Mavi und die Männlichkeit

Mavi Phoenix ist ein vielversprechender Pop-Musiker, der sich lässig zwischen verschiedenen Genres bewegt. Das Debütalbum "Boys Toys" steht noch dazu ganz im Zeichen von Phoenix' kürzlich öffentlich gemachter Transgender-Identität.

Mavi Phoenix ist ein vielversprechender Pop-Musiker, der sich lässig zwischen verschiedenen Genres bewegt. Das Debütalbum "Boys Toys" steht noch dazu ganz im Zeichen von Phoenix' kürzlich öffentlich gemachter Transgender-Identität.

Eigentlich hat die Pop-Musik-Landschaft des deutschsprachigen Raums Mavi Phoenix noch nicht verdient. 2018, als die Feuilletons noch über Gendersternchen diskutierten, schuf der damals noch als Frau lebende Österreicher den lesbischen Lovesong "Ibiza", begleitet von einem wunderbaren Low-Budget-Musikvideo. Im Juli 2019 erschien das Video zu "Bullet In My Heart", in dem er erstmals von Gender-Dysphorie berichtete, also von dem Gefühl, sich geschlechtsübergreifend zu identifizieren und oder im falschen Körper gefangen zu sein. "For now any gender pronouns are okay with me", steht auf einer Texttafel. Inzwischen verwendet Mavi Phoenix männliche Pronomen - und rockt den Aaron-Carter-Mittelscheitel besser denn je.

Queere Perspektiven sind in der deutschsprachigen Pop-Musik so gut wie unsichtbar. Mavi Phoenix hat das Potenzial, ein queerer Popstar zu werden. Denn unabhängig davon, dass er nun gezwungenermaßen identitätspolitische Positionen vertritt, macht er sehr eklektische und eingängige Musik, die nicht zu Unrecht gerne mit der Britin M.I.A. verglichen wird. In den Produktionen seines nun erscheinenden Debütalbums "Boys Toys" treffen Trap-Drums und Breakbeats auf Hammondorgeln und Synthesizer-Funk. In vielen Songs kommen Autotune- und Vocoder-Effekte zum Einsatz - eine Technik, die unter anderem auch die Geschlechtlichkeit einer Stimme verwischen kann. "Post Summer", der vorletzte Song des Albums, erinnert an Kanye-West-Signing und Kritikerliebling 070 Shake. Mavi Phoenix ist voll im Zeitgeist.

Gut fürs Feuilleton - gut fürs Radio?

Noch dazu verfolgt "Boys Toys" ein inhaltliches Kozept: Die Platte nimmt mit jedem Track Sex-, Geschlechts- und Beziehungsnormen auseinander. "I'm sorry to say I'm just your average dude", heißt es auf "12 Inches" im Anschluss an einen überzeichnet alpha-männlichen Rap-Part. Auf "Strawberries" dagegen mimt Mavi Phoenx den unterwürfigen Gigolo. Auf "Family" geht es um Familienplanung: In unernstem Ton wird ein Dialog mit der Partnerin zitiert. Die will keine Kinder kriegen - wegen des Klimawandels, wegen des schlechten Verhältnisses zu den eigenen Eltern. Ein Dialog, wie ihn viele Paare führen, mit der kleinen Besonderheit, dass hier niemand geschwängert, sondern ein Termin vereinbart werden soll.

Mavi Phoenix hat sich und seinen Sound gefunden. Wenn er jetzt noch sein "Paper Planes" schreibt (der größte Hit von M.I.A.), dann könnte das nicht nur im Feuilleton, sondern auch im Küchenradio funktionieren.

Mavi Phoenix - Fck It Up