"Manche zittern und weinen, wenn sie mich treffen"

Fans, die bei persönlichen Treffen in Ehrfurcht erstarren, und Konzertbesucher mit Schwimmbrettern und roten Shorts: David Hasselhoff erzählt im Interview von seinem Leben als Entertainer und landet am Ende, na klar, wieder bei der Berliner Mauer.

David Hasselhoff läuft mit muskelbepacktem Oberkörper am Strand entlang, in der Hand eine rote Rettungsboje - es ist ein Bild für die Ewigkeit. Nach den Erfolgen mit seinen Songs ("Looking For Freedom"), mit "Knight Rider" und eben mit "Baywatch" bröckelte das Image des Strahlemanns: "The Hoff" geriet in einen Strudel der Abhängigkeit und machte mit Suff-Eskapaden Schlagzeilen. Heute ist er wieder obenauf. 2018 ehelichte David Hasselhoff das 27 Jahre jüngere walisische Model Hayley Roberts, und bei Konzerten wird er von seinen Fans frenetisch gefeiert. Ab Oktober ist der 67-Jährige US-Amerikaner, der gerade ein Hörbuch ("Up against the Wall") sowie eine gemeinsame Single mit Blümchen veröffentlichte ("You Made The Summer Go Away") und zuletzt auch ein neues Album in Aussicht stellte, wieder auf Deutschland-Tour. Beim Interview in Hamburg erzählt er entspannt von seinem Leben als gereifter Entertainer.

teleschau: Mr. Hasselhoff, Ihr Publikum zieht sich gerne an wie Sie. Wie nehmen Sie das wahr?

David Hasselhoff: Ja, einige Menschen tragen bei meinen Konzerten die Haare wie ich und haben ein Brusttoupet. Viele von ihnen haben Rettungswesten oder Schwimmbretter dabei und leuchtend rote Shorts an. In diesem Jahr will ich das Zeug selbst bei meinen Konzerten verkaufen, damit es noch mehr davon im Publikum zu sehen gibt.

teleschau: Wie fühlt sich das an, wenn Sie auf der Bühne sind, vor Ihnen Leute in blinkenden Lederjacken auf Stühlen stehen, Bier trinken, jeden Ihrer Songs mitsingen können und irgendwann dann sogar Polonaise durch die Halle tanzen?

Hasselhoff: Es gibt mir eine unglaubliche Energie! Wenn Leute mich fragen, wo ich meine Energie mit 67 hernehme, antworte ich: "Ich gehe einfach nur raus auf die Bühne und blicke ins Publikum." Wobei es eigentlich schon davor anfängt, wenn ich meine Meet & Greets mache.

teleschau: Was passiert da?

Hasselhoff: Viele Menschen sagen mir dann, wie sehr ich ihre Leben verändert habe! Manche zittern und weinen dabei. Wenn ich solche Treffen bei der Comic-Messe "Comic-Con" habe, wo wirklich die Geeks und Nerds abhängen, die sich sonst lieber in ihrer eigenen Welt abschotten, dann tauen die plötzlich auf und zeigen pure Freude. Solche Events sind wirklich großartig, weil sie die Welt zusammenbringen. Keinen kümmert es dort, ob du Muslim bist, schwul, schwarz oder transsexuell. Es ist egal. Die Menschen wollen einfach nur eine gute Zeit haben.

"Ich bin ein Gentleman von der alten Schule"

teleschau: "The Hoff" will also Menschen näher zusammenbringen. Wie nehmen Sie derzeit das gesellschaftliche Weltklima wahr?

Hasselhoff: Es sind traurige Zeiten. Ich verstehe einfach nicht, was gerade vor sich geht in der Welt - in Amerika, in Europa. Es ist nicht mehr dasselbe wie damals, als ich aufwuchs. Alle liebten einander. Wir wollten die Tour erst "Reunification Tour" nennen und den Tourstart auf den 3. Oktober legen. Dann überlegte ich mir, sie besser "Freedom! The Journey continues" zu betiteln. Denn jeder sucht nach der eigenen Freiheit und einem Weg aus dem Hass und der Dunkelheit. Es gibt zu viele Menschen, die einfach nicht glücklich sind und nicht wissen, warum. Es ist wichtig, dass wir mehr miteinander reden.

teleschau: Im letzten Jahr heirateten Sie Hayley Roberts. Hält sie Sie jung?

Hasselhoff: Ja, definitiv. Anders als ich wacht sie morgens auf, ist hellwach und singt vor sich hin. Und ich denke: Was ist ihr Problem? Wie kann man morgens schon so fröhlich sein? Ich rolle aus dem Bett, muss mich stretchen und brauche erst einmal einen Kaffee, um ich selbst zu sein. Allerdings gehe ich nicht tagtäglich ins Gym, um mit ihr mithalten zu können. Ich achte auf mich, weil ich eine Verantwortung für mich selbst habe.

teleschau: Sie lernten Hayley als Fan kennen. Wussten Sie gleich, dass sie die Richtige ist?

Hasselhoff: Ja, schon. Als ich sie traf, wollte ich nicht mit ihr ins Bett, obwohl ich gleich spürte, dass sie mich körperlich wahnsinnig anzieht. Ich wollte einfach nur ein Date mit ihr. Ich sagte: "Hey, ich habe eine fantastische Suite mit ganz viel Wasser ganz für mich alleine. Wollt ihr mit hochkommen?" Sie hatte ihre bereits verheiratete Schwester dabei. Also nahm ich beide mit auf mein Zimmer. Und alle dachten: Oh, The Hoff nimmt zwei Mädels mit hoch - der schlimme Finger.

teleschau: Aber das war Ihnen egal?

Hasselhoff: Ja! Denn ich bin ein Gentleman von der alten Schule. Ich halte einer Frau die Tür auf und führe sie zum Essen aus. Bei unserem ersten richtigen Date wollte ich nicht protzen und Hayley gleich mit der Limousine abholen. Denn sie ist eine typische Waliserin: sparsam und bodenständig. Also lieh ich mir ein Auto und hielt damit vor ihrem Elternhaus (lacht).

"Wenn jamend mich aus der Geschichte herausnehmen will - bitteschön"

teleschau: Hören Sie: Im Hintergrund läuft gerade "Heroes" von David Bowie. Den Song coverten Sie auf Ihrer letzten Tournee ...

Hasselhoff: Das stimmt, und dazu projizierten wir viele Bilder der Berliner Mauer und von Menschen, die an den Wachtürmen vorbei über die Grenze flohen, auf die Leinwände. Als ich den Titel das erste Mal sang, erntete ich viel Kritik, die ich so nie erwartet hätte. Von Gotteslästerung war da die Rede und davon, dass ein Sonnyboy wie ich das Lied nicht singen sollte.

teleschau: Konnten Sie die Kritik nachvollziehen?

Hasselhoff: Nein, denn meine Version ist echt gut. Tyler Bates, der für die Musik von "Guardians of the Galaxy" und die letzten zwei Marilyn-Manson-Alben verantwortlich war, hat daran Hand angelegt. Er ist ein guter Freund von mir. Er hatte den Song überhaupt erst vorgeschlagen. Ich fand, dass das Stück das perfekte Sequel zu "Looking For Freedom" ist, auch weil es in Berlin aufgenommen wurde. Und letztendlich hat uns das Szenario bei den Konzerten recht gegeben: Alle nahmen ihre Handys aus den Taschen und schmolzen zu einem See aus Lichtern zusammen.

teleschau: Nachdem Sie 2018 bekräftigten, dass Sie nicht für den Mauerfall verantwortlich sind ...

Hasselhoff: Das bin ich auch nicht!

teleschau: ... entfernte die Miniatur-Ausstellung "Little Big City Berlin" vorübergehend Ihre Statue. Wie haben Sie darauf reagiert?

Hasselhoff: Eine Ausstellung ist eine Ausstellung - die können tun und lassen, was sie wollen. Wenn jemand mich aus der Geschichte herausnehmen will - bitteschön. Aber ich kenne die Wahrheit. Wenn man nach Leipzig geht, nach Dresden oder in irgendeinen anderen Ort in Ost-Deutschland und fragt, was sie sangen, bevor die Mauer fiel, werden sie sagen: "I've been looking for freedom". Wusste ich damals davon? Nein! Fand ich es toll, als ich davon erfuhr? Ja! "Looking For Freedom" war das Lied der Hoffnung für die Ost-Deutschen - auf die Art habe ich Geschichte geschrieben.

teleschau: Im vergangenen Jahr sangen Sie für sich selbst das Udo-Jürgens-Ständchen "Mit 66 Jahren fängt das Leben an". Jüngst feierten Sie Ihren 67. Geburtstag. Sind Sie auf dem Zenit?

Hasselhoff: Absolut! Gerade, was meine Karriere betrifft. Als ich im April im Flugzeug nach Düsseldorf saß, schaute ich aus dem Fenster und dachte nur: Ich bin Headliner bei einem Konzert vor 60.000 Leuten? Wow! Ich wusste gar nicht, wie ich fühlen sollte: einerseits demütig, andererseits überwältigt. Es ist großartig, das alles erleben zu dürfen.

teleschau: Was planen Sie nach der Tour?

Hasselhoff: Ich spiele die Hauptrolle in dem Musical "Scrooge" in London. Es basiert auf dem Klassiker von Charles Dickens. Es wurden extra Songs dafür geschrieben. Danach verbringe ich Weihnachten mit Hayleys Familie in Großbritannien. Und dann gehe ich zurück in die Staaten und filme vermutlich eine neue Fernsehserie, einen "Knight Rider"-Film und einen neuen "Kung Fury"-Film. Jeder fragt mich im Moment nach "Kung Fury", weil es darin (der erste Teil stammt aus dem Jahr 2015, Anm. d. Red.) den Song "True Survivor" gibt, der auf Youtube 37 Millionen Klicks hat. Jemand hat mich kürzlich auch gefragt, ob ich ein Schauspieler oder ein Sänger bin. Die Antwort ist ganz einfach: Ich bin ein Entertainer! Hauptsache, es ist ordentlich was los und es ist eine Herausforderung. Dann mache ich es. Das ist auch der Grund, warum ich geheiratet habe (lacht).

David Hasselhoff auf Tour:

2.10. Hannover, Swiss Life Hall

3.10. Berlin, Max-Schmeling-Halle

5.10. Leipzig, Haus Auensee

6.10. München, Olympiahalle

8.10. Innsbruck (A), Congress

10.10. Wien (A), Stadthalle

12.10. Graz (A), Stadthalle

14.10. Zürich (CH), Volkshaus

15.10. Ludwigsburg, MHP Arena

17.10. Frankfurt, Jahrhunderthalle

18.10. Oberhausen, König-Pilsener-Arena

20.10 Hamburg, Barclaycard Arena