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"Schande über das Gericht": Die Freilassung von Bill Cosby spaltet die USA

Der US-amerikanische Schauspieler Bill Cosby ist wieder auf freiem Fuß. Die Entscheidung des höchsten Gerichts im US-Bundesstaat Pennsylvania spaltet die US-amerikanische Gesellschaft. Viele Promis zeigen sich erschüttert, wenige sind erfreut.

Es ist eine Entscheidung, begleitet von großem medialem Interesse: Am vergangenen Mittwoch wurde der US-amerikanische Schauspieler Bill Cosby zurück auf freien Fuß gesetzt. Eine zuvor verhängte Verurteilung wegen sexueller Nötigung wurde vom höchsten Gericht im US-Bundesstaat Pennsylvania gekippt. Grund dafür war ein Verfahrensfehler. Der Fall spaltet die ohnehin schon fragile US-amerikanische Gesellschaft weiter: Zahlreiche Prominente kritisieren die jüngste Entscheidung. Vereinzelt gibt es aber auch Zuspruch.

"Cosby hat 60 Frauen unter Drogen gesetzt und vergewaltigt", twitterte die Schauspielerin Padma Lakshmi und fragte sogleich: "Verdienen sie keine 'Fairness' und Gerechtigkeit?" Dies sei der Grund, weshalb sich Betroffene nicht an die Öffentlichkeit trauten: "Solange reiche und mächtige Männer straflos Menschen vergewaltigen und sexuell drangsalieren können."

Ähnlich sieht es auch die Schauspielerin und #MeToo-Aktivistin Rosanna Arquette: "Ich kenne viele junge Frauen und Männer, die solche Angst davor haben, ihren Vergewaltiger anzuzeigen", twitterte sie und fuhr fort: "Ich bin heute am Boden zerstört, nachdem ich die Nachricht von Cosbys Freilassung gehört habe. Das ist widerlich."

Die US-amerikanische Schauspielerin Debra Messing twitterte, ihr Herz blute für jede Frau, die von Cosby sexuell angegriffen wurde: "Ich bin voller Zorn. Es ist entsetzlich."

Die Schauspielerin Amber Tamblyn berichtete, sie selbst kenne einige der Frauen persönlich, die von Cosby unter Drogen gesetzt und vergewaltigt worden seien: "Schande über das Gericht und diese Entscheidung", twitterte die 38-Jährige.

"Wann werden sich die Dinge für Frauen und Mädchen endlich zum Besseren wenden, wenn es um sexuelle Übergriffe, Sexismus, Frauenfeindlichkeit und Altersdiskriminierung geht?", fragte die Schauspielerin Kathy Griffin via Twitter. "Was wird es dazu brauchen?" Sie sei entmutigt, fügte die 60-Jährige hinzu.

Auch Alyssa Milano, die Begründerin der #MeToo-Bewegung, empfindet die Freilassung als falsch: "Ich weiß nicht einmal, was ich über die Bill Cosby Horrorshow sagen soll", twitterte die 48-Jährige. Sie empfände tiefes Mitgefühl für alle Opfer, welche durch die Nachricht mit Sicherheit traumatisiert seien. "Das ist unfair und verheerend."

Die amerikanische Journalistin Elizabeth Jean Carroll brauchte indes nur wenige Worte, um ihrer Fassungslosigkeit Ausdruck zu verleihen: "Das ist der Grund, warum sich Frauen nicht an die Öffentlichkeit trauen", schrieb die 77-Jährige zu einem verlinkten Artikel über Cosbys Freilassung. Eine Stunde später twitterte sie zudem die Titelseite des Magazins "New York" aus dem Jahr 2015. Darauf zu sehen sind 35 der mehr als 60 Frauen, die angeben, von Cosby sexuell bedrängt worden zu sein.

Doch es gibt auch vereinzelte positive Stimmen zur Freilassung Cosbys. Phylicia Rashad, die mit dem inzwischen 83-jährigen Komiker in dessen Sendung "Die Bill Cosby Show" (1984 bis 1992) auftrat, schrieb auf Instagram: "Endlich!!!! Ein schreckliches Unrecht ist berichtigt worden - ein Fehlurteil ist korrigiert!"

Zuletzt meldete sich Cosby selbst zu Wort: Auf Twitter postete er ein Bild, welches ihn mit in die Luft gestreckter rechter Faust und gesenktem Blick zeigt. Zu dieser als Protestgeste schwarzer Aktivisten bekannten Haltung schrieb er: "Ich habe nie meine Haltung oder meine Geschichte verändert. Ich habe immer auf meiner Unschuld bestanden. Dank all meinen Fans, Unterstützern und Freunden, die mir während dieser Tortur zur Seite standen."

Seine Anwältin Jennifer Bonjean erklärte zudem in einem Interview: "Herr Cosby hätte für diese Vergehen niemals strafrechtlich verfolgt werden dürfen. Staatsanwälte können das nicht einfach wegen ihrer politischen Motivationen ändern."

Der Supreme Court von Pennsylvania hatte zuvor erklärt, dass der seit 2018 inhaftierte Cosby gar nicht erneut hätte angeklagt werden dürfen. Grund dafür sei eine Vereinbarung aus einem vergangenen Fall im Jahr 2005, dass künftig in dieser Sache nicht gegen Cosby ermittelt würde: Damals hatte eine Frau namens Andrea Constand Cosby der sexuellen Übergriffe beschuldigt. Eine Strafanzeige wurde mangels Beweisen verworfen. Eine anschließende Zivilklage endete mit einem außergerichtlichen Vergleich.

Constand bezeichnete die jüngste Entscheidung in einer gemeinsamen Erklärung mit ihrem Anwaltsteam als "enttäuschend". Die Entscheidung könne dazu beitragen, dass Opfer sexueller Gewalt von strafrechtlichen Schritten gegen den Täter absähen.



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