Mein Name ist Bunny!

Der berühmteste Hase der Welt wird 80 Jahre alt. Oder ist Bugs Bunny womöglich doch ein Kaninchen?

Frage: Was haben ein Sternbild des Südhimmels, eine Schwimm-Olympiasiegerin, ein berühmter evangelischer Theologe und ein rechter Nebenfluss der Ems gemeinsam? Antwort: Ihr Name ist Hase. Sie alle mögen mehr oder weniger bekannt sein, an den berühmtesten Hoppler der Welt reichen sie dennoch nicht heran: Bugs Bunny. Aber halt - höchste Zeit, mit einem der größten Missverständnisse der Zeichentrickgeschichte aufzuräumen: Bugs ist womöglich kein Hase. Fellfarbe und Wohnort (Bau!) deuten darauf hin, dass es sich um ein schnödes Kaninchen handeln könnte. Die Ohren indes sind hasenartig. Es darf also diskutiert werden. Wie auch über seinen Geburtstag ...

Der Zeitpunkt seiner Geburt, sagen manche, sei 1938, als Disney eine Figur namens Max Hare losließ. Hare ist das englische Wort für Hase. Ihn als legitimen Vorgänger zu betrachten, verbietet aber der Kaninchenstolz, zumal das gezeichnete Etwas weder optisch noch charakterlich Wesentliches mit dem legendären Bugs zu tun hatte. Der kam denn - die meisten Fachleute sind sich eins - am 27. Juli 1940 zu Welt und darf folglich in diesem Jahr seinen runden 80. feiern. Der grandiose Zeichentrick-Regisseur Chuck Jones erfand zunächst einen Vorläufer des Bugs Bunny, der 1940 in "Elmer's Candid Camera" erstmals auf Elmer Fudd traf. Die damals von Jones ersonnene komplexe Beziehung zwischen Jäger und Opfer änderte sich in ihren Grundzügen über acht Jahrzehnte nicht mehr: Jäger jagt Kaninchen, Jäger fängt's nicht, Jäger gibt auf. An jenem 27. Juli 1940 schließlich erschien mit "Die Hasenfalle" der Film, der bis heute mehrheitlich als Geburtsstunde Bugs Bunnys gilt, auch wenn er hier noch namenlos ist.

Arrogant war er immer

Tex Avery, einer der bekanntesten Regisseure des Genres, verpasste noch im gleichen Jahr in "A Wild Hare" dem Duo ein neues Design. Bugs, der zunächst als ziemlich irrsinniger Typ dargestellt worden war, erhielt seine unveränderlichen Markenzeichen der Intelligenz und der Schadenfreude. Und jener Film war es auch, der zwei geflügelte Sätze einführte, die bis heute bekannt sind. Elmer: "Be vew-wy quiet, I'm hunting wabbits." Und Bugs entgegnet ganz cool, als er erkannt wird: "What's up, Doc?" Damals starb der Möhrenfresser auch erstmals in einem Cartoon. Aber eben, wie so viele Male später, nicht wirklich. Elmer trauerte, litt unter Schuldgefühlen und bekam schließlich vom "toten" Bugs einen Tritt in den Allerwertesten.

Die 40er- und die 50er-Jahre waren die Blütezeit der Warner-Produktionen und somit auch des smarten Rammlers, der populärer wurde als das damals als recht langweilig empfundene Schweinchen Dick. Aber es war schwer, für ihn Geschichten zu erfinden. Regisseur Friz Freleng erklärte einmal: "Man konnte mit Bugs eigentlich nichts anfangen, außer man hatte einen wirklich starken Gegner." Bugs hatte viele: Elmer, den legendären Yosemite Sam, Daffy Duck. Er gewann immer. Nach dem Krieg verteilte er in einem Film gar Eiscreme mit versteckten Handgranaten an japanische Soldaten und murmelte dazu: "Da habt ihr es, ihr Schlitzaugen!" Arrogant war er immer - eigentlich ein Wunder, dass ihn die Leute mochten.

Warner litt wie so viele Studios damals unter finanziellen Problemen. Nur selten kam Hochglanz in den Kaninchenbau. Dann kam "What's Opera, Doc!", dessen zeichnerischer Aufwand alles bis dahin überragte. 14 Stunden Musik aus dem "Ring der Nibelungen" wurden auf sechs Minuten zusammengekürzt: Bugs tritt als blond gelockte Brunhilde auf. Am Ende dieses Cartoons stirbt er wirklich, hebt aber doch noch einmal den Kopf: "Was habt ihr denn in einer Oper erwartet? Ein glückliches Ende?"

Leider fand das auch Bugs selbst nicht. In den 60er-Jahren begann der Niedergang der Cartoons. "Die Bugs Bunny Show" (1960), die gelegentlich bei den Öffentlich-Rechtlichen in Deutschland gezeigt wurde, bot einen Zusammenschnitt der besten Cartoons, der mit neuen Elementen verbunden wurde. Dann, 1963, schloss Warner seine Tore. Zwar wurde kurze Zeit später von Freleng und dem Executiver David H. DePatie eine neue Firma gegründet, Warner Cartoons lebte noch einmal auf. Bugs Bunny jedoch kehrte aus Gründen, die bis heute unklar sind, zunächst nicht mehr zurück. Erst in Mischverfilmungen aus Comic und Realkino erlebte er in den 90er-Jahren ein kleines Revival. Insgesamt war Bugs Bunny in mehr als 175 Kurzfilmen zu sehen, 1958 gab's als Lohn sogar einen Oscar für "Knighty Knighty Bugs".

Comeback gegen harmlose Gegner

Ein veritables Comeback folgte vor wenigen Wochen. In den neuen Folgen der "Looney Tunes", die in den USA bei der Streaming-Plattform HBO Max an den Start gingen, taucht natürlich auch Bugs Bunny auf. Übrigens inzwischen in einer geradezu luxuriösen Position. Denn: Bugs Bunnys Erzfeind Elmer Fudd, dessen Lebensinhalt es seit Jahrzehnten war, dem Karnickel den Garaus zu machen, wurden gewichtige Steine in den Weg gelegt. Elmer musste seine Knarre abgeben. Damit nicht genug: Auch Yosemite Sam muss seine Jagdmethoden überdenken. Die zwei Handfeuerwaffen des rothaarigen Cowboys sind in den neuen Folgen verschwunden, was mit Blick auf das jugendliche Zielpublikum ebenfalls als Statement gegen Waffengewalt in den USA verstanden werden darf. Friedlich indes sind auch die neuen Clips nicht. Elmer Fudd rückt dem lästigen Hasen mit Saugglocke oder einer Sense zu Leibe. Der weiß sich selbstverständlich zu wehren. Auch mit 80 beeindruckt Bugs Bunny durch Tempo und Wendigkeit. Die "Neue Looney Tunes Show" wird ab September täglich bei Boomerang zu sehen sein.

Wie geschätzt der Zeichentrickheld in seiner amerikanischen Heimat bis heute ist, beweist eine außergewöhnliche Aktion zum 80. Geburtstag. An jenem 27. Juli erscheinen zehn Motive einer "Bugs Bunny Forever"-Reihe als Briefmarke. Dargestellt wird der Jubilar hier in seinen großen Rollen, unter anderem als Friseur aus dem Film "Rabbit of Seville" von 1950.