Nach Mallorca-Schock: Ballermann-Sänger Ikke Hüftgold flieht nach Bulgarien

Wo noch Party machen, wenn Mallorca "entasozialisiert" werden soll? Stimmungssänger Ikke Hüftgold hat eine Antwort auf die Frage gefunden. "Goodbye Deutschland" begleitete ihn beim Neustart im ärmsten Land der EU.

Drei Kilometer Strand, ein Dutzend Diskotheken und der Partyurlauber ist bester Stimmung. Es sieht ein bisschen nach Mallorca aus, aber es ist: der "Goldstrand" nahe der bulgarischen Stadt Warna. Wenn es nach Matthias Distel geht, wird die Partymeile am Schwarzen Meer den berühmt-berüchtigten "Ballermann" auf der Baleareninsel schon bald vergessen lassen. Wobei da auch Zweckoptimismus mitschwingen mag: Denn der umstrittene Stimmungssänger, der sich bei Auftritten den Künstlernamen Ikke Hüftgold gibt, sucht den beruflichen Neuanfang. Gezwungenermaßen.

Vor zwei Jahren soll "Ikke" im Zuge einer Freibier-Fete im berühmten "Bierkönig" derart über die Stränge geschlagen haben, dass ihn die Veranstalter mit einem Auftrittsverbot belegten. "Mallorca ist Geschichte, ich bin rausgeflogen, es hat geknallt", bestätigte Distel vor VOX-Kameras der Auswanderer-Doku "Goodbye Deutschland", die am Montag ausgestrahlt wurde.

"Mallorca muss entasozialisiert werden"

"Im ersten Moment war der Schock groß", gibt er zu. Doch habe er schon vor drei Jahren "seinen Jungs" gesagt, man müsse einen Plan B aufgreifen. "Weil Mallorca wird, was unsere Partymusik angeht, untergehen. Überall entstehen neue Hotels, Fünf-Sterne-Bunker." Da werde eine "ganze Reinigungskampagne" vorangetrieben: "Mallorca muss entasozialisiert werden." Klar, dass ein polarisierender Berufs-Asi wie Ikke Hüftgold - Erkennungshit: "Dicke Titten, Kartoffelsalat" - da nicht mehr reinpasst.

Wie genau der "Plan B" in der Realität aussehen würde, war dann aber auch für den 42-jährigen Hessen ein großes Überraschungsei. Ein bisschen angespannt tuckerte er im Mietwagen durch die ihm bis dato unbekannte Partyprovinz im ärmsten Land der EU, um erleichtert festzustellen: erinnert alles "ein Stück weit" an den Osten Deutschlands, kurz nach der Wende.

"Die Erwartungshaltung an mich ist sehr groß", wusste Distel um die besondere Drucksituation. Es galt, in einem Ferienressort die Hütte vollzumachen, der ganze Ort war mit seinem "Eierkopf" (O-Ton Distel) plakatiert. Doch die Vorzeichen standen günstig. Bulgarien sei das Land der Zukunft, orakelte der aus dem mallorquinischen Paradies vertriebene Skandalbarde. Zwei Stunden Flug, günstige Getränke, fünf, sechs Tage All-Inclu für 400 Euro, rechnete er vor. "Das kann Mallorca nicht mehr bieten." Für junge Leute mit wenig Kohle, für Abiturienten und Fußballvereine, sei das alles "ein Traum".

"Auf Mallorca is' nix mehr los, die wollen uns nicht"

Tatsächlich entpuppte sich Ikke Hüftgolds Premieren-Auftritt am Goldstrand dann auch als Volltreffer. 5.000 Besucher, Party ausverkauft, alle selig. "Auf Mallorca is' nix mehr los, die wollen uns nicht", bestätigte ein junger deutscher Urlauber im Pool planschend. Ikke, den ersehnten Saisonvertrag in der Tasche, bestätigte überwältigt: "Ich bin zu Hause. Es ist unfassbar, was hier passiert ist." Sogar der mitgereiste Papa war überzeugt: "Ein super Start in die Zukunft, das geht ab hier."

Angenehmer Nebeneffekt: Den Auftrittsrhythmus will der Sommer-Berufspendler, der im hessischen Limburg einen Gartenbaubetrieb führt, etwas herunterfahren. Den beiden Töchtern zuliebe. "Meine Familie ist der wunde Punkt in meinem intensiven Arbeitsleben", ließ Matthias Distel durchblicken. "Da ist einiges auf der Strecke geblieben, das ist das Traurige an der Karriere, die man macht", sprach er offen über sein Ehe-Aus vor einigen Jahren. Die Töchter leben bei der Mutter. Aber vielleicht schauen sie ja dann demnächst mal in Bulgarien vorbei. Dort hat der Papa jetzt nicht nur einen Saisonvertrag, sondern auch eine geräumige Mietwohnung mit Meerblick. Unschlagbar günstig, versteht sich.