Tanzbarer Herzschmerz

Superproduzent Mark Ronson verarbeitet seine Scheidung produktiv: Mit seinem neuem Album "Late Night Feelings" avanciert er vom Party Boy zum Songwriter.

Wir leben im Zeitalter der Superproduzenten: Die Chainsmokers, Calvin Harris, DJ Khaled oder Diplo, mit dem Mark Ronson das Duo Silk City bildet, sind längst aus dem Schatten der Liner Notes herausgetreten. Ronson sticht aber heraus - weil er nicht von der Electronic-Dance-Music-Welle angespült wurde, sondern nostalgischen Funk und R'n'B mag. Davon ausgehend hat er Amy Winehouses legendäres Album "Back to Black" produziert und mit seinem letzten Solo-Projekt, genauer der Single "Uptown Funk", Bruno Mars dessen bisher größten Hit verschafft. Wenn dann noch ein Oscar dazu kommt, weil man Lady Gaga die Powerballade "Shallow" zum Film "A Star is Born" geschrieben hat, wird es endgültig unmöglich, sich am Bühnenrand hinter einem Laptop zu verstecken.

Hört man Mark Ronsons neues Album "Late Night Feelings", scheinen ihn aber all diese Erfolge nicht allzu glücklich zu stimmen. Das Cover zeigt ein zerbrochenes Herz, das wie eine Discokugel aus kleinen Spiegelflächen gebastelt ist. Damit ist "Late Night Feelings" schon gut zusammengefasst: Es ist tanzbarer Herzschmerz. Ronson selbst nennt seine neuen Songs "sad bangers".

Anrufe aus der Toilette

Der Titelsong gibt die Fahrtrichtung vor und lebt vom Kontrast zwischen einem leichtfüßigen Four-on-the-floor-Beat und elegischem Gesang. Der Gesang kommt von Lykke Li, der auch schon mal prognostiziert wurde, eine neue Traurigkeit in die Popmusik zu tragen - ebenso wie Lorde, Lana del Rey und diversen weiteren Sängerinnen des auslaufenden Jahrzehnts. Li singt vom nächtlich besonders grausamen Vermissen nach einer Trennung, das schon mal dazu führen kann, dass man nach einem Bier zu viel den Ex-Partner aus der Clubtoilette anruft.

Woher die Traurigkeit? 2017 ging Mark Ronsons Ehe in die Brüche, und diese Trennung beschäftigt ihn bis heute in Therapie- ebenso wie in Studio-Sessions. Interessant ist daran, dass seine Gefühle ja auf seinem Album stimmlich nur von Stellvertreterinnen getragen werden und dass es ausschließlich Frauen sind, die vom Trennungsschmerz singen. Im Gegensatz zum Vorgänger "Uptown Special" verlässt sich "Late Night Feelings" nicht auf große Namen und schielt nicht auf große Hits, abgesehen nur von der etwas vorhersehbaren Country-Pop-Nummer "Nothing Breaks Like A Heart" mit Miley Cyrus. Dadurch macht Ronson sich das Album zu eigen, es funktioniert nicht nur als Sampler wie etwa die Werke von Calvin Harris oder DJ Khaled. Man kann es in voller Länge hören, anstatt nur Songs zu einer Spotify-Playlist hinzuzufügen, und man lernt etwas über die Person, deren Name auf dem Cover steht.

Mark Ronson feat. Miley Cyrus - Nothing Breaks Like A Heart