Nicht so berauschend

Der Produzent Diplo hat ein Album mit der sehr guten Sängerin Sia und dem sehr guten Sänger Labrinth aufgenommen. Abgesehen davon, dass jetzt im Duett gut gesungen wird, ist das Ergebnis auf "LSD" aber wenig mehr als die Summe seiner Teile.

Supergroups sind ein Phänomen, das man vor allem aus dem Bereich der Rockmusik kennt. Cream und die Traveling Wilburys gehören zu den berühmtesten Beispielen, aber auch jüngere Supergroups wie Chickenfoot oder Black Country Communion bringen die Einflüsse der verschiedenen Mitglieder am besten unter einen Hut, indem sie in klassischer Bandbesetzung recht klassische Blues- und Hard-Rock-Songs schreiben. Die Pop-Supergroup mit Labrinth, Sia und Diplo, kurz LSD, funktioniert anders. Nachdem der amerikanische Produzent Diplo mit seiner erst einige Wochen alten EP "Europa" bereits Künstler aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden versammelte, ist "LSD" nun sogar das Projekt von Menschen aus drei verschiedenen Kontinenten.

Im Fall von Sia ist das nicht so bemerkenswert, immerhin hat die Australierin Hits mit David Guetta im Katalog, außerdem war sie als Songwriterin schon für Britney Spears und Beyoncé tätig - mehr im amerikanischen Pop-Mainstream ankommen kann man kaum. Der Brite Labrinth dagegen hat seit 2012 kaum eigene Musik veröffentlich und dürfte dem Mainstream-Publikum kein Begriff sein. Aber auch er war in den letzten Jahren als Songwriter und Produzent tätig. Es sind bei LSD also zweifelsohne drei Menschen am Werk, die wissen, wie man Pop-Musik schreibt. Deshalb klingt "LSD", als hätten drei Musiker Spaß miteinander gehabt, und nicht, als würden drei Egos aufeinanderprallen. Trotzdem ist die Kombination auf Platte beziehungsweise im digitalen Stream nicht so gut wie auf dem Papier.

Nicht mehr als die Summe seiner Teile

Obwohl der Titel und das Cover-Artwork das andeuten, klingen diese Songs nicht psychedelisch. Stattdessen produziert Diplo generischen Synthesizer-Pop, der gelegentlich durch verspielte Percussions ("Mountains") oder 8-Bit-Gefiepe ("Welcome To The Wonderful World Of") ergänzt wird. Der Song "Thunderclouds", der schon im Mai 2018 als erste Single veröffentlich wurde, ist mit seinem Rocksteady-Rhythmus und den Bläsern im Refrain das Album-Highlight. "It's Time" ist eine Power-Ballade, die Sia-Fans gefallen wird.

Der Lil-Wayne-Remix von "Genius" dagegen ist recht unspektakulär. Er existiert vielleicht auch nur, um das Projekt auf die 30 Minuten Laufzeit zu strecken, die es braucht, um als Album zu gelten. Der größte Reiz von "LSD" sind die Duette zwischen Sia und Labrinth, die beide unbestreitbar sehr gut singen können. Auf "Mountains" und "No New Friends" werben sie umeinander, als stünden sie mit Gitarren unter einem Balkon, mal im Wechsel und mal in Harmonie, und erinnern an andere romantische Duette der Musikgeschichte. Davon abgesehen fühlt sich "LSD" aber kaum wie ein Album an, wegen seiner genau 30 Minuten, und auch kaum wie das Album einer Supergroup, denn es ist am Ende wenig mehr als die Summe seiner Teile.

LSD - Thunderclouds