Reifezeugnis eines "geilen" Haufens

Aus Spaß wird Ernst, zumindest ab und zu: "Das elfte Gebot" von Feuerschwanz hat mehr als Mittelalter-Metal-Klamauk zu bieten.

Als "Des Hauptmanns geiler Haufen" bezeichnet sich die Mittelalter-Folk-Metal-Band Feuerschwanz. Sie ist innerhalb der Szene eine der umstrittensten Erscheinungen, aber das könnte sich nun ändern. Die Blödeleien, vorzugsweise unterhalb der Keuschheitsgürtellinie, legen die Franken auf ihrem neunten Album "Das elfte Gebot" zwar nicht komplett ab. Aber es ist nicht mehr das einzige Pferd, auf das der Hauptmann und sein Gefolge setzen.

Bereits mit dem Vorgänger "Methämmer" (2018), der sich bis auf Platz sechs der Charts nach oben schob, machte der "Haufen" klar, dass er gewillt ist, sich aus seinem Korsett zu befreien. Ein Korsett, das er sich freilich selbst angelegt hat. Mit Künstlernamen wie "Johanna von der Vögelweide" oder "Prinz Hodenherz" und Hits, die den Ballermann ins Mittelalter versetzten ("Blöde Frage, Saufgelage", "Met & Miezen"), sorgten Feuerschwanz in der Vergangenheit für weitreichende Diskussionen bis hin zu Sexismus-Vorwürfen. Die Fachpresse attestierte der Band derweil "Textzeilen, für die sich jeder Sonderschüler in Grund und Boden schämen würde" ("Metal Hammer"), während die Musik als "Karnevalsscheisse mit Metal-Gitarren" ("Rock Hard") bezeichnet wurde. Was die gescholtene Truppe jedoch nicht davon abhielt, mit jedem Album erfolgreicher zu werden.

Met und Metal

Feind oder Freund - alle dürften es begrüßen, dass Feuerschwanz sich nun trauen, neben der Dreifaltigkeit von Wein, Weib und Gesang noch andere Themen zu bearbeiten. "Das elfte Gebot" ist ein vergleichsweise hartes Album geworden, das auch vor hymnischen Elementen nicht zurückschreckt. Ein Album, das neben dem eher gewöhnlichen "Metfest" auch ein im Sabaton-Stil gehaltenes "Maleus Maleficarum" bereithält. Ein Album, welches auserkoren wurde, das Frauenbild mit der "Schildmaid" zurechtzurücken. Und welches mit "Im Bauch des Wals" gar ein aktuelles Thema wie die Umweltzerstörung ins Portfolio aufnimmt. Wenn sich dann noch der Titeltrack mit seiner zwar nicht neuen, aber andersartig verpackten Botschaft von der Liebe zum Leben und einem mächtigen Refrain zu neuen Höhen aufschwingt, wird endgültig klar: Die Zeiten, in denen diese Band ohne genügend Met in Horn und Hirn tatsächlich nur schwer zu ertragen war, sind vorbei.

Passend zur selbst gewählten neuen Freiheit wurde auch die Bonus-CD mit dem Titel "Die sieben Todsünden" gestaltet, die sieben Coverversionen enthält. Nur eine Dreingabe? Dass von den vorab veröffentlichten Songs gleich zwei - inklusive Videoclips - von dieser CD stammen, spricht eine andere Sprache. Und dass unter anderem Künstler wie Ed Sheeran ("I See Fire") und Seeed ("Ding") gecovert wurden, sorgt für zusätzliche Vielfalt. So ist am Ende festzuhalten: "Das elfte Gebot" ist mit Abstand das beste Feuerschwanz-Album. Oder, je nach Sichtweise, das erste gute.

Feuerschwanz - Das elfte Gebot