Rückkehr zum "Friedhof der Kuscheltiere"

In der Neuverfilmung von "Friedhof der Kuscheltiere" spielen Jason Clarke und Amy Seimetz ein Ehepaar, das durch die Hölle geht. Welche Schrecken die beiden Schauspieler im echten Leben schon überstanden haben, verraten sie ihm Interview.

Kein anderes Buch von Stephen King war so erfolgreich wie "Friedhof der Kuscheltiere". Dabei hätte der Schriftsteller die Geschichte über eine Kleinstadt in Maine, über die ein übernatürlicher Terror hereinbricht, beinahe nicht veröffentlicht: Zu gruselig und düster sei das Werk, fand er. 1989 kam dann die erste Verfilmung des Horror-Schockers in die Kinos und wurde zum Hit. Nun, drei Jahrzehnte später, startet die Neuverfilmung in den deutschen Kinos (ab 4. April). Amy Seimetz ("Alien: Covenant") und Jason Clarke ("Zero Dark Thirty") spielen die Hauptrollen - das Ehepaar Rachel und Louis Creed, in deren Garten der Horror beginnt. Welche Erinnerungen die beiden Schauspieler mit "Friedhof der Kuscheltiere" verbinden und welche Grenzen sie im wahren Leben schon einmal überschritten haben, verrieten sie beim Interview in Los Angeles.

teleschau: Vor 30 Jahren kam die erste Verfilmung von "Friedhof der Kuscheltiere" in die Kinos. Haben Sie den Film damals gesehen?

Jason Clarke: Ich habe mir den Film damals nicht angeschaut. Das tat ich erst jetzt, nachdem ich die Rolle in der Neuverfilmung angenommen hatte.

Amy Seimetz: Ich habe den Film gesehen, als ich acht war. Ich war damals mit meiner Mutter und meiner Schwester im Kino.

Clarke: (lacht) War das legal in Florida, dass eine Achtjährige einen Film für 18-Jährige anschaut?

Seimetz: Wieso? Ich hatte doch meine Mutter dabei (lacht). Aber um ehrlich zu sein, haben mir meine Eltern so ziemlich alles erlaubt, solange meine große Schwester mit dabei war. Mir ist von dem Film vor allem die Szene in Erinnerung geblieben, in der Rachels Augapfel rausfällt. Ich glaube, diese Szene ist ziemlich legendär.

teleschau: Hatten Sie damals als Kind nicht Angst nach dem Film, vor allem nachts?

Seimetz: Ja, eigentlich schon. Vor allem, weil wir auch Katzen hatten und sie in unserem Garten vergruben, wenn sie gestorben waren. Ich habe immer versucht, diesen Teil des Gartens zu meiden. Ich habe zwar gehofft, dass unsere Katzen zurückkommen, aber nachdem ich den Film gesehen habe, hatte ich auch Angst davor. Ich muss aber auch noch dazu sagen, dass ich, bevor ich den Film sah, das Buch gelesen habe.

teleschau: Mit acht Jahren?

Seimetz: Ja, meine Eltern waren damals einfach nur froh darüber, dass ich überhaupt ein Buch in die Hand genommen habe. Deshalb war es ihnen egal, was ich lese (lacht). Ich fand Stephen King toll und las viele seiner Bücher, bevor ich mir "Friedhof der Kuscheltiere" angeschaut habe.

teleschau: Was ist die schockierendste Entdeckung, die Sie als Kind gemacht haben?

Clarke: Dass es den Weihnachtsmann nicht gibt und es immer mein Vater war, der sich ein Kissen unter den roten Mantel gesteckt hat (lacht).

Seimetz: Dass Eltern nicht immer nett sind und auch nicht immer Recht haben (lacht). Aber vor allem, dass die Erwachsenen nicht immer Antworten auf alle Fragen haben. Das herauszufinden machte mir Angst.

"Ich war so unendlich traurig"

teleschau: Und welcher ist der gruseligste Ort, an dem Sie jemals waren?

Seimetz: Ich war mal im Stanley Hotel in Colorado. Stephen King hat 1973 mit seiner Frau eine Nacht dort gewohnt, damals waren sie die einzigen Gäste. Das inspirierte ihn zu "The Shining". Ich fand es damals total gruselig. Die haben diese kleinen Speiseaufzüge, die von Stockwerk zu Stockwerk fahren, und einen Entlüftungsschacht. Wenn du im obersten Stock bist, kannst du die Geräusche aus der Küche hören. Ich habe fast kein Auge zugemacht.

Clarke: Ich war einmal im Winchester Mystery House in San Jose, Kalifornien. Es gehörte Sarah Winchester, der Witwe des Gewehrhändlers William Wirt Winchester. Es heißt, dass dort die Geister der Erschossenen spuken. Wir haben dort einen Film ("Winchester", d. Red.) gedreht. Das Haus war echt gruselig, alleine möchte ich dort keine Nacht verbringen.

teleschau: "Friedhof der Kuscheltiere" ist ein gutes Beispiel dafür, dass einige Grenzen nicht überschritten werden sollten. Welche Grenzen haben Sie überschritten?

Seimetz: Ich habe es geschafft, Florida zu verlassen (lacht). In den USA gibt es dieses Radio-Spiel, "Florida or Germany", in dem bizarres menschliches Verhalten diskutiert wird. Die Zuhörer müssen raten, in welchem Land ein bestimmter Vorfall passiert ist. Wie zum Beispiel: Ein Mann gab eine Annonce auf, in der er nach jemandem suchte, der seine Körperteile isst! Das war übrigens Deutschland (lacht). Ich glaube, diese Grenzen sollten niemals überschritten werden.

Clarke: Ich habe meine eigenen Geschwindigkeitsbegrenzungen am Nürburgring gebrochen. Ich liebe die deutschen Autobahnen und die deutschen Autos.

teleschau: Wenn Sie, wie im Film, jemand Totes zurückholen könnten, wer wäre das?

Seimetz: Prince!

Clarke: Die Mutter meiner Mutter. Sie ist jung gestorben. Als ich noch ein Kind war, durchwühlte ich den Schrank meiner Mutter und fand darin Briefe, die sie an ihre tote Mutter geschrieben hat. Damals hat es mir das Herz gebrochen. Ich war so unendlich traurig deswegen.