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Jenke von Wilmsdorff über Schwerverbrecher-Doku: "Man kann mit ihnen lachen"

Für sein neues ProSieben-Format "Jenke.Crime" trifft Jenke von Wilmsdorff ab sofort jeden Dienstag Schwerverbrecher. Was hat der 55-jährige Extrem-Reporter dabei über Kriminalität und Kriminellen-Biografien herausgefunden?

Fast 60 Jahre Knast versammelt Jenke von Filmsdorff in seinem neuen Format "Jenke.Crime". Ab 4. Mai sitzt der 55-jährige ProSieben-Reporter jeden Dienstagabend (20.15 Uhr) mit Bankräubern, Drogenhändlern, Cyberkriminellen und Menschenhändler an einem Tisch. Sogar ein "Gruppengespräch" mit allen Delinquenten ist Teil der vier jeweils gut zweistündigen Dokus. Beim Entstehen der Filme ertappte sich von Wilmsdorff öfter dabei, wie er sich dagegen wehrte, seine "schweren Jungs" sympathisch zu finden. Im Interview mit der Agentur teleschau sagte er jetzt: "Natürlich sind diese Leute nicht nur böse, nicht nur Verbrecher. Man kann mit ihnen lachen, aber auch sehr betroffen und gerührt von ihrer traurigen Kindheit sein, man kann gespannt ihren Räubergeschichten lauschen und sich dabei ertappen, wie sympathisch man sie findet. Aber niemals darf man die Menschen vergessen, die durch sie zu Opfern wurden! Das muss immer wieder angesprochen und ins Bewusstsein gerufen werden."

"Man will sich von der Gesellschaft ablösen, man will anders sein"

Um diesen "Menschenfängern", wie Wilmsdorff seine Protagonisten nennt, nicht auf den Leim zu gehen, gibt es in jeder Folge Begegnungen mit Opfern. Außerdem schätzt eine Profilerin im Hintergrund die Psychogramme der vier im Format auftretenden Männer ein, um zum Beispiel vor Charakteren mit narzisstischer Persönlichkeits-Störung zu warnen, die bekanntlich sehr charmant sein können. Von Wilmsdorff glaubt nach den vier Drehs zu "Jenke.Crime" herausgefunden zu haben, warum Menschen zu Verbrechern werden: "Die Motive sind oft ähnliche. Man will sich von der Gesellschaft ablösen, man will anders sein. Natürlich ist Geld immer ein großer Antrieb. Bei den Älteren mag die Entsozialisierung eine größere Rolle spielen. Unsere beiden betagten Protagonisten sind beide in Kinderheimen groß geworden. Dort haben sie Gewalt und sexuellen Missbrauch erlebt."

Doch nicht alle Männer hatten die klassische "schwere Kindheit". Zwei wuchsen relativ behütet auf, was die Frage aufwirft, ob es auch Verbrecher "aus gutem Hause" gibt. "Die Frage, was ein intaktes Elternhaus ist", so von Wilmsdorff, "kann so einfach nicht beantwortet werden. Die meisten Menschen sagen doch, dass sie eine super Kindheit hatten. Wenn man sich jedoch genauer mit deren Kindheit auseinandersetzt, das Verhalten der Eltern hinterfragt, Pflaster abreist, dann kommt gern mal raus, dass die vermeintlich schöne Kindheit gar nicht so dolle war."

Stimmen die Quoten, würde Jenke von Wilmsdorff das Format gerne fortsetzen. Die Motive weiblicher Verbrecher sowie die Frage, was genau der Strafvollzug bewirkt, wären dabei reizvolle Fragen, die "Jenke.Crime" in Zukunft angehen will.



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