#MehrAlsDas: Chemnitzer Weltfotograf setzt seine Heimatstadt in Szene

Projekt Neue Instagram-Seite präsentiert die Schönheit Chemnitz'

Der gebürtige Chemnitzer Max Muench hat den Durchbruch als Fotograf geschafft und lebt jetzt in Berlin. Als freiberuflicher Fotograf widmet er sich der Outdoor, Landschafts- und Abenteuerfotografie. 2015 wurde er in New York als einer der besten Fotografen auf Instagram der Welt präsentiert. Jetzt setzt er Chemnitz in Szene. Was sich dahinter verbirgt, lesen Sie hier. Nicole Neubert hat mit ihm gesprochen.

Sie haben die Instagram-Seite @Chemnitz gegründet. Wie kam die Idee für das Projekt zustande?

Der Instagram Account @Chemnitz ist keinesfalls eine Einzelleistung. Die CWE ist auf mich zugekommen und zusammen mit meiner Firma Atmo Productions haben wir ein Konzept erarbeitet, wie wir wo kommunizieren wollen. In erster Linie geht es uns darum, für Chemnitz und seine Bewohner zu sprechen und im zweiten Schritt dann auch den Leuten, die nicht aus Chemnitz kommen, zu zeigen, dass es hier schöne Ecken und tolle Menschen gibt. Wir haben uns bei der Kommunikation aber ganz klar dafür entschieden, offen und ehrlich zu sein und auch die schmutzigen und weniger attraktiven Ecken zu zeigen und ein wenig Humor in die Geschichte hineinzubringen. Die Kommunikation wird jetzt am Anfang erst mal nur auf Instagram stattfinden - das ist eine Frage der Ressourcen.

Was wollen Sie damit speziell erreichen?

Wir wollen zeigen, wie die Stadt wirklich ist, die mit ihrer ganz eigenen Schönheit punktet, vor allem die Bewohner dieser Stadt ansprechen und sie mit auf die Reise nehmen. Wenn wir es schaffen, dass man durch den Account ein erweitertes oder anderes Bild von Chemnitz bekommt, als das, was in letzter Zeit in den Medien präsentiert wird, dann haben wir schon einen großen Schritt in die richtige Richtung getan. Deswegen auch die Hashtag-Kombination #Chemnitz und #MehrAlsDas, die von der schnell wachsenden Community sehr gut aufgenommen wurde und fleißig kommuniziert wird.

Sind weitere Künstler im Projekt involviert?

Es ist ein großer Kraftakt der CWE und Atmo Productions. Es werden perspektivisch noch weitere Kreative aus unseren Umfeldern beteiligt sein und wenn wir ehrlich sind, sind wir auch auf die Hilfe der Chemnitzer angewiesen. Wir alleine können nicht das Bild einer ganzen Stadt ändern, dafür brauchen wir die Menschen in der Stadt - egal, ob es Fotografen sind, die uns mit Bildern versorgen oder auch einfach nur die Leute, die gerne schöne Bilder ihrer Stadt auf dem Account sehen und vielleicht selbst nach 30 Jahren Wohnen in Chemnitz noch neue Ecken entdecken können. Wir wollen das Konkurrenzdenken innerhalb der Stadt und auch mit anderen Städten aufweichen und endlich gemeinsam an einem Strang ziehen - denn nur so kann man wirklich etwas bewegen.

Sie sind gebürtiger Chemnitzer - wie haben Sie es geschafft, als Fotograf so bekannt zu werden?

Lustigerweise klingt die Fragestellung so, als wäre es total unrealistisch, sich als Chemnitzer etwas aufzubauen. Aber genau hier liegt die Chance - in Chemnitz gibt es die Freiräume, die man braucht, um sich kreativ entfalten zu können. Im gleichen Atemzug gibt es aber so viele Regeln, an die man sich als Kreativer in Chemnitz scheinbar halten muss, um Fuß zu fassen. Daraus auszubrechen und gegen den Strom zu schwimmen, ist immer meine größte Motivation gewesen - einfach mal etwas wagen, größer denken und machen.

Was fühlen Sie, wenn Sie an die Stadt Chemnitz denken? Sind Sie noch oft hier?

Als ich vor gut acht Jahren nach Berlin gezogen bin, habe ich anfangs jedes Wochenende in Chemnitz verbracht, weil da meine Freunde waren und ich noch Aufträge hatte. Die Distanz, die durch das viele Reisen in den letzten Jahren aufkam, hat meinen Blick auf Chemnitz jedoch geschärft und ein wenig die Emotionalität genommen. Nicht falsch verstehen, ich liebe Chemnitz nach wie vor, sonst würde ich nicht noch immer so häufig da sein. Aber ich sehe die Dinge etwas differenzierter und rationaler, sehe die schönen Seiten anders und neu - und auch die negativen Dinge klarer. Das hilft, Probleme und Chancen besser zu verstehen, die Initiative zu ergreifen, die rosarote Brille abzunehmen und zu handeln. Man möchte immer wieder den Glauben verlieren, wenn man die negativen Schlagzeilen vom Mob, dem abgesagten Stadtfest oder zuletzt vom CFC liest, aber ich weiß, dass Chemnitz mehr als das ist. Um das nach außen tragen zu können, muss man aber innen anfangen mit arbeiten.