Keine lieben Verwandten

Geradeaus statt rechts: Mit einem selbstbetitelten Album feiern die Böhsen Onkelz ihr 40-jähriges Bestehen.

Geradeaus statt rechts: Mit einem selbstbetitelten Album feiern die Böhsen Onkelz ihr 40-jähriges Bestehen.

Das erste Geschenk zum Jubiläum haben die Böhsen Onkelz bereits bekommen: Mehrere Songs aus ihrem Album "Der nette Mann" von 1984, darunter der unter Fans beliebte Titeltrack, wurden kürzlich vom Index genommen. Ein weiterer Schritt zur Rehabilitierung der einst am braunen Rand fischenden Band. Die längst zu den beliebtesten Rockgruppen der Nation zählt. Und auch mit ihrem neuen, selbstbetitelten Album die breite Masse anzusprechen weiß.

Alleine die Ankündigung von gleich sechs Konzerten im Frankfurter Raum als groß angelegte Geburtstagsfeier hat Superlativen-Potenzial. Nicht zuletzt, weil die Onkelz bereits im Frühjahr durch die größten Hallen der Republik ziehen werden. Die enorme Anziehungskraft indes ist nichts Neues. Spätestens mit ihrer Wiedervereinigung im Juni 2014 vor 200.000 Fans auf dem Hockenheimring wurde klar, in welcher Liga gespielt wird.

Immer mehr Prominente sowie Musikerkollegen plädieren dafür, die Band endlich als eine prägende Deutschrock-Institution anzusehen, deren politische Vergangenheit zwar nicht vergessen werden darf, aber auch nicht als Legitimation dienen sollte, sie pauschal und ein für allemal zu verdammen. "40 Jahre Krach und Poesie", so besingen die Onkelz im Opener "Kuchen und Bier" ihre Geschichte. Eine Geschichte, die - wie uns Ben Becker im Prolog verrät - absolut wahr ist. Womit klar wird, um was es auch diesmal geht: Um Werte wie Ehrlichkeit und Zusammenhalt. Um das Los des Außenseiters ("Den Hund, den keiner will") und das hohe Gut der wahren Freundschaft ("Des Bruders Hüter"). Um Durchhaltevermögen ("Flügel für Dich") und natürlich nichts als die Wahrheit. Die ganze Wahrheit ("Prawda").

"14.000 Tage feiern wir, mit Kuchen und Bier"

Das alles wird vorgetragen mit straßenpoetischen Umschreibungen und rotzrockigen Gitarren, mit rauer Stimme und durchstampfenden Rhythmen. Das archaisch-muskelbepackte, aufrecht gehend furchtlose Herz, das Kritiker und Liebhaber abseits jeglicher Gesinnungsthematiken gleichermaßen schon immer antrieb - hier schlägt es wieder. Und erreicht seinen Höhepunkt im sich aufschwingenden "Aus der Sage": "Ich stehe auf, wie aus der Sage. Mit neuer Kraft aus der Niederlage. Kämpfen macht dich stark, nicht das Gewinnen. Nach dem Fallen wieder Aufstehen und von vorne beginnen."

Nicht unerwähnt bleiben sollte allerdings auch das nachdenkliche Element, welches mittlerweile für das Quartett durchaus kein fremdes Terrain mehr ist. Mit "Ein Hoch auf die Toten" oder der abschließenden Ballade "Die Erinnerung tanzt in meinem Kopf" lässt die wohl umstrittenste Band der deutschen Rockgeschichte einmal mehr einen tieferen Blick zu. Und nicht nur das: Wenn in "Saufen ist wie Weinen" schonungslos das eigene labile und durch die Sucht angeknackste Seelengerüst in den Mittelpunkt des Geschehens rutscht, wird klar: Was auch immer man von den Onkelz halten mag. Einzigartig sind sie in jedem Fall.

Böhse Onkelz auf Tour:

15.04. Oberhausen, König-Pilsener-Arena 17.04. Dresden, Messehalle 1 18.04. Berlin, Mercedes-Benz-Arena 19.04. Erfurt, Messehalle 21.04. Hamburg, Barclaycard-Arena 22.04. Rostock, Hansemesse 24.04. Magdeburg, GETEC Arena 25.04. Nürnberg, Arena 27.04. München, Olympiahalle 28.04. München, Olympiahalle 29.04. Leipzig, Messehalle 01.05. Köln, Lanxess Arena 02.05. Stuttgart, Schleyer-Halle 03.05. Kempten, Bigbox 07.05. Chemnitz, Messe 08.05. Hannover, TUI Arena 09.05. Hannover, TUI Arena 28.08. Frankfurt, Das Bett 29.08. Frankfurt, Das Bett 01.09. Neu-Isenburg, Hugenottenhalle 02.09. Frankfurt, Jahrhunderthalle 04.09. Frankfurt, Waldstadion 05.09. Frankfurt, Waldstadion