Viele neue Freunde

Ed Sheeran hat den Ruf, der coolste Gitarre spielende Rotschopf der Pop-Welt zu sein. Sein neues Album "No. 6 Collaborations Project" demonstriert das mit einem Schaulaufen prominenter Gäste - samt eingängiger Pop-Songs und viel Belanglosigkeit.

Der Titel kommt nicht von ungefähr: Schon 2011 gab es die Veröffentlichung "No. 5 Collaborations Project". Ed Sheeran hatte damals eine Serie von fünf EPs aufgenommen, mit denen er Plattenfirmen auf sich aufmerksam machen wollte - mit Erfolg. Noch im selben Jahr erschien sein Debütalbum "Plus" über das Traditionslabel Atlantic und dessen Muttervertrieb Warner Music. Wie der Vorgänger versammelt auch "No. 6 Collaborations Project" ausschließlich Songs, auf denen der britische Singer/Songwriter mit Musikerkolleginnen und -kollegen zusammenarbeitet. 2011 waren das noch britische Grime-Künstler wie Devlin oder P Money. 2019 sind die Gäste prominenter geworden, und sie kommen diesmal aus allen kommerziell erfolgreichen Genres.

Da sind US-HipHop-Legenden der 2000-er wie Eminem und 50 Cent sowie R'n'B-Newcomer wie Khalid und H.E.R., aus Großbritannien die Rap-Größe Stormzy und der Rap-Geheimtipp Dave, dazu Dubstep-Produzent Skrillex und sogar Country-Gitarrist Chris Stapleton. Die Konstante bei diesem Projekt ist nicht etwa Ed Sheerans Stimme, die auf manchem Track nur eine untergeordnete Rolle spielt, sondern vor allem ein recht profilloser Sound. "Feels" ist zwar ein Afrobeat-Tune, der zum musikalischen Zeitgeist in Sheerans britischer Heimat passt, und auf "South Of The Border" und "Nothing On You" wird auf Spanisch gesungen und gerappt. Dazwischen finden sich aber ebenso eingängige wie unspektakuläre Pop-Songs, auf denen die beliebigen Gäste nur funktionieren, weil sie so eingängig und unspektakulär sind.

In der Komfortzone

"No. 6 Collaborations" ist am Ende nicht mehr als ein Statement: Es zeigt, dass Sheeran seit seinem Durchbruch viele neue Freunde gewonnen hat, dass er sich eigentlich mit allen Kolleginnen und Kollegen gut versteht und dass alle jederzeit Musik mit ihm aufnehmen würden, wenn er fragt - weil er so nett ist. Es scheint fast egal zu sein, ob hier ein kohärentes Album entsteht - im Spotify-Zeitalter ist das längst kein zwingender Anspruch mehr.

Auch Sheeran selbst versteht "No. 6" als eine Compilation, auf der er als eine Art ausführender Produzent fungiert. "I wanna try new things / They just want me to sing", rappt er auf "Take Me Back To London", so als wäre er ein experimentierfreudiger Künstler, den die kommerzielle Musikindustrie nicht so richtig in den Griff bekommt. Das Gegenteil ist der Fall: Mit Ausnahme der Hardrock-Nummer "BLOW" (mit Bruno Mars), auf der die Stimmbänder kurz in Sammy-Hagar-Manier aufrauen, verschleiert der Compilation-Charakter von "No. 6" nur, dass Sheeran sich eigentlich sehr ungern aus seiner Komfortzone herausbewegt.

Ed Sheeran - Beautiful People (feat. Khalid)