Livestreamkonzert: Jante und die virtuellen Fanchöre

Erfahrungsbericht Über Auftrittsentzug, geplatzte Touren und neue Projekte

Anikas Konzert-Tipp:

Umdenken heißt es derzeit in der Musikbranche, weil das Coronavirus einen Strich durch die Pläne der meisten Kunstschaffenden und Veranstaltenden gemacht hat. Doch wie sieht solches Umdenken aus? Jante-Sänger Jan hat einfach ein virtuelles Konzert am Freitag um 20 Uhr auf Facebook einberufen. Seine Fans konnten eine Stunde zusehen und -hören, wie Jan die Lieblingslieder seiner Fangemeinde zum Besten gab. Er hatte extra einige Tage vorher über die sozialen Kanäle gefragt, was die Leute gern hören wollen.

Und so kamen ich und sicher auch viele andere User zu unserem ersten Facebook-Konzerterlebnis. Obwohl die Stimmung natürlich anders war, als bei einem Livekonzert, war es doch eine schöne Abwechslung einmal ein Akustikkonzert übers Internet zu hören. Mit Kerzenschein zu Hause ergab sich auch eine schöne Atmosphäre.

Entzugserscheinungen von Konzerten

Ich kann mir gut vorstellen, wie schwierig es für Musiker gerade sein muss nicht durchzudrehen, denn Musik ist immerhin der Hauptverdienst vieler und in gewisser Hinsicht für einige auch eine schöne Sucht. Für mich als selbstdiagnostizierte Konzertsüchtige ist der Entzug deshalb nachzuvollziehen. Aber umso glücklicher bin ich auch, dass es Musiker gibt, die eben jetzt online streamen, denn das kann man nicht nur mit Onlinegames.

 "Ich hatte zum Teil schon Entzugserscheinungen. Ich hoffe, dass die Krise bald vorbei geht", erwähnt Jan im Livestream zwischen den Songs, als er auf Fragen der Zuhörer eingeht. Das ist tatsächlich irgendwie cooler als bei echten Konzerten. Man hat als Zuschauer die Möglichkeit zu kommentieren und mit dem Musiker zu interagieren. Sowas gibt es bei Konzerten nur in abgewandelter Form. Also Onlinekonzerte haben auch Vorteile. Wenn auch keine Fanchöre im Hintergrund zu hören sind, so wissen die Leute, wie sie ihr Dasein zeigen. Beim Song "Du tanzt" gab es eine Stelle, an der das Publikum eigentlich immer einsetzt und "du tanzt" singt. Die Fans haben einfach diese Zeilen zu Hauf in die Kommentarspalte gepackt und Jan freute sich darüber.

Was passiert mit der anstehenden Tour?

Auf die Frage, ob Jan schon einmal live im Internet gesungen habe, erzählte er von einem Livestream vor vielen Jahren: "Wir hatten nur zwei Zuschauer bei unserem ersten Stream damals." Diesmal war es anders und eine kleine Fangruppe von bis zu 160 Leuten versammelten sich virtuell.  Neben neuen Songs der EP "Blick ins Freie" (VÖ: 10.4.20) spielte Jan auch Klassiker der Diskografie von Jante, wie "Kein Asphalt", "Vom Gehen und Bleiben" oder "Karten im Wind".  Zwischen den Liedern gab er auch ein paar Hintergrundgeschichten zum Besten. Zum Beispiel zum Cover von Mighty Oaks "All Things Go", was er auch sang.  Bei dem Lied müsse er immer an die Gründung von Jante denken, denn vor einigen Jahren war er gemeinsam mit seinem Freund Tim auf Straßenmusikurlaub in Irland und hatte die verrückte Idee von West- nach Ostirland zu laufen. Das klappte nur gut semi-gut und er landete in der Stadt Mullingar, die auch im Mighty Oaks Song in der ersten Zeile vorkommt ("Back in Mullingar").

Immer wieder kam auch die Frage auf, was denn jetzt aus der anstehenden Tour werde. Die erste Hälfte wurde bereits gecancelt. "Wir sind dran mit unserer Bookingagentur die Konzerte des ersten Tourabschnitts nach zu justieren. Das ist nicht so einfach, weil die Clubs einfach sechs Monate im Voraus schon geblockt sind, weil gerade alle Künstler umplanen. Das macht es für das Booking nicht leichter, aber es wird Termine geben. Das verspreche ich."

Neues Video und mehr Projekte

Ganz nebenbei hatte Jan auch einige Ankündigungen zu machen. Und zwar wird am Samstag um 19 Uhr das neue Musikvideo "Blick ins Freie" auf Youtube Premiere feiern. Außerdem wird er gemeinsam mit einigen anderen Leipziger Musikern und Musikerinnen am 4. April um 19 Uhr ein Live-Stream-Konzert auf Facebook und Youtube geben. Und als ob das nicht schon genug Neuigkeiten wären, offenbarte Jan ein neues kleines Projekt, das "Quarantäneduett", was er bald auf Instagram mit anderen Sängern und Sängerinnen starten wird. Wir bleiben gespannt. Nebenbei stand es den Fans übrigens frei über Paypal eine kleine Spende in den virtuellen Hut zu geben, wenn es ihnen gefallen hat. Verdient hatte er es auf jeden Fall.

Wer das Facebook-Konzert noch einmal anschauen mag, der kann dies auf der Facebookseite von Jante jeder Zeit machen. Die Länge betrug eine Stunde und sieben Minuten und damit viel zu kurz, wie ich finde.