Künstler-Manager fordern: Mehr deutsche Lieder im Radio!

Genau die Hälfte: So hoch soll der Anteil deutschsprachiger Musik in deutschen Radios künftig sein, wenn es nach der Forderung einer Initiative von Künstlermanagern geht. Sie wollen verhindern, dass deutsche Musiker im Zuge der Coronakrise zugrunde gehen. Die Reaktionen fallen nicht nur positiv aus.

Genau die Hälfte: So hoch soll der Anteil deutschsprachiger Musik in deutschen Radios künftig sein, wenn es nach der Forderung einer Initiative von Künstlermanagern geht. Sie wollen verhindern, dass deutsche Musiker im Zuge der Coronakrise zugrunde gehen. Die Reaktionen fallen nicht nur positiv aus.

"Wir fordern 50 Prozent Musikanteil auf den Sendern von in Deutschland lebenden, arbeitenden Künstlern inklusive Österreich und Schweiz. Wir fordern eine Sendung von 15.00 bis 20.00 Uhr mit Musik von in Deutschland lebenden Künstlern." 42 namentlich gelistete Manager, ergänzt durch "u.v.m." (und viele mehr), stehen hinter dieser Forderung, die per Facebook veröffentlicht wurde und sich an öffentlich-rechtliche wie private Rundfunkanstalten richtet.

Die Forderung nach einer "deutschen Radio-Quote" ist nicht neu. 1996 scheiterte eine vom deutschen Sänger Heinz Rudolf Kunze vorangetriebene Initiative. Seither tauchte das Thema immer wieder auf. 2002 forderte der Bundesverband der mittelständischen Wirtschaft gleiche Chancen für deutsche Musikproduzenten gegenüber "internationalen Medienmultis". Der Vorschlag für ein Gesetz zur Quotenregelung wurde abgelehnt. 2004 erlegte der Bundestag den Radiosendern eine Selbstverpflichtung auf. Wenn möglich, sollten 35 Prozent einheimischer Musik gespielt werden. Es war weniger eine strikte Vorgabe, sondern eher eine Empfehlung, die offenbar nicht fruchtete. Zuletzt forderte der Verein Deutsche Sprache 2010 öffentlichkeitswirksam mehr deutschsprachige Musik im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Das Thema ist also ein altes. Neu daran ist die Verpackung: Die aktuelle Initiative ist auch eine Reaktion auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie.

Forderung: Hälfte der Radiosongs soll deutschsprachig sein!

Die Ausbreitung des Coronavirus hat für Ausgangsbeschränkungen gesorgt. Konzerte und Tourneen fallen aus. "Das sind nicht nur Einnahmen, die jetzt wegbrechen, sondern auch Reichweite und News, über die es sich zu berichten lohnt. Viele kleine Künstler leben von diesem Geschäft und bilden die Vielfalt der deutschen Musiklandschaft", heißt es in dem Facebook-Post der "vereinten Manager".

Die Künstlermanager weiter: "Wir fordern mehr Solidarität für unsere Künstler! Mehr Solidarität bedeutet mehr Sendezeit im Radio! Jetzt ist der Moment für Zusammenhalt gekommen, daher appellieren wir an alle Sender und Rundfunkanstalten: Unterstützt die heimischen Musiker, besonders die Newcomer und kleineren Acts aller Genres!" Ihr Motto setzen die Manager aus dem bekannten Hashtag #WirbleibenzuHause und ihrer Neugründung #SpieltihrunsereSongs zusammen.

Bessere Quote: Mehr gute Musik, weniger Scheiß-Musik!

Es folgt ein düsteres Szenario: "Wenn diese Vielfalt auch nach der Krise bestehen bleiben soll, brauchen wir eure Hilfe! Gebt den Künstlern die Reichweite zurück! Nehmt sie in eure Playlisten! Stellt sie euren Zuhörern vor! Aber vor allem brauchen wir eine Quote im Radio für heimische Künstler!"

Die Forderung, in der auch über 100 von den Managern vertretene Künstler aufgelistet sind, erntete durchaus viel Zuspruch. "Absolut richtig für alle öffentlich rechtlichen Radiosender", urteilte einer der zahlreichen Befürworter. Doch die Initiative wurde im Netz nicht nur positiv aufgenommen. "Das klingt wie einer der üblichen Kettenbriefe à la 'wenn die Krise vorbei ist, geht bitte in Deutschland in Urlaub, kauft bei deutschen Unternehmen'", kritisierte ein Kommentator. Ein anderer konstatierte: "Musik sollte bunt sein! Die einzige Quote, die wir erreichen sollten, heißt: mehr gute Musik und weniger Scheiß-Musik." Und dann gab es noch diesen Kommentar: "Radio? Wer hört sowas noch?"