"Manchmal geniere ich mich, wie gut ich's erwischt hab"

Der Name Wepper gilt im deutschen Film gemeinhin als Qualitätssiegel. Der jüngere der beiden Brüder, Elmar, feiert am 16. April seinen 75. Geburtstag.

Nach 45 Jahren Karriere bei Film und Fernsehen hat Elmar Wepper die Ruhe weg. Den Drang, bestimmte Rollen noch unbedingt zu verkörpern, verspürt er nicht. "In diese Richtung kratzt mich überhaupt gar nichts", sagte Wepper einst mit dem Understatement von einem, der es geschafft hat. Er muss es keinem mehr zeigen. Längst gehört der Mime zum Who is Who der deutschen Schauspielerei. Zahllose Filme und Serien hat der geborene Augsburger mit seinem Spiel geprägt - ob als bayrischer Grantler oder in lustigen wie auch tragischen Stoffen. Sein Name steht für Qualität - auch wenn es seine Zeit gedauert hat, bis er sich vom älteren Bruder Fritz emanzipieren konnte. Nun feiert der jüngere der Wepper-Geschwister seinen 75. Geburtstag.

Aufgewachsen im Nachkriegsdeutschland verbrachte Elmar eine unbeschwerte Kindheit, obwohl sein Vater nie aus dem Krieg heimgekehrt war. "Meine Mutter hat uns unglaublich viel Freiheit und Liebe gegeben. Ich hatte eine ganz fantastische Kindheit", erinnerte sich Wepper im Interview mit der "Bild am Sonntag". "Wir durften spielen, spielen, spielen." Schon während seiner Schulzeit begann er beim Rundfunk und als Synchronsprecher zu jobben. Mit 14 übernahm er in "Der Marquis von Keith" dann auch seine erste Schauspielrolle. Sprechertätigkeiten beim Bayrischen Rundfunk folgten.

Davon geträumt, von der Schauspielerei einmal zu leben, hatte Elmar Wepper in jungen Jahren jedoch nie: "Ich musste nicht unbedingt auf diese Bretter, das war für mich damals noch ein Job, um Taschengeld zu verdienen." Selbst später, als Germanistik- und Theaterstudent, träumte er nicht von einer großen Karriere vor der Kamera, er wollte lieber Regisseur werden. In die Schauspielerei sei er aber dann "nolens volens so reingerutscht". 1974, im schon recht fortgeschrittenen Alter von 30 Jahren, stieß er in der Fernsehserie "Kommissar" an die Seite von Erik Ode - als Nachfolger seines Bruders Fritz. Der war zu dieser Zeit bereits gefragter Akteur und schloss sich der Serie "Derrick" an.

Gefragter TV-Schauspieler

In den folgenden Jahren spielte sich Elmar Wepper in die Herzen der TV-Zuschauer. Von 1977 bis 1988 war er in der unvergessenen "Polizeiinspektion 1" als Polizist Helmut Heinl an der Seite von Uschi Glas und Walter Sedlmayer zu sehen. Sein komödiantisches Talent stellte er in Franz Xaver Bogners Serie mit einer ordentlichen Prise Lokalkolorit, "Irgendwie und Sowieso", unter Beweis. Und gemeinsam mit Uschi Glas gewann er für "Zwei Münchner in Hamburg" 1990 sogar den Bambi. Außerdem verdingte sich Wepper als Synchronsprecher. Unter anderem lieh er Hollywood-Star Mel Gibson seine Stimme und sprach den Offizier Chekov auf der "Enterprise".

Trotz all der Erfolge galt Elmar lange Zeit als Fritz Weppers kleiner Bruder. Doch wer nun einen erbitterten Kampf um Anerkennung zwischen den Geschwistern vermutet, der irrt. "Nein, da war keine Konkurrenz, wir sind uns nie in die Quere gekommen, ich hab auch nie gedacht, warum spielt er das, das könnte ich doch auch? Und umgekehrt war es auch nie der Fall", stellte Elmar Wepper gegenüber der "Berliner Morgenpost" klar. Für die Krimi-Reihe "Zwei Brüder" standen die Brüder zwischen 1994 und 2001 sogar gemeinsam vor der Kamera. Während Fritz den erfolgreichen Oberstaatsanwalt Christoph Thaler verkörperte, mimte Elmar den dem Alkohol zugeneigten Studienabbrecher und Polizisten Peter.

Zwei späte Durchbrüche

2008 folgte dann ein Film, der Elmar Weppers Wahrnehmung in der Filmbranche in den Grundfesten veränderte. In Doris Dörries feinfühligem Drama "Kirschblüten - Hanami" brillierte er als Witwer Rudi, der sich nach dem Tod seiner Frau auf eine Reise nach Japan begibt. Eindrucksvoll vermittelte er einen Umgang mit Trauer und Verlust, der geradewegs unter die Haut ging. Auch die Kritiker zeigten sich begeistert und honorierten die späte Karriereleistung Weppers mit dem Bayrischen (2007) und dem Deutschen Filmpreis (2008). Die Rolle eröffnete Wepper nicht nur einen zweiten Karrierefrühling mit weiteren Kinorollen, etwa in der Tragikkomödie "Dreiviertelmond" (2011) oder dem launigen Roadmovie "Grüner wird's nicht, sagte der Gärtner und flog davon" (2018). Die beeindruckenden Darbietungen verhalfen ihm auch, endgültig aus dem Schatten seines Bruders herauszutreten.

Auch privat ließ sich Wepper Zeit. Erst 2004, mit immerhin 60 Jahren, heiratete er nach zehnjähriger Beziehung seine Frau Anita Schlierf. Angesprochen auf sein großes Glück in der zweiten Lebenshälfte sagte er in gewohnter Bescheidenheit: "Ja, viele Dinge haben sich erst dann sehr glücklich gefügt. Aber ich empfand mein Leben eigentlich immer als erfüllt und lebenswert." Er fühle sich "so privilegiert, dass ich mich manchmal geniere, wie gut ich's erwischt habe".

Doch auch zum 75. Geburtstag denkt Elmar Wepper noch nicht ans Aufhören. Erst im März dieses Jahres startete "Kirschblüten & Dämonen", die Fortsetzung des Erfolgsfilms von 2007, in den Kinos. Das Zepter schwingt wieder Doris Dörrie, die Elmar Wepper einmal als "vollkommen furchtlosen und hingebungsvollen Schauspieler mit großem Herz und riesigen Können" bezeichnete. Zunächst aber heißt es für den passionierten Fliegenfischer und ambitionierten Gartler, seinen 75. Geburtstag zu feiern. Gemeinsam mit seiner Frau geht es zum Entspannen nach Portugal - ohne großes Tamtam. Alles andere hätte auch nicht zu ihm gepasst.