Roman Polanski: "Das alles verfolgt mich noch heute"

Regisseur Roman Polanski hat in einem Interview sehr offen über die Vorwürfe, die seit Jahren gegen ihn im Raum stehen, gesprochen.

Regisseur Roman Polanski hat in einem Interview sehr offen über die Vorwürfe, die seit Jahren gegen ihn im Raum stehen, gesprochen.

Bei den 76. Filmfestspielen von Venedig wird der neue Film von Regisseur Roman Polanski, "J'accuse", am Freitag seine Weltpremiere feiern und in das Rennen um den Goldenen Löwen gehen. Polanski selbst wird bei der Premiere nicht anwesend sein, hat allerdings im Vorfeld dem französischen Schriftsteller Pascal Bruckner ein Interview gegeben, in dem er sehr offen über die Vorwürfe gegen seine Person und die Parallelen zum Film spricht.

"J'accuse" ist ein historisches Drama über die sogenannte "Dreyfus-Affäre". Alfred Dreyfus war ein jüdischer Offizier der französischen Armee, der 1894 ungerechtfertigt wegen Landesverrats zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Solch eine falsche Verurteilung könne auch heute genauso wieder passieren, erklärt Polanski nun: "Alle Zutaten sind vorhanden: falsche Beschuldigungen, schlechte Arbeit bei Gericht, korrupte Richter und über allem Social Media, das ohne einen fairen Prozess verurteilt."

Bei der Arbeit zum Film habe er durchaus Parallelen zu seinem Fall entdeckt, er sehe die gleiche Entschlossenheit, Fakten zu leugnen und ihn für etwas zu verurteilen, was er nicht getan habe. Polanski wurde 1977 wegen Vergewaltigung einer Minderjährigen angeklagt. Nachdem sich der Richter nicht an eine vereinbarte Absprache hielt, floh der Regisseur aus den USA und lebt seither in Frankreich. "Ich muss zugeben, dass mir viele Vorgehensweisen der Verfolgungsmaschinerie im Film bekannt vorkommen, und das hat mich ganz klar inspiriert."

Erinnerungen an Sharon Tate

Doch nicht nur der Vergewaltigungsvorwurf habe das Bild, das die Menschen von ihm haben, geformt. Vor allem der Mord an seiner Frau Sharon Tate im Jahr 1969 sei der Grund, warum Menschen ihn immer wieder schikanierten. Die Presse habe damals auf die "verächtlichste Art und Weise" berichtet und angedeutet, dass er selbst für ihren Tod mitverantwortlich gewesen sei.

"Für sie bewies mein Film 'Rosemaries Baby', dass ich in einer Liga mit dem Teufel spielte." Erst Monate später überführte man mit Charles Manson und seinen Anhängern die wahren Mörder. "Das alles verfolgt mich noch heute", so Polanski. Immer wieder kämen "absurde Geschichten von Frauen" auf, die er noch nie zuvor gesehen habe und die ihn für Dinge beschuldigten, "die wahrscheinlich vor mehr als einem halben Jahrhundert passierten". Doch dagegen etwas zu unternehmen, lohne sich seiner Aussage nach nicht. "Wofür? Das ist wie ein Kampf gegen Windmühlen."