist die sensible Seite der Figur ein Gegenentwurf zum klassischen männlichen Actionhelden?

Foley: Der Charakter war nicht zwingend als Gegenentwurf konzipiert, nein. Ich habe mir aber schon länger gedacht, dass der altbewährte, starke und stoische Actionheld aufgrund seines Mangels an Emotionen oftmals sehr schwer nachvollziehbar ist - man kann sich mit ihm nicht recht identifizieren. So unterhaltsam die "Jason Bourne"- und "James Bond"-Filme auch sind: Wir leben mittlerweile in einer Zeit und Welt, in der es Männern nicht nur erlaubt ist, Gefühle zu haben, sondern diese auch zu zeigen und sich von ihnen leiten zu lassen. Und solche Charaktere sind für mich als Schauspieler natürlich wesentlich interessanter und machen mir mehr Spaß beim Spielen - insbesondere in den humorvollen Szenen! Die Emotionen fungieren in "Whiskey Cavalier" als Katalysator und treiben die Geschichte voran.

"Bourne" trifft auf "Scrubs"

teleschau: Sie und Ihre Kollegin Lauren Cohan spielen zwei Alphatiere in "Whiskey Cavalier" - die Figuren streiten permanent, zudem gibt es sexuelle Spannungen. Wie war die Chemie beim Dreh?

Foley: Ich glaube, sie war sehr gut - das ist aber tatsächlich eine ziemlich schwierige Frage! (lacht) Ich habe es auf jeden Fall sehr genossen, mit Lauren zu arbeiten. Ich weiß nur nie so genau, wie man die Frage nach der Chemie beantworten soll. Ich habe definitiv viel über Laurens Witze gelacht, und sie hat zumindest vorgegeben, dass sie mich ebenfalls lustig findet. Wir sind gut miteinander klargekommen, und ich glaube, wir haben die Gesellschaft des jeweils anderen sowohl vor als auch hinter der Kamera genossen. Wir drehten die komplette Serie in Prag und wurden dadurch quasi in das Leben des jeweils anderen hineingeworfen: Zwei Amerikaner in einem fremden Land, dessen Sprache und Kultur uns fremd sind - während der Arbeit hatten wir quasi nur einander, und das hat echt gut funktioniert!

teleschau: Berühmt wurden Sie durch Ihre Rollen in "The Unit - Eine Frage der Ehre" und "Scandal" - im Vergleich zu "Whiskey Cavalier" grundlegend ernste Drama-Formate. Was hat Sie davon überzeugt, nun diesen selbstironischen, augenzwinkernden Charakter zu verkörpern?

Foley: Will Chase ist wirklich ein komplett anderer Figurentyp als die Figuren in den beiden genannten Serien, das stimmt! Und ohne es tatsächlich auszusprechen, haben Sie bereits den Nagel auf den Kopf getroffen: Ich habe solche ernsten Charaktere wirklich sehr lange verkörpert - jetzt war es mal an der Zeit für einen Tapetenwechsel. Im echten Leben bin ich Vater von drei kleinen Kindern und möchte eben nicht immer darüber nachdenken, auf todernste Art und Weise die Welt zu retten! Das sollte leichtfüßig und mit Humor vonstattengehen - es muss auch mal Platz zum Lachen geben!

teleschau: Welche TV- und Filmcharaktere haben Sie in Ihrer Darstellung beeinflusst?

Foley: Das lässt sich am besten so beantworten: Unser Produzent Bill Lawrence war einer der Schöpfer von "Scrubs" - und ich bin ein Riesenfan dieses Formats. Insbesondere Zach Braffs Figur des J.D. war mir immer einer der liebsten Comedy-Charaktere überhaupt! Außerdem könnte ich mir die "Bourne"-Reihe immer und immer wieder anschauen - Will Chase ist also in gewisser Weise eine Kombination aus J.D. und Jason Bourne.

Europa und die Liebe zum Nachwuchs

teleschau: Sie haben die Serie komplett in Tschechien gedreht. Gab es etwas, das Sie besonders an der europäischen Kultur fasziniert hat?

Foley: Definitiv - und zwar als Vater! Die Art und Weise, wie Europäer ihre Kinder behandeln und auf sie aufpassen, hat mich wirklich begeistert. Es ist zwar nicht so, dass wir uns in den Staaten weniger gut um unseren Nachwuchs kümmern, aber Europa ist einfach insgesamt viel kinderfreundlicher, vor allem in der Öffentlichkeit: In jedem Restaurant, in jedem Einkaufszentrum gibt es spezielle Spielbereiche oder Orte, an denen professionelle Babysitter auf die Kinder aufpassen und sie mit Respekt behandeln. Das werde ich wirklich sehr vermissen!

teleschau: In "Whiskey Cavalier" geht es um unterschiedliche Charaktere, die lernen müssen, miteinander klarzukommen, um gemeinsame Ziele zu erreichen. Ist "Whiskey Cavalier" damit auf gewisse Weise eine utopische Alternative zur gegenwärtigen Situation in der Welt?

Foley: Das wäre natürlich ein großartiges Ziel, ist aber vielleicht ein wenig zu hoch gegriffen. Wir wollen die Menschen dazu auffordern, mal für einen Moment alles stehen und liegen zu lassen und einfach ein wenig Spaß zu haben. "Whiskey Cavalier" ist eine Serie, die man einschaltet, um für einen Moment all die Politik und Konflikte in dieser gespaltenen Welt zu vergessen und eine gute, unterhaltsame Zeit zu haben. Wir fordern die Zuschauer nicht dazu auf, aktiv Dinge zu verändern, wir regen das Publikum bloß dazu an, mal für einen Moment innezuhalten und beim Schauen die Batterien wieder aufzuladen.